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Britta Graf und Regula Messerli: Die Papiermühle steht vor grossen Herausforderungen. (Bilder: zVG)

Basel

Basler Papiermühle: extrem beliebt, stark belastet

Die Basler Papiermühle steckt in erheblichen Finanzproblemen. Britta Graf und Regula Messerli erklären im Talk, wie man dagegen angehen will.

Geht es nach den Touristen, die die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt online bewerten, ist die Basler Papiermühle im mittelalterlich-chicen Dalbeloch ein «Must see». Auf der Plattform Tripadvisor steht sie auf Platz 1, noch vor der Altstadt, der Fährifahrt oder dem Kunstmuseum.

Über 43’000 Besucher betraten letztes Jahr das Papiermuseum, wo neugierige Augen kundiges Personal bestaunen können, das von Hand Papier herstellt und mit alten Maschinen nach historischer Manier Bücher, Hefte oder Urkunden produziert.

Hohe Eigenwirtschaftlichkeit

So weit, so malerisch. Die Christoph Merian Stiftung zahlt 315’000 Franken jährlich (plus Übernahme Mietkosten sowie Überweisung regelmässiger Infrastrukturbeiträge), der Stadtkanton 260’000 Franken an die jährlichen Betriebskosten von 1,65 Millionen. Die Unterstützung aus dem Baselbiet (bisher: 50’000 Franken jährlich) geht ab dem Jahr 2022 in die Verantwortung der Stadt über, die Stiftung steht mit der Stadt im Gespräch über neue Staatsbeiträge.

Die Papiermühle läuft mit einer hohen Eigenwirtschaftlichkeit von 60 Prozent: «Wir leisten extrem viel mit extrem wenig Geld», so Museumsleiterin Britta Graf. Zu den Einkünften zählen Eintrittsgelder, Gönnerbeiträge, aber auch die Einnahmen aus dem Verkauf der Produkte, die die Papiermühle herstellt.

Rigorose Sparmassnahmen

Die wirklichen Probleme der beliebten Institution liegen tiefer. «Trotz aller Anstrengungen drückt uns ein strukturelles Defizit», so Britta Graf, jährlich rund 100’000 Franken. Letztes Jahr half zufälligerweise ein Legat aus. Die finanzielle Unterstützung für den Betrieb, der auch zwölf geschützte Arbeitsplätze unterhält, steht auf wackligen Füssen und die Anforderungen des neuen Behindertenhilfegesetzes erfordern einen grösseren Administrations- und Personalaufwand.

Rigorose Sparmassnahmen der letzten zehn Jahre haben die ohnehin schon knappe Personaldecke gefährlich ausgedünnt. In den nächsten Jahren steht der Papiermühle ein grundlegender Umbau bevor. Zahlreiche langjährige Mitarbeitende mit spezialisiertem Wissen stehen vor der Pensionierung. «Wenn unser Drucker geht, können wir nicht einfach einen Drucker suchen. Der könnte gar nicht arbeiten mit unseren historischen Maschinen und Methoden», erklärt Graf das Problem. Das Museum müsse jetzt enorm «viel Wissen sichern», das sonst in den nächsten Jahren verloren ginge.

Um die Existenz des Museums zu sichern. müsse dringend personell und inhaltlich investiert werden, insbesondere in den Bereichen Vermittlung, Unterhalt, Sammlung und Wissenstransfer. Derzeit finanziert die Christoph Merian Stiftung eine Betriebsanalyse. «Wir reden mit Sicherheit von einem sechsstelligen Betrag», so Britta Graf.

Papiermühlen-Stiftungspräsidentin Regula Messerli und Museumsleiterin Britta Graf im Telebasel Talk vom 28. Februar 2019 um 18:40 Uhr und ab 19:15 Uhr stündlich. 

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