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Der Telebasel News-Beitrag vom 6. März 2019.

Basel

Mieterinnen am Schorenweg: «Das ist ein Schock»

Nach der Massenkündigung am Schorenweg sorgen sich vor allem ältere Bewohner um ihre Zukunft. Derweil greift der Mieterverband die Basler Regierung an.

Für die 85-jährige Maria Bumann war es ein herber Schlag. Als sie den eingeschriebenen Brief erhielt, brach für sie eine Welt zusammen. «Ich wohne schon seit 60 Jahren hier und was ich jetzt bekommen habe, ist ein Schock – man kann das fast nicht in Worte fassen», sagt die Mieterin, den Tränen nahe.

Sie ist eine der über 200 Personen, die von der Massenkündigung im Hirzbrunnen betroffen sind. Ende Februar 2020 müssen alle Mieter die Wohntürme am Schorenweg 20/22 und 30/32 verlassen. Als AHV-Rentnerin sieht Maria Bumann wenig Chancen, innerhalb eines Jahres ein bezahlbares Zuhause zu finden.

Wohnungssuche für Senioren schwierig

Diese Sorgen hat auch ihre Nachbarin Vreni Parisi. «Meinem Mann wurde vorzeitig gekündigt, daher haben wir keine so eine grosse Pension. Ich weiss nicht, wie es weitergeht.» Wohin die meist älteren Leute in der Liegenschaft ziehen sollen – diese Frage stellt sich auch ihre Nachbarin Doris Bouverat. Gerade für Senioren sei ein funktionierendes Nachbarschaftsnetz wichtig. Das habe hier gut funktioniert. Nicht einmal in der Waschküche gebe es – wie sonst üblich – «Lämbbe».

Ebenfalls verärgert über die Hiobsbotschaft ist auch Pia Erb. Sie ist besonders froh über die Qualität der Wohnungen mit neuen Küchen und Badezimmern. Warum das bereits saniert werden muss, sorgt bei ihr für Kopfschütteln.

Neue Mietzinse am Schorenweg noch unklar

Eigentümerin der Liegenschaft ist der Credit Suisse Real Estate Fund Siat. Dabei handelt sich um einen Immobilienfonds der Credit Suisse. In dessen Auftrag verwaltet die Firma Wincasa die Wohntürme am Schorenweg. Diese erklärt gegenüber Telebasel die Gründe für die Massenkündigung.

«Bei der Sanierung geht es insbesondere darum, die Liegenschaften an die neuesten Vorschriften beim Brandschutz anzupassen und die Erdbebenertüchtigung der Bausubstanz vorzunehmen», schreibt Remo Fumagalli, Filialleiter Basel von Wincasa. Diese Gesamtsanierung sei für die 196 Wohnungen unumgänglich. Da bei diesen Arbeiten die Treppenhäuser gesperrt und somit Fluchtwege fehlen, müssten die Mieter während dieser Zeit die Wohnungen verlassen.

Allerdings versichert Remo Fumagalli, dass Mieter, die nach der Sanierung in ihre Wohnung zurückkehren möchten, den Vorzug erhielten. Wie hoch die Mietzinsen nach den Arbeiten sein werden, liesse sich noch nicht konkret beziffern. Nach Angaben von Wincasa sollen die Wohnungen aber «ortsübliche Mietzinsen»  aufweisen.

Mieterverband sieht Volkswillen missachtet

Der Mieterverband kritisiert derweil die Basler Regierung. In den Augen von Co-Präsident Beat Leuthardt zeige etwa das Beispiel am Schorenweg, dass es mit der Umsetzung der Wohnschutz-Initiative hapert. «Die Verfassung ist in Kraft, aber die Regierung wendet sie nicht an», moniert er. «Wir verlangen, dass die Regierung die bestehenden Gesetze auf die Verfassung ausrichtet und ein solches Projekt nicht mehr bewilligt».

Eine Sprecherin des Bau- und Verkehrsdepartements nimmt Stellung zu diesem Vorwurf. Derzeit würden die gesetzlichen Ausführungsvorschriften zu den Initiativen erarbeitet und müssten noch vom Grossen Rat verabschiedet werden. Erst dann könne sich die behördliche und gerichtliche Praxis darauf abstützen. Bis dann entscheide das Bauinspektorat nach geltendem Recht. Beat Leuthardt überlegt sich nun, wie die Umsetzung des Volkswillens beschleunigt werden könnte. Als Option sieht er etwa eine Aufsichtsbeschwerde.

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