Der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben ist für viele Mütter schwierig. (Symbolbild: Keystone)

Schweiz

Immer mehr frischgebackenen Müttern wird gekündigt

Jede zehnte Frau in der Schweiz erhält nach ihrem Mutterschaftsurlaub die Kündigung. Auch in Basel häufen sich in den letzten Jahren die Fälle.

Immer mehr frischgebackene Mütter können nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Das berichtet der «Blick» am Dienstag. Jede zehnte Frau in der Schweiz kriegt nach dem Mutterschaftsurlaub die Kündigung, wie eine Studie des Arbeitnehmerverbands Travailsuisse zeige.

Laut einer Umfrage der Zeitung melden sich bei den kantonalen und städtischen Gleichstellungsbüros, Schlichtungsstellen und Gewerkschaften vermehrt Frauen, die nach oder während der Schwangerschaft vom Arbeitgeber diskriminiert werden.

Rund zwei Fälle pro Woche in Basel

Die Kündigungen sind auch in Basel-Stadt ein Problem: «Die Fälle mit dem Thema Kündigung während und nach dem Mutterschaftsurlaub nahmen in den letzten Jahren zu», sagt Sara Lehner, Präsidentin der kantonalen Schlichtungsstelle für Diskriminierungsfragen, gegenüber dem «Blick». Die Rückkehr an den Arbeitsplatz werde häufig zum Problem, weil der Arbeitnehmerin nach Ablauf der Sperrfrist gekündigt werde.

Auch an die Beratung des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA) wenden sich pro Woche schätzungsweise zwei Frauen, die von diesem Problem betroffen sind, wie Amtsleiterin Leila Straumann der Zeitung sagt.

Kündigung oft am ersten Arbeitstag

Über 14 Jahre nach der Einführung des Mutterschaftsurlaubs funktioniert dessen praktische Umsetzung also nicht richtig. In Zürich ist die Diskriminierung am Arbeitsplatz laut «Blick» ebenfalls Thema.

Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle Gleichstellung der Stadt Zürich, erklärt: «Die meisten betroffenen Frauen erlebten eine berufliche Rückstufung und diskriminierende Kündigungen oft am ersten Arbeitstag nach dem Mutterschaftsurlaub». Und die Gewerkschaft Unia teilte mit, dass Rechtsauskünfte und die Rechtsfälle zu diesem Thema in verschiedenen Regionen der Schweiz zugenommen hätten.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) hingegen sagt, dass Mütter gut qualifizierte Mitarbeiterinnen seien, die Arbeitgeber gerne weiterbeschäftigen. Für den SAV sei nicht nachvollziehbar, dass die Unternehmen generell den Mutterschaftsurlaub als Vorwand nehmen, um sich von frischgebackenen Müttern zu trennen, so Fredy Greuter vom SAV.

Es sei aber unbestritten, dass angeschlagene Unternehmen bei einer Reorganisation Mitarbeitende entlassen müssen.

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