(Bild: Keystone)
Basel

Basler Firma liefert Stoffe für Chemiewaffen

Die Basler Firma Brenntag Schweizerhall AG exportierte Ausgangsstoffe für Chemiewaffen nach Syrien. Das belegen Dokumente, die der «SonntagsZeitung» vorliegen.

Bereits letztes Jahr wurde bekannt, dass Isopropanol und Diethylamin von der Schweiz nach Syrien geliefert wurden. Diese Substanzen können zur Herstellung der chemischen Kampfstoffe Sarin und VX verwendet werden. Sarin wurde 2013 gegen Zivilisten in Damaskus eingesetzt, bis Präsident Bashar al-Assad nach internationaler Empörung der Vernichtung der Substanzen zustimmte.

Die «SonntagsZeitung» offenbart jetzt brisante Details zur Schweizer Lieferung nach Syrien. Dokumente sollen belegen, dass die Basler Firma Brenntag Schweizerhall AG hinter diesem Export steckt. Der Empfänger sei die Firma Mediterranean Pharmaceutical Industries (MPI) gewesen. Laut der «SonntagsZeitung» erklärte das Basler Pharmaunternehmen, die Stoffe würden zur Herstellung von Medikamenten dienen.

SECO genehmigte die Lieferung

Obwohl die Substanzen tatsächlich zur Medikamentenherstellung verwendet werden können, ist es laut der «SonntagsZeitung» fraglich, warum sie gerade nach dem Einsatz von Sarin nach Syrien geliefert wurden.

Zudem habe das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die Lieferung genehmigt. Und das, obwohl die Empfänger-Firma offensichtlich Beziehungen zu Personen und Firmen hatte, die mit Präsident Bashar al-Assad in Verbindung stehen. Bedenken habe man beim SECO nicht gehabt. Der Export der Brenntag sei rechtens gewesen. Man sei an das Gesetz gebunden und könne einen Export nicht einfach wegen eines schlechten Gefühls ablehnen, sagt das SECO gegenüber der «SonntagsZeitung».

Das EDA sei aber nicht über das Geschäft informiert worden. Das wurde in der Zwischenzeit bekannt. Man hätte die Lieferung abgelehnt, wäre man vom SECO informiert worden, sagte ein Mitarbeiter. Nachdem der Bundesrat 2018 Informationen forderte, wie die gelieferten Stoffe am Ende verwendet wurden, übermittelte MPI einige Dokumente. Sie sollen angeblich beweisen, dass die Substanzen für die Produktion des Schmerzmittels Voltaren verwendet wurden.

Zweifelhafte Dokumente

Diese Informationen stellten das SECO zufrieden, sorgten aber bei Experten für Kritik. Den Dokumenten hätte man keinen Glauben schenken dürfen. Denn Bashar al-Assad und sein Regime hätten auch in der Vergangenheit in punkto Chemiewaffen gelogen.

In der ganzen Sache hielt sich das SECO ziemlich bedeckt. Erst im Rahmen der Berichterstattung räumte es gegenüber der «SonntagsZeitung» ein, dass auch Diethylamin geliefert wurde. Auch der Name der Exportfirma wurde verschwiegen.

Es sei nicht bekannt ob die gelieferten Substanzen wirklich für die Herstellung von Medikamenten verwendet wurden. Ein Vermerk auf dem Lieferschein lasse hier Zweifel aufkommen. Denn laut der Brenntag sei Diethylamin nicht dafür geeignet.

Auch die Rolle der Novartis in dieser ganzen Affäre ist noch unklar. Die Unternehmen wollten bisher keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen.

1 Kommentar

  1. „Sarin wurde 2013 gegen Zivilisten in Damaskus eingesetzt,“ .. eehmm, ein Moment…

    *Sind Ihnen die neusten Nachrichten aus dem Hause BBC in Grossbritannien bez. Giftgas in Syrien bekannt?
    *Ist Ihnen bewusst, dass da nur das Wenige zugegeben wird, was nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden kann?
    * Wie lange müssen wir uns noch diese Leier anhören?Report

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