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Basel

Diese Lügen hast du als Kind geglaubt

Mit den Fingern zu knacken ist ungesund und Spinat macht stark: Sind diese Floskeln wirklich wahr oder eine Lüge der Eltern? Mash hat die Experten gefragt.

«Iss’ deinen Spinat auf, davon wirst du gross und stark.» «Hör’ auf, mit den Fingern zu knacken, das ist ungesund!» «Schluck’ deinen Kaugummi nicht hinunter, sonst bekommst du Klumpen im Magen!» Solche Sätze haben schon viele Kinder einmal über sich ergehen lassen müssen. Doch tatsächlich steckt hinter diesen Aussagen oft nur ein kleines Fünkchen Wahrheit.

Gasbläschen oder Überdehnung von Gelenken: Das Fingerknacken

Früher wurde man oft angeschnauzt, wenn man seine Finger knacken liess. Dies solle nämlich zur Überdehnung von den Gelenken führen und sei somit schädlich. Doch was löst eigentlich dieses eigenartige Geräusch aus?

Die bisher beliebteste These, platzende Gasbläschen wären die Ursache, ist mittlerweile widerlegt. Tatsächlich ist die Gelenkschmiere, auch Synovialflüssigkeit genannt, der Auslöser. Wenn man die Fingergelenke überdehnt, zum Beispiel indem man an den Fingern zieht, entsteht ein Unterdruck, was schlagartig Gase freisetzt. Dadurch entsteht auch das unangenehme Knacksen.

Ob dies schädlich ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. Es sei aber nicht schlimm, «ausser man reisse mit Gewalt am Finger oder überdehne die Gelenke sehr stark und andauernd», sagt Dr. Viktoria Kohler, Fachärztin für Handchirurgie am Bethesda-Spital.

Fazit: Die Sache mit dem Fingerknacken ist eine Notlüge der Eltern, denen dieses Geräusch mit der Zeit wohl etwas auf die Nerven geht.

Die Legende von Popeye: Macht Spinat stark?

Seitdem der Comic-Seemann Popeye nach dem Konsum von Spinat super stark wurde und auf der Leinwand zahlreiche Schurken verprügelte, ist die Legende vom stark machenden Spinat fest in unserer Gesellschaft verankert. Das Gemüse liefere viel blutbildendes Eisen und bilde somit Muskeln.

Doch auch hier wird man enttäuscht: Spinat enthält mit 3.5 Milligramm pro 100 Gramm tatsächlich weniger Eisen als Schokolade. Es gibt mehrere Theorien, wie es zu diesem Gerücht kommen konnte: Viele machen einen Kommafehler dafür verantwortlich. Bei einer Untersuchung sei das Komma eine Stelle nach rechts gerutscht – was für den Spitzenwert von 35 Milligramm gesorgt habe.

Man kann also nicht alleine durch Spinat Muskeln aufbauen. Doch das Gemüse hat viele andere Vorteile. So beugt es Übergewicht, Diabetes und einem zu hohen Blutdruck vor.

Bilden Kaugummi tatsächlich Klumpen im Magen?

Man solle Kaugummis nicht herunterschlucken, das sei ungesund. Auch diese Aussage mancher Erziehungsberechtigten scheint zunächst unerschütterlich – doch auch sie ist nur eine Kinderlüge.

Tatsächlich kann unsere Magensäure die Süssigkeit nicht verdauen, doch deswegen bilden sich noch lange keine Klumpen, die sogar bis zu fünf Jahre lang im Magen bleiben sollen. Diese Behauptung lässt sich ziemlich einfach widerlegen: Denn Kinder essen täglich unverdauliche Dinge, bislang wurde jedoch noch niemand mit Plastikautos, Münzen oder Ringen im Magen gefunden. Warum?

Der Magen wird dauernd von unverdaulichen Resten befreit, darunter auch von Kaugummis. So bleibe der «Klumpen» nur vier bis sechs Stunden im Magen und einen Tag im menschlichen Körper, sagt Prof. Dr. Med. Mark Fox von der Klinik Arlesheim.

Und so lautet am Ende die Moral der Geschichte: Die meisten elterlichen Floskeln sind wissenschaftlich nicht bewiesen. Manchmal muss es unsereins fast peinlich sein, wie naiv wir als Kinder waren.

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