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Der Telebasel News-Beitrag vom 5. März 2019.

Basel

Streit zwischen Kirche und Gugge

Im Fasnachts-Himmel ist der Teufel los. Die Leitung der Elisabethen-Kirche fordert Einsicht in die Bangg-Verse für einen Anlass der Gugge 46. Diese ist empört.

Zum dritten Mal feiert die Gugge 46 das «Oobemohl am Noomidaag» in der Elisabethen-Kirche. Bei diesem festlichen Anlass am Fasnachtsdienstag treten unter anderem Schnitzelbänke auf. Nun möchte die Kirchenleitung, dass diese ihre «Zeedel» im Voraus vorlegen.

Engel und Teufel in der Kirche

Georges Merkofer, Obmann der Traditions-Gugge ist verärgert über diese Bitte: «An der Basler Fasnacht Texte einschicken zum Zensurieren – was ist denn das?», sagt er gegenüber Telebasel. So manch ein Bangg aus seiner Bekanntschaft habe darüber nur den Kopf geschüttelt. «Wehret den Anfängen», mahnt Merkofer. Irritiert ist er auch darüber, dass die Vermieter nach zwei Jahren plötzlich mit dieser Auflage anklopfen.

Frank Lorenz, Pfarrer und Geschäftsführer der Offenen Kirche Elisabethen, verteidigt diese Forderung. Das diesjährige Sujet der Gugge 46 «Im Himmel ist der Teufel los» habe ihn stutzig gemacht. Daher wollte er wissen, was damit gemeint ist. Schliesslich seien gerade Symbole wie Engel für eine Kirche wichtig.

Kanzel-Vorfall vor zwei Jahren

Das Ganze hat eine Vorgeschichte: Vor zwei Jahren stieg bei diesem Anlass ein Kostümierter auf die Kanzel, was gegen die Abmachung war. Kanzel und Altar, die der Predigt, bzw. dem Abendmahl dienen, dürfen nicht zweckentfremdet werden. Aus diesem Grund konnte etwa auch Renato Salvi in seiner Vorfasnachts-Veranstaltung Kòpfladäärnli aus Respekt vor dem geweihten Ort nicht von der Kanzel aus ein Raamestiggli vollführen.

Frank Lorenz klärte diesen Vorfall im Anschluss mit der Gugge 46. Georges Merkofer kann das Argument aber nicht nachvollziehen. Erstens habe er sich für die Sache mit der Kanzel längst entschuldigt. Zweitens habe das diesjährige Sujet nichts zu tun mit der Kanzel: «Die Jeisi-Migger kommen als Engel, wir als Teufel – ich weiss nicht, was hier wahnsinnig Schlimmes daran ist». Vielleicht werde man auf der Strasse seine Spässe machen, die Kirche aber respektieren.

«Keine Zensur, sondern gesunder Menschenverstand»

Frank Lorenz betont, er wolle niemandem etwas unterstellen. Zwar sei die Offene Kirche mit der Disco und fasnächtlichen Anlässen ein Ort der Freude und der Lebensbejahung. «Wir sind die Kirche für alle, aber eben eine Kirche – und die hat ihre Grenzen.» Daher auch seine Bitte, einen Einblick ins Festprogramm und die Bängg zu erhalten.

Fasnacht sollte sich seiner Meinung nach über Obrigkeiten und Machthaber lustig machen, doch nicht über Minderheiten oder Marginalisierte. «Sollte das jedoch passieren, dann – und nur dann –  würde ich mir vorbehalten, einen Bangg zu bitten, einen solchen Vers nicht in der Kirche vorzutragen», sagt Lorenz.

Das sei keine Zensur, sondern «eine gute Mischung als gesundem Menschenverstand und normalem Anstand». So habe er beim Kòpfladäärnli auch einen einzigen Schnitzelbankvers zurückgewiesen und das sei auch so akzeptiert worden.

Gugge hat viele Zeedel noch gar nicht

Georges Merkofer kann mit diesem Vergleich nicht viel anfangen. Sein Anlass sei eben keine Vorfasnachts-Veranstaltung. Viele dieser Zeedel habe er gar nicht im Voraus und könne die Texte daher noch gar nicht aushändigen. Da bis zu 280 Gäste eingeladen sind, könne man bis Dienstag halt nicht viel machen. «Wir haben einen gegenseitigen Vertrag – wir machen jetzt das dieses Jahr noch, werden dann aber in Frieden auseinandergehen», prophezeit er.

Unter diesen Voraussetzungen wolle er künftig nicht mehr in der Kirche feiern. Was aber passiert, wenn die Gugge 46 bis am Dienstag die Bangg-Verse nicht zeigt, bleibt offen. Das werde man im Moment entscheiden, wie Frank Lorenz sagt. Er werde aber das Gespräch mit der Gugge 46 suchen.

4 Kommentare

  1. Nun ist es also vorbei, das viel geschmähte 3. OMAN der Gugge 46. Ich denke es war ein einzigartiges Erlebnis, was sich gestern, zwischen 19.46 und 15.30 Uhr in der altehrwürdigen Elisabethen-Kirche abgespielt hat.
    Wunderbare Orgel- und Piccoloklänge, hochklassige Schnitzelbänke, ein unvergessliches Klavier und Piccolo Duett, bei dem es den 260 Gästen kalt den Rücken hinunter fuhr.
    Kurz zusammengefasst: Das 3. OMAN (OobeMoolAmNomiddag war das Beste. Danke liebe Gugge46, Künstler Freunde. Es wird allen Anwesenden in bester Erinnerung bleiben.Report

  2. Naja ich bin eigentlich der Ansicht, dass die Fasnacht nicht in die Kirche gehört. Genau diese Obrigkeiten und Machthaber welche Frank Lorenz nennt, waren in der Entstehungszeit der Fasnacht die Kirche und ihre Würdenträger. Warum sich die Kirche, auch wenn sie sich als offen bezeichnet, nun mit der Fasnacht anbiedern muss kann und möchte ich nicht verstehen. Und auch nicht die Haltung, dass man sich gerne über andere Lustig machen soll, aber doch bitte nur nicht über die Kirche, Gott, und seine Jünger. Da wird für mich diese offene Kirche plötzlich genauso intolerant wie streng gläubige Moslems die jeden umbringen wollen welcher sich mal über Allah lustig macht. An unserer Fasnacht soll und darf es keine Zensur geben, auch nicht durch die Kirche. Die Fasnacht weiss nämlich sehr gut was anständig und richtig ist.Report

  3. Ich finde das ein Stück weit respektlos von der Gugge 46. Klar, an der Fasnacht geht alles, aber eben nicht in einer Kirche. Sie müssen ja nicht mit der Kirche zusammenarbeiten, es gäbe genügend Orte, wo sie nicht auf religiöse Gefühle Rücksicht nehmen müssen. Die Elisabethen kam ihnen ja sehr weit entgegen. Finde das nicht so nett.Report

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