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Papst spricht über «sexuelle Versklavung von Nonnen»

Papst Franziskus hat erstmals sexuellen Missbrauch von Nonnen eingeräumt - und dabei unter anderem auf die französische Johannesgemeinschaft angespielt.

Erstmals hat Papst Franziskus eingeräumt, dass Nonnen sexuell missbraucht worden seien. Nach Angaben seines Sprechers hat der Papst unter anderem auf die französische Johannes-Gemeinschaft angespielt.

Diese Gemeinschaft hatte bereits vor Jahren Verstösse «gegen die Keuschheit» eingeräumt, und sie war auch wegen Pädophilie in die Kritik geraten. Franziskus sagte bei einem Gespräch mit Journalisten, in einer Frauenkongregation habe es Missbrauch gegeben.

Dies habe «bis zur sexuellen Versklavung durch Priester und den Gründer» gereicht. Nach Angaben seines Sprechers bezog sich der Papst auf die französische Kongregation der kontemplativen Schwestern vom heiligen Johannes. Das ist eine Untergruppe der Johannesgemeinschaft.

Kritik an sektenähnlichem Gebaren

Der französische Sektenschutzbund UNADFI kritisierte seit den 90er Jahren «einen wahren Personenkult» um Pater Philippe, und sie bezeichnete die Ordensgemeinschaft als sekten-ähnlich. Junge Menschen würden dazu gebracht, «sich fast vollständig von ihrer Familie und ihren alten Freunden zu isolieren», hiess es. Es gebe Berichte über schwere Depressionen und sogar Suizide, Gesundheitsprobleme und Sittlichkeits-Verbrechen.

Pater Philippe wurde dafür nie belangt. Drei Mönche dagegen wurden in den Jahren 2012 bis 2016 in Frankreich wegen Pädophilie verurteilt. Die Johannesgemeinschaft bat die Opfer der früheren Konventsmitglieder deswegen um Entschuldigung.

Der Vatikan hat der Ordensgemeinschaft «verdächtige Nachsichtigkeit» im Umgang mit den Skandalen vorgeworfen. Dies geht aus einem internen Schreiben hervor, das die französische Online-Zeitung «Médiapart» 2016 veröffentlichte.

2006 noch Seligsprechung verlangt

Der Dominikaner Marie-Dominique Philippe wurde 1912 in Nordfrankreich geboren.  1975 hatte er die Gemeinschaft vom heiligen Johannesals kontemplativen Orden in Freiburg in der Schweiz gegründet. Dort unterrichtete er Philosophie an der Universität.

Die Gemeinschaft hatte zeitweise bis zu tausend Mitgliedern – Frauen wie Männern. Sie gelangte in der Schweiz und in Frankreich zu Einfluss. Später zählte sie rund 60 Konvente auf fünf Kontinenten.

Der als charismatisch geltende Pater Philippe wurde Zeit seines Lebens verehrt. Als er 2006 starb, forderten Anhänger gar seine Seligsprechung.

Verstösse 2013 eingestanden

Die französische Johannes-Gemeinschaft hatte im Mai 2013 eingestanden, dass ihr verstorbenen Gründer Marie-Dominique Philippe gegen die Keuschheit verstossen habe. Er habe sich an erwachsene Frauen vergiffen, die er begleitet habe.

Eine «sexuelle Vereinigung», also Geschlechtsverkehr, habe es aber nicht gegeben, sagte der Generalprior der Gemeinschaft, Thomas Joachim. Angaben zu den Opfern und zur Zahl der Betroffenen machte er nicht.

Gemeinschaft gibt sich heute geläutert

Im Frühjahr 2017 erklärte die Gemeinschaft, sie habe inzwischen Strukturen geschaffen, um besser mit Fällen von Pädophilie und sexuellem Missbrauch umzugehen. Der Vatikan habe die neue Struktur gutheissen. Die Gemeinschaft wolle mit der Justiz zusammenarbeiten, und sie habe eine Beschwerde-Kommission installiert.

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