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Der Telebasel News-Beitrag vom 15. März 2019.

Basel

Brasilianer sucht Schwester im Basler Milieu

Besorgt um seine Schwester reiste João von Brasilien nach Basel. In einer Kontaktbar fand er sie tatsächlich. Allerdings kam es dann anders als geplant.

Es war die Angst um seine Schwester, die ihn nach Basel trieb. Der 34-jährige João (Name geändert) nahm daher die lange Reise vom brasilianischen Bundesstaat Maranhão in die Schweiz auf sich. Von Südamerika aus fand er heraus, wo seine Schwester steckt: in einem einschlägigen Kleinbasler Etablissement.

Kurz nach seiner Ankunft am Donnerstag begab er sich schnurstracks dorthin. «Tatsächlich fand ich sie. Zunächst erschrak sie, da sie von meiner Ankunft nichts wusste», sagt João gegenüber Telebasel. Er entschied sich aus mehreren Gründen für den Überraschungsbesuch. Ihm kam nämlich zu Ohren, dass seine Schwester bei ihrer Tätigkeit als Sexarbeiterin unter Druck gesetzt werde.

Überraschungsbesuch im Bordell

Inwiefern das zutrifft, konnte er nicht herausfinden. Aus Angst, dass ihr etwas zustossen könne, bleibe er vorsichtig und anonym. Jedenfalls hatte seine Reise kein Happy End. Seine Schwester könne sich momentan gar kein Rückflugticket leisten. Aus finanziellen Gründen habe sie sich entschlossen, weiterhin eine Weile im Rotlichtmilieu zu arbeiten.

Somit reisen die Geschwister nicht gemeinsam nach Brasilien zurück. «Ich habe getan, was ich konnte», sagt João resigniert. Nur noch bis Sonntag hat er Zeit. Bis dann will er nochmals mit seiner Schwester sprechen und sich dann überlegen, die Geschichte den Behörden zu melden.

Als Touristin ins Sex-Gewerbe

Wie freiwillig der Entscheid der Brasilianerin war – genau das ist eine knifflige Angelegenheit im Sex-Gewerbe, wie eine Anfrage von Telebasel bei der Basler Kantonspolizei ergibt. «Drucksituationen sind nicht auszuschliessen. Sie zu erkennen und vor allem nachzuweisen, ist nicht einfach», sagt Polizeisprecher Martin Schütz.

Oft hänge das von der Aussagebereitschaft der mutmasslichen Opfer ab. «Die Milieufahndung der Kantonspolizei führt regelmässig Kontrollen in den ihr bekannten Milieulokalen durch», sagt Martin Schütz.

Wie João erklärt, ist seine Schwester ursprünglich als Touristin eingereist und in Basel hängen blieben. Auch der Polizei ist dieses Phänomen bekannt. «Nach unseren Schätzungen sind circa 40 bis 60 Frauen als Touristinnen in Basel, die sich teilweise prostituieren», sagt Martin Schütz.

Dies sei bei Staatsbürgern von Drittstaaten ohne Arbeitsbewilligung nicht erlaubt. Frauen mit EU- oder EFTA-Staatsbürgerschaft könnten hingegen innerhalb des Meldeverfahrens während jährlich 90 Tagen legal der Sexarbeit nachgehen.

2 Kommentare

  1. Ich bin Brasilianerin und lebe schon 20 Jahre in der Schweiz …. Wenn João Hilfe braucht kann Er in meinem Haus bleiben, bis er das Problem behoben hat.
    S.BReport

  2. Wenn diese Frau tatsächlich auch zurück nach Brasilien will, und das finanzielle Problem nicht vom Staat oder der brasilianischen Botschaft gelöst werden kann, dann sollten wir eine Spendenaktion starten!Report

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