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Der Telebasel News-Beitrag vom 24. Februar 2019.

Basel

Von Steinzeit bis Trump – eine starke Drummeli-Zeitreise

Ob Zweiter Weltkrieg, Erdbeben oder 80er-Revolte: Das Drummeli lässt mit seinem roten Faden so manche Epoche auf der Bühne aufleben. Auch die düsteren Zeiten.

Bereits in der Jungsteinzeit gab’s hier Fasnacht. Die Schnooggekerzli liefern gleich zu Beginn des Drummeli-Abends den Beweis. Die Zeedelverse sind noch in Stein gehauen, Faustkeile dienen als Waggis-Larven. Es ist der Auftakt zu einer Reise durch die Geschichte. Weiter geht’s zu den Römern, ins tiefste Mittelalter und in die Neuzeit.

Eine Dampflok tuckert durch eine Basler Strassenszene aus dem 19. Jahrhundert, Jugendliche prügeln sich in einem Trommelschlegel-Duell mit der Polizei. Ob Barockengel oder spanische Gastarbeiter, Nonnen und Seidenbandweber: Die verschiedenen Kostüme und Requisiten aus allen Epochen geben schon mal rein optisch einiges her.

Nun, alles aus dieser langen Zeitreise kann hier nicht im Detail beschrieben werden. Nur so viel vorweg: Das Drummeli-Experiment eines historischen roten Fadens hat sich gelohnt.

Das Drummeli 2019 unter anderem mit: Schnitzelbangg Stroossewischer (als Astronauten), Glunggi (als Pinguine) und Schnurebegge feat. Rapper Fabe, Chaote (Gugge):

(Video: Telebasel)

Fasnacht zu Kriegszeiten

Selbst vor finsteren Epochen macht das Drummeli nicht Halt. Die VKB erinnern als Aktivdienstler mit einem gedrückten «Basel an mym Rhy» an die Jahre ohne Fasnacht. Nachdenklich stimmt auch der Auftritt der Alte Stainlemer zur Arbeiterbewegung. Sie marschieren als Rädchen im Getriebe über die Bühne. Schliesslich legen sie aber ihre graue Kluft des Fabrikalltags ab – und Fasnachtskostüme kommen zum Vorschein.

Bei der Auswahl der Musikstücke setzen viele Cliquen auf die Klassiker. Diese werden aber entsprechend in Szene gesetzt. So vollführt etwa die Wettstai-Clique mit dem gleichnamigen Marsch eine Hommage an die historische Persönlichkeit Johann Rudolf Wettstein. Das «Nunnefirzli» hat in der Bischofsstadt seinen Platz, «dr Fischmärt» erklingt während des putzigen Pinguin-Spaziergangs zur Zolli-Eröffnung von 1874.

Super-Mario und Martinsglöggli

Es gibt aber auch bekannte Melodien, die nun im fasnächtlichen Gewand zu hören sind. So spielt die Spale-Clique das Mäss-Chanson «s Martinsglöggli» in einen neuen Marsch. Bei Rhygwäggi erklingen Tetris- und Supermario-Melodien aus den Piccolos. D Junteressli widmen sich zum 50-jährigen Jubiläum einem Medley aus allem, was mit Pferden zu tun hat. Gleich alt sind die Basler Rolli, die sich den uraufgeführten «Apollo» zum Geburtstag schenkten.

Der Gang durch 5000 Jahre Fasnacht endet beim Thema Fake News der Gegenwart. Nicht nur Donald Trump findet hier Erwähnung. Auch Regierungsrat Hans-Peter Wessels höchstpersönlich verschlägt es ins Drummeli, in eine der mittelalterlichen Nummern der Alte Glaibasler – wobei hier noch nicht mehr verraten werden soll.

Sowohl optisch wie akustisch gibt’s durchs Band immer wieder neue Überraschungen. Nebst den Cliquen überzeugen auch die beiden Guggen. Hühnerhautstimmung kommt etwa auf, wenn die Grunz Gaischter mit einem Song von Linkin Park an das Erdbeben von 1356 erinnern. Die Chaote zelebrieren dagegen mit Mackie Messer das Küchlin Varieté der Goldenen Zwanzigerjahre.

Auch nachdenkliche Stiggli

Bei den Bängg tauchen beim Schwarzen Tod im Mittelalter die Wanderratte auf, bei der Mondlandung die Strossewischer. Letztere glänzen mit einem Marathonbangg, ja schon eher einem Folksong über die Hippie-Zeit. Auch die Rahmenstücke fügen sich in die jeweiligen Epochen ein. Immer ist der Bezug zu den «drey scheenschte Dääg» da. Mal sind’s die Römer, welche über die barbarischen Fasnächtler den Kopf schütteln. Mal schlagen sich Reformatoren Bibelverse um den Kopf, um das närrische Treiben zu verbieten.

Dabei stechen zwei nachdenkliche Nummern hervor. Vor dem VKB-Auftritt der Monolog von Dominik Gysin als «Hofnaar im Grieg» zur Rolle der Schweiz während der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Oder Rula Badeen als Zeitungsfrau, die den Wandel Kleinhüningens vom Fischerdorf zum Stadtquartier beschreibt.

Die meisten Lacher ernten wohl die Stiggli über das Frauenstimmrecht und – inzwischen in der Gegenwart angelangt – eines über die legendären Barfi-Telefonkabinen.

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