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Der Telebasel News Beitrag vom 6. Februar 2019.

Basel

Traditionsbruch: Fasnachtslaterne wird öffentlich bemalt

An der letzten muba wird erstmals ein Fasnachts-Gesetz gebrochen: Eine Laterne wird in aller Öffentlichkeit bemalt.

An der letzten muba sind hundert Quadratmeter für die Basler Fasnacht reserviert. Unter anderem gibt der Basler Laternenmaler Urs Degen einen Einblick hinter die Kulissen. Vom 8. bis 17. Februar 2019 bemalt er die Laterne für die J.B.-Clique Santihans in aller muba-Öffentlichkeit.

Die muba preist Urs Degens Aktion mit den Worten an: «Er gibt Einblick in die verschiedenen Maltechniken und zeigt, wie ein solch traditionelles Kunstwerk entsteht. Die ‹Ladäärne› wird an der Basler Fasnacht (11.–13. März 2019) dann in voller Pracht zu sehen sein».

Ungeschriebenes Fasnachts-Gesetz gebrochen

Normalerweise aber spielt sich die Fasnacht in grosser Anonymität ab. Nur die Cliquen kennen ihre eigenen Laternenmaler, Larvenkünstler und Zeedel-Schreiber. Wer die Personen hinter den frechen Schnitzelbangg-Versen sind, ist nur einem kleinen Kreis bekannt. Die Geheimnistuerei hat ihren Grund: Nur in der Anonymität lässt sich an der Fasnacht ungehemmt über die Obrigkeit lästern, ohne dass man Retour-Kutschen zu befürchten hat.

«Das ist eine Gratwanderung», kommentiert Felix Rudolf von Rohr die Aktion an der diesjährigen muba. Rudolf von Rohr ist aktiver Fasnächtler und war früher Obmann des Basler Fasnachts-Comités. Zudem arbeitete er früher auch für Telebasel.

«Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Cliquen ihre Sujets nicht vor dem Rädäbäng veröffentlichen», sagt die jetzige Obfrau des Basler Fasnachts-Comités, Pia Inderbitzin. Der Fasnachtsführer Rädäbäng listet alle Fasnachts-Cliquen und ihre Sujets auf, die dem Comité angeschlossen sind. Die Broschüre wird am 22. Februar publiziert, also erst nach der muba. «Ich bin gespannt, wie Urs Degen die Aktion umsetzt», sagt Pia Inderbitzin. Es könnte ja sein, fügt sie an, dass die muba-Aktion sogar das Sujet der Fasnachts-Clique ist.

Fasnacht allen erklären

Positiv an der Aktion findet Felix Rudolf von Rohr, dass die Basler Fasnacht an der muba thematisiert wird. Damit erreicht sie ein Publikum, das gar nicht weiss, wieviel Arbeit hinter der Basler Fasnacht steckt. Schliesslich kommt das Publikum aus der ganzen Schweiz. Dieser Überlegung schliesst sich Pia Inderbitzin an.

Anonymität durchbrechen…

Die Anonymität an der Fasnacht ist schon länger durchbrochen. Es gebe mehrere Grafiker, die auf ihrer Geschäfts-Homepage darauf hinweisen, dass sie Fasnachts-Laternen malten. Für die Grafiker wird die Fasnacht so zur Gelegenheit, neue Auftraggeber zu gewinnen.

Auch Urs Degen bietet verschiedene Malkurse an. Einem solchen Vorwurf steht Urs Degen gelassen gegenüber: «Ich verstehe die Aufregung um dieses Thema nicht. Ich stehe ja nicht im Zentrum der muba-Aktion.» Es würden mehrere Fasnachts-Anbieter an der muba ihre Dienstleistungen und Künste anbieten, die ja auch für sich werben würden. Diese Aktion sei eine «einmalige Sache» an der Dernière der muba. «Sonst hätte ich gar nicht mitgemacht», sagt Urs Degen. Zudem würden sich die Laternenmaler untereinander sowieso kennen.

…ist nicht neu an Fasnacht

Felix Rudolf von Rohr lehnt diese Ent-Anonymisierung nicht grundsätzlich ab. Er selber ist ja als Autor bei der Vorfasnachts-Veranstaltung «Pfyfferli» namentlich aufgeführt. Zudem habe es immer wieder Fasnachts-Gruppierungen gegeben, die mit ihren Sprüchen die Grenzen der Strafjustiz tangierten, wenn nicht gar überschritten. «Alles darf man nicht an der Fasnacht machen», sagt Felix Rudolf von Rohr bestimmt. Auch die Fasnacht habe ihre Grenzen. Und dann sei es ganz gut, wenn man herausfinden könne, wer sich kriminell verhält.

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