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Punkt 4 Uhr startete die Fasnacht 2019 mit dem Morgestraich. (Video: Telebasel)

Basel

Startschuss zu den «drey scheenschte Dääg»

Mit dem Morgestraich hat um 4 Uhr unter dem Motto «bis zletscht» die Basler Fasnacht 2019 begonnen. Zehntausende Schaulustige waren in der Innenstadt.

Mit dem 4 Uhr-Schlag gingen in der Basler Innenstadt die Strassenlichter aus; die magische Vorfreuden-Stimmung erreichte ihren Höhepunkt. Sekundenbruchteile danach ertönte aus den Larven der Tambourmajore heraus der Ruf, auf den Fasnachtsbegeisterte ein Jahr lang gewartet hatten: «Morgestraich – vorwärts marsch!»

(Beitrag in den Telebasel News vom 11. März 2019)

In langsamem Schritt der Fasnachtsmärsche zogen dann die Cliquen hinter ihren Fasnachtslaternen mit Bildern und Zeilen zu ihrem aktuellen Sujet durch die Altstadt. Zehntausende Zuschauerinnen und Zuschauer folgten dem Schauspiel bei überraschend sternenklarem Himmel, nahezu Windstille und Temperaturen um die 5 Grad.

Polit-Sujets von nah und fern

Drei Tage lang ist nun die Stadt am Rheinknie in karnevaleskem Ausnahmezustand. Das Motto der Basler Fasnacht 2019, «bis zletscht», spielt auf das Ende der einst glanzvollen Schweizer Mustermesse alias muba an. Die 103. und allerletzte Ausgabe der selbsternannten «Mutter aller Messen» hatte am 17. Februar ihre Tore geschlossen.

(Beitrag in den Telebasel News vom 11. März 2019)

Die Fasnachtsplakette zeigt eine Clique, die den Ändstraich vor der grossen Uhr der Rundhof-Messehalle zelebriert – 34 Cliquen spielen dieses Motto selber auch aus. Auf einer Laterne wird die einst grosse Publikumsmesse als untergehende Titanic dargestellt. Eine andere zeigt den gegangenen Messe-Chef als Pharao und die teuren, edlen Messehallen als Pyramiden einer untergegangenen Kultur.

Die Bandbreite der in monatelanger Feinarbeit ausgefeilten Cliquen-Sujets ist auch 2019 wieder sehr gross. Zu den Topthemen gehören etwa Rassismus und Narrenfreiheit, Umweltverschmutzung oder Digitalisierung. So macht auch der Klimawandel vor der Fasnacht nicht Halt, und Mahnen gehört zum Kerngeschäft der Fasnächtler.

Kreatives Ventil

Neben Weltpolitik wie Trump als Fake-News-Schleuder wird Lokales, wie ein Holzlager-Grossbrand im Basler Rheinhafen thematisiert. Stilistisch haben Cliquen keine Berührungsängste; so steht fürs Kulturerbe – zu dem die Basler Fasnacht nun zählt – ein auf einem Knochen pfeifendes Skelett neben Asterix und Spiderman auf einer Laterne.

Erwartungsgemäss werden Geschlechterrollen, Sexismus und politische (Un-)Korrektheit breit ausgespielt; das reicht von der Krise des Männlichen bis zum freizügigen Messeplakat.

Aber auch mit Todernstem wird virtuos umgegangen, zum Beispiel mit Sterbehilfe und einschlägigen Organisationen. Neben solch einer Laterne leuchtet der mitunter schwere Klang mancher traditioneller Fasnachtsmärsche spontan ein.

Überhaupt sind die Laternen die Stars des Fasnachtsauftakts am dunklen frühen Morgen: in monatelanger Detailarbeit entstehen diese Kunstwerke für nur drei Tage Spektakel; am Morgestraich werden sie öffentlich. Neben plakativen Sujet-Motiven findet man auf vielen liebevoll drapiert kleine Zeilen mit poetischen bis bissigen Gedanken zum jeweiligen Thema.

Für den Cortège, dem Umzug durch die Innenstadt vom Montag- und Mittwochnachmittag, haben sich beim Comité 490 Fasnachts-Einheiten angemeldet: Cliquen, Wagen, Guggenmusiken und andere. Ab Montagabend sind auch die Schnitzelbänkler unterwegs und singen in diversen Lokalen ihre Verse.

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