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Der Telebasel News Beitrag vom 29. März 2019.
Baselland

Knatsch um Band-Gagen am Stadtfest Liestal

Das OK des Liestaler Stadtfests will den auftretenden Bands keine Gagen bezahlen. Selbst Lokalgrössen wie die Steppin Stompers verzichten auf einen Auftritt.

Das Liestaler Stadtfest steht wahrlich unter keinem guten Stern. Nach der aufsehenerregenden Absage im Jahr 2018 soll das Fest nun dieses Jahr im September endlich durchgeführt werden. Mit Shows, Beizli und Musik wollen die Kantonshauptstädter die neue Rathausstrasse samt frisch renoviertem Törli hochleben lassen.

Doch zumindest was die Musik betrifft, droht erneut Ungemach. Der Grund: Das Organisationskomitee rund um Stadtpräsident Daniel Spinnler hat entschieden, auftretenden Bands keine Gagen zu bezahlen.

«In der Jazz-Szene ist Liestal gestorben»

Wie Telebasel-Recherchen zeigen, sorgt diese Entscheidung in Musikerkreisen für mächtig Unmut. «Einfach nur peinlich», kommentiert eine überregional bekannte Formation die Haltung des OKs. Aus politischen Gründen wolle man sich jedoch nicht öffentlich äussern.

«Es fehlt die Wertschätzung gegenüber uns Musikern», hört man von einer Jazz-Formation aus der Gegend. Man habe sich zwar angemeldet. Nachdem bekannt wurde, dass als einziges Zeichen der Dankbarkeit ein Bratwurst-Bon herausschaue, habe man sich aber wieder zurückgezogen.

Eine dritte Jazzband bringt die in der Szene scheinbar vorherrschende Stimmung auf den Punkt: «Für die Jazz-Szene ist Liestal gestorben.»

Stadtfest-OK verteidigt Entscheid

Stadt- und gleichzeitig OK-Präsident Daniel Spinnler verteidigt den Entscheid: «Es wurde von Anfang an klar kommuniziert, dass die Bands keine Gage erhalten. Im Rahmenprogramm steht, dass keine internationalen Bands angefragt werden. Wenn jemand also nicht auftreten möchte, ist das seine Sache».

Für ihn sei die Teilnahme am Liestaler Stadtfest Ehrensache: «Wer mitmachen will, tut das für Liestal.» Am Schluss könne man es halt nie allen recht machen, sagt Spinnler.

Brief von Stadtpräsident sorgt für rote Köpfe

Diese Haltung habe Präsident Daniel Spinnler den aufgebrachten Bands denn auch per Brief mitgeteilt. Beispielsweise auch Beat Henke von den Cherry Pickers: «Die Art und Weise des Briefs hat mich enttäuscht», sagt er gegenüber Telebasel. Für Ihn und seine Band sei die Geschichte zwar abgeschlossen, dennoch bleibe für ihn als Liestaler Bürger ein schaler Nachgeschmack. Vor allem deshalb, weil Gagen an vergleichbaren Anlässen eigentlich Usus sind: «Egal, ob letztes Jahr in Lausen oder vorher in Itingen oder Gelterkinden: Überall haben auftretende Formationen selbstverständlich eine Gage erhalten».

Mit seinem Appell an die Ehrenamtlichkeit drücke Spinnler mangelnde Wertschätzung gegenüber den Musikern aus: «Es klingt fast so, als müssten wir Musiker froh sein, dass wir überhaupt spielen dürfen. Als müssten wir noch dankbar sein, dass wir überhaupt einen Essensbon erhalten.»

Stadtfest ohne Steppin Stompers

Während viele Bands aus den umliegenden Gemeinden auch ohne Teilnahme am Stadtfest gut leben können, sei die Stimmung bei der bekannten Liestaler Dixieland-Band Steppin Stompers schon gedrückter, weiss man in der Szene.

Auf Anfrage von Telebasel möchte sich die Lokal-Band jedoch nicht zur Situation äussern. Nur so viel: Auch die Steppin Stompers verzichten auf einen Auftritt am Liestaler Stadtfest.

6 Kommentare

  1. Arbeitet Herr Spinnler auch gratis? Solch ein Quatsch kann nur von einem Politiker kommen der noch nie fürs s Geld arbeiten musste und ende Monat für s Nichtstun und Fehlentscheide für die er nicht einmal Verantwortung übernimmt dennoch eine fürstliche Gage erhältReport

  2. Aufgrund der Argumentation des OKs könnte man auch erwarten, dass die Verpflegungsstände Wurst und Bier verschenken. Oder dass der Stadtpräsident seinen Job ehrenamtlich macht.
    Hier fehlt offensichtlich jegliche Wertschätzung für die Arbeit der Musiker. Peinlich!Report

  3. Muss alles auf dem Armenweg ablaufen???
    Wenn sich die Stadt Liestal ein Stadtfest nicht leisten kann, sollen sie es lassen. Wir müssen alle auch Arbeiten um zu Leben!!Report

  4. Wenn das so stimmt, ist es himmeltraurig. Musiker proben für Auftritte, stecken viel Zeit und ihr Können und ihre Energie in ihre Arbeit…ja, Arbeit, auch wenn diese ihnen Freude macht und uns Freude bereitet. Es ist schade, dass sie hier, für Auftritte am Kantonshauptort (!) offensichtlich keine Wertschätzung finden. Kultur ist w e r t v o l l .Report

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