Die britische Schriftstellerin Rosamunde Pilcher porträtiert in ihrem Zuhause in Longforgan, Schottland am 15. April 2008. (Bild: Keystone)

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Kult-Autorin Rosamunde Pilcher (94) ist tot

Die Bestsellerautorin Rosamunde Pilcher («Die Muschelsucher») ist gestorben. Die Britin wurde 94 Jahren alt.

Junge trifft Mädchen. Es gibt Schwierigkeiten. Und am Ende kriegen sie sich. Dieses Strickmuster für Bücher und Filme ist ebenso schlicht wie erfolgreich. Und kaum jemand beherrschte es besser als Rosamunde Pilcher. Nun ist die Meisterin der Schicksalsschläge im Alter von 94 Jahren gestorben.

In Dutzenden Romanen und Erzählungen erzählte sie diese Geschichte immer wieder neu. «Das war es, was ich am besten konnte», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur anlässlich ihres 90. Geburtstags – andere Genres hätten sie nie gereizt.

Die Britin wurde damit zu einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit, obwohl sie die Literaturkritiker nie vom Hocker riss. Nun ist Rosamunde Pilcher im Alter von 94 Jahren gestorben. Der britische «Guardian» zitierte ihren Sohn Robin mit den Worten, Pilcher habe sich bis Weihnachten in grossartiger Verfassung befunden, im neuen Jahr aber eine Bronchitis bekommen. Am Sonntagabend habe sie einen Schlaganfall erlitten und seitdem nicht mehr das Bewusstsein erlangt.

Das grosse Missverständnis

«Wie, Pilcher ist keine Deutsche?», fragen vor allem Junge erstaunt, wenn sie erfahren, dass die Autorin in England aufwuchs und in Schottland lebte. In keinem anderen Land war Pilcher so bekannt wie in Deutschland. Zu verdanken hat sie das wohl auch dem ZDF, das mit mehr als 100 auf Pilcher-Geschichten basierenden, herzerwärmenden 90-Minuten-Filmen eines der erfolgreichsten Formate des deutschen Fernsehens geschaffen hat.

Die Familiensaga «Die Muschelsucher» bescherte Pilcher 1987 den Durchbruch, als sie schon fast im Rentenalter war. Mit dem Schreiben begann sie schon als junges Mädchen, mit 18 veröffentlichte sie die erste Kurzgeschichte.

Nach dem Schulabschluss meldete sich das Mädchen aus Lelant in der südenglischen Grafschaft Cornwall 1942 zum Kriegsdienst und arbeitete kurze Zeit im britischen Aussenministerium, dann in Indien. Zurück in der Heimat lernte sie Graham Pilcher kennen. 1946 heiratete das Paar und zog ins schottische Dundee, wo Grahams Familie ein Textilunternehmen hatte. Die Schriftstellerin lebte dort bis ins hohe Alter; seit 2009 war sie verwitwet.

Rosamunde Pilcher zog vier Kinder gross. Ihre Geschichten entstanden am Küchentisch und erschienen in Frauenzeitschriften. «Ich habe mir nie vorstellen können, dass das ein Erfolg würde», erzählte sie. «Ich habe einfach Kurzgeschichten geschrieben, weil ich das geliebt habe.»

Pause vom echten Leben

Über ihre Arbeit habe die Mutter zu Hause nie gesprochen, erinnerte sich die älteste Tochter, Fiona Wynn-Williams. «Wir waren oft in den Bergen und am Strand picknicken», erzählte sie der Nachrichtenagentur dpa anlässlich des 90. Geburtstags ihrer Mutter. Pilcher habe ihre Kinder ermutigt, immer das zu tun, was sie wollten – zum Schreiben habe sie sie nie überreden wollen. Einer tut es trotzdem: Sohn Robin Pilcher wurde selbst Schriftsteller.

Rosamunde Pilcher veröffentlichte ihren letzten Roman im Jahr 2000. Langweilig sei ihr aber nie, erzählte sie einmal: «Es fällt mir leicht, die Tage zu füllen. Ich habe einen Haushalt zu führen, Hunde, mit denen ich rausgehen muss, einen grossen Garten und eine Familie, die ich besuche, oder die mich besuchen kommt.»

Der Erfolg bescherte Pilchers Familie ein Millionenvermögen und machte ihre eher strukturschwache Heimat Cornwall zum begehrten Reiseziel.

Auch das ZDF hatte daran einen Anteil. Kamerafahrten über breite Strände und raue Klippen, Weinberge und herausgeputzte Herrenhäuser machen äusserst erfolgreich Werbung für die Region. Pilcher-Touren führen zu den Schauplätzen der zwar manchmal von Dramen gebeutelten, aber letztlich heilen Welt, die sie in ihren Geschichten entwarf: Voller grossherziger Menschen, die ritten und Sport- oder Geländewagen fuhren, dafür frei von Sex und Gewalt. Den wenigen Bösewichten war ihre Hinterhältigkeit schon von weitem anzusehen. Pilcher bot eine Pause vom echten Leben und seinen Überforderungen – egal, was Literatur- und Filmkritiker davon hielten.

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