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Am Freitag wurden in zwei Moscheen in Christchurch Schüsse abgegeben und zahlreiche Menschen getötet. (Bild: Keystone)

International

Vier Verdächtige nach Moschee-Attacke festgenommen

In der neuseeländischen Stadt Christchurch sind am Freitag Anschläge auf Moscheen verübt worden. Dutzende Menschen kamen ums Leben.
Angreifer von Christchurch nahm sich Breivik zum Vorbild

Das Blutbad in Christchurch erinnert an den Anschlag des norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen ermordete. Tatsächlich hat sich der Angreifer im neuseeländischen Christchurch Breivik explizit zum Vorbild genommen.

«Ritter Justiziar Breivik» nennt der Angreifer von Christchurch den norwegischen Rechtsextremisten – ein Begriff, den Breivik selbst geprägt hat. In einem 74-seitigen Manifest, das er vor dem Anschlag von Christchurch bei Twitter veröffentlicht hatte, nennt der Angreifer den Norweger eine «echte Inspiration».

Er habe zwar nur kurz mit Breivik Kontakt gehabt, er habe aber für seine Anschlagspläne «den Segen für meine Mission erhalten, nachdem ich dessen Mitritter kontaktiert» habe.

Belegt ist der angebliche Kontakt zwischen den beiden nicht: Breiviks Anwalt, Oystein Storrvik, sagte der Zeitung «Verdens Gang», er halte dies aufgrund der strengen Kontrollen, denen Breivik im Gefängnis unterliegt, für «unwahrscheinlich».

Bundespräsident Ueli Maurer geschockt

Bundespräsident Ueli Maurer schrieb auf Twitter, der Angriff in Christchurch auf betende Menschen in den Moscheen sei schockierend. Die Schweiz verurteile alle Terrortaten. «Meine Gedanken und meine Anteilnahme sind bei den Opfern, ihren Familien und mit allen Menschen in Neuseeland», schrieb er weiter.

Polizei will Video vom Angriff aus dem Netz nehmen

Die neuseeländische Polizei arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Verbreitung eines Videos vom mutmasslichen Terrorangriff in Christchurch zu verhindern. Ermittler forderten die Öffentlichkeit am Freitag auf, Links zu dem Video nicht im Internet zu teilen.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern unterstützte den Aufruf der Behörden. Diesem «Akt der Gewalt» dürfe kein Raum geboten werden. Das 17-minütige Video, wohl vom mutmasslichen Attentäter selbst gefilmt, soll den Angriff auf die erste Moschee zeigen.

Facebook-Profil gelöscht

Facebook teilte mit, nach einem Hinweis der neuseeländischen Polizei das Profil des mutmasslichen Attentäters sowohl auf Facebook als auch auf Instagram entfernt zu haben. Auch der Livestream sei entfernt worden.

Der neuseeländische Rechtsprofessor Alexander Gillespie von der Universität von Waikato warnte, die Verbreitung des Videos könne Nachahmungstäter anstiften.

Vier Verdächtige festgenommen

Nach dem mutmasslichen Terrorangriff sind vier Menschen festgenommen worden. Das sagte der zuständige Polizeichef Mike Bush am Freitag in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington.

Wobei einer davon vermutlich nicht mit dem Angriff in Verbindung stehe. Einem anderen Verdächtigen, der Ende 20 sei, werde Mord vorgeworfen. Er soll bereits an diesem Samstag einem Richter vorgeführt werden. Bei den übrigen zwei Verdächtigen müsse noch genau geklärt werden, was sie mit dem Vorfall zu tun hätten. Sie seien im Besitz von Schusswaffen gewesen. (sda)

Nicht auf die Strassen gehen

Der genaue Ablauf der Attacke auf die Moscheen war auch nach Stunden noch unklar. Für den Pazifikstaat Neuseeland ist es eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Geschichte. Premierministerin Ardern sprach von einer von Neuseelands «dunkelsten Stunden».

Schulen abgeriegelt

Die Innenstadt von Christchurch wurde zeitweise abgeriegelt, Schüler durften ihre Klassenräume nicht verlassen, und alle Menschen in Christchurch wurden aufgerufen, nicht auf die Strasse zu gehen.

An die Bevölkerung – insbesondere an Muslime – appellierte Ardern, zuhause zu bleiben: «Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen.» Die Sperrung wurde erst am Abend (Ortszeit) wieder aufgehoben.

Cricket-Team entkam

Bangladeschs Cricket-Team, das für ein Spiel gegen Neuseeland in Christchurch war, entkam offenbar nur knapp einem der Angriffe. Ein Sprecher berichtete, einige der Spieler hatten gerade den Team-Bus verlassen und wollten in die Moschee gehen, als der Angriff begann. Sie seien alle sicher, stünden allerdings unter Schock. Das Match wurde abgesagt.

Massive Schusswaffenangriffe sind in Neuseeland selten. Das Land hatte 1992 seine Waffengesetze verschärft, seitdem gelten strikte Regeln für den Erwerb halbautomatischer Waffen. In Auckland sprengte das Militär sicherheitshalber zwei herrenlose Taschen in der Nähe eines Bahnhofs. Ihr Inhalt stellte sich als harmlos heraus. (sda)

Zahl der Toten steigt auf 49

Nach den Angriffen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch ist die Zahl der Todesopfer auf 49 gestiegen. Das teilte die Polizei mit. Mehrere Personen hatten das Feuer auf Menschen eröffnet, die sich zum Freitagsgebet in die Moscheen begaben.

Mehrere Personen hatten am Freitag das Feuer auf Menschen eröffnet, die sich zum Freitagsgebet in die Moscheen von der neuseeländischen Stadt Christchurch begaben. Ein Mann im Alter von Ende 20 Jahren sei des Mordes angeklagt worden. Zahlreiche Waffen seien sichergestellt worden, hiess es weiter am Freitag.

Sprengsätze entschärft

Der «Terroranschlag» sei «gut vorbereitet» gewesen, sagte die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern in einer früheren Erklärung. Mehr als 20 Menschen seien schwer verletzt worden. Weiter seien an Autos zwei Sprengsätze gefunden worden. Diese seien entschärft worden.

Bislang gibt es keine Hinweise auf Schweizer Staatsangehörige unter den Opfern, wie das Aussendepartement EDA auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Die Schweizer Vertretung in Wellington stehe in Kontakt mit den zuständigen lokalen Behörden.

Australier beteiligt

Die Angriffe waren in der Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch und in einer Moschee im Vorort Linwood verübt worden. Sie ereigneten sich während des Freitagsgebets.

An dem Angriff sei ein Australier beteiligt gewesen, sagte der australischen Regierungschefs Scott Morrison. Der Angriff sei von einem «extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen» verübt worden, sagte Morrison am Freitag. Dieser sei ein in Australien geborener Staatsbürger seines Landes.

Im Internet kursierte ein Video, welches die Tat zeigen soll. Per Twitter warnte die neuseeländische Polizei vor «extrem erschreckenden Bildern» aus einer der angegriffenen Moscheen.

Es handelte sich demnach um Bilder, die ein Angreifer selbst gefilmt hatte. Ein weisser kurzhaariger Mann ist dabei zu sehen, wie er zu einer der Moscheen fährt und schliesslich auf die versammelten Gläubigen feuert. (sda)

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