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Der Telebasel Mash vom 28. Februar 2019.

Basel

Sex mit Handicap

Sex ist für viele Menschen selbstverständlich. Für Personen mit einer Behinderung ist das Thema aber oft schwierig. Wie gehen sie damit um?

Ein junger Mann begrüsst die Mitarbeiter der Jugendsendung Mash von Telebasel im Wohnhaus Blotzi 10. Er sitzt im Rollstuhl. Mattia, so heisst er, wohnt hier. Das Wohnhaus Blotzi 10 ist ein Angebot der Vereinigung Cerebral Basel. Sie bietet hier Wohnplätze für erwachsene Menschen mit hohem Betreuungs- und Pflegebedarf an. Mattia, der aufgeschlossene 21-Jährige, wohnt seit eineinhalb Jahren in der Einrichtung.

Mattia ist an Muskeldystrophie Duchenne erkrankt. Die Krankheit äussert sich schon im frühen Kindesalter mit einer ausgeprägten Muskelschwäche. Mit zwölf Jahren wurde er abhängig vom Rollstuhl, da die Krankheit schnell voranschreitet. Mattia ist bereit, in der Jugendsendung Mash zu erzählen, ob Menschen mit Einschränkung auch Sex haben und inwiefern das für sie möglich und wichtig ist.

Mit 18 Jahren hat Mattia angefangen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen. Denn für Menschen mit Einschränkungen dieser Art ist es nicht so einfach, seine Sexualität auszuleben. Mit der Hilfe von Vertrauenspersonen fand Mattia zur Sexualbegleitung.

Sexualbegleitung bietet erotische Erlebnisse

Sexualbegleiterinnen und Sexualbegleiter können da behilflich sein. Sie bieten Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung die Möglichkeit, ihre Sexualität zu entdecken und auszuleben. Auf der Plattform Sexcare können Menschen mit einer Einschränkung Sexualbegleiterinnen und Sexualbegleiter kontaktieren und mit ihnen ein Treffen vereinbaren.

Isabelle Kölbl (59) ist von Beruf Sexualbegleiterin und Geschäftsführerin von Sexcare. Im Gespräch mit ‹mash› erklärt sie, dass es wichtig sei, bei dieser Arbeit transparent zu sein. Es sei sehr schön zu beobachten, wenn man jemanden über eine gewisse Zeit begleite, wie die Person plötzlich eine Persönlichkeit entwickle und selbstständig werde, aufleuchte, glücklich werde, so Kölbl. Die Selbstbestimmtheit sei ein ganz wichtiger Faktor, der zunehme, und das sei immer sehr schön und freue sie.

Vorabklärungen sind nötig

Der Kontakt zwischen Kunde und Sexualbegleitung beginne meistens per Mail, so Kölbl. Zuerst müssen Vorabklärungen mit Betreuern oder zugehörigen Beiständen sowie mit dem Gast persönlich gemacht werden. Bei den Vorgesprächen werden die sexuellen Bedürfnisse und allfällige Probleme besprochen.

Bis effektiv ein Termin mit einer Sexualbegleitung steht, bei dem es zum intimen Kontakt kommt, braucht es einen Moment. In gewissen Fällen könne bis zu einem Jahr vergehen, bis der Kunde so weit sei, erklärt Kölbl.

Ist Sexualbegleitung Prostitution?

Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Sexualbegleitung um Prostitution. Was die beiden Berufe jedoch unterscheidet, sind die Voraussetzungen: Bei der Seuxalbegleitung sind Vorgespräche und eine umfassende Vorbereitung eines intimen Treffens nötig. Der Sexualbegleiter oder die Sexualbegleiterin braucht zudem viel Fingerspitzengefühl und ein hohes Einfühlungsvermögen in Bezug auf den Kunden: «Es gibt Menschen, die mit 50 Jahren noch keinen nackten Körper gesehen oder berührt haben», so Kölbl.

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