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Die Basler Fasnacht hat eine lange Tradition. (Video: Youtube/Verschwundenes Basel)

Basel

Vom Festmahl zu den «drey scheenschte Dääg»

Wie kam es vom Festmahl zur heutigen Form der Basler Fasnacht? Ein kurzer historischer Überblick.

Als grösste Fasnacht der Schweiz sind die «drey scheenschte Dääg» seit 2017 nicht nur UNESCO Weltkulturerbe, sondern haben auch eine lange Tradition. Zurück geht die Basler Fasnacht auf die Fastenzeit im Mittelalter. Jeweils ab Aschermittwoch vor Ostern  wurde gefastet, und zwar im Gedenken an das Leiden Christi.

Damit die Lebensmittel in dieser Zeit nicht verderben, wurde vor der Fastenzeit jeweils ein üppiges Mahl veranstaltet. Dieser ausgelassene Brauch entwickelte sich irgendwann zur Tradition und wiederholte sich jährlich.

Verkleiden, essen und Turniere

Ab 1924 war der Begriff «Fastnacht» gängig – vorher waren Bezeichnungen wie «vasnaht» oder «vasinaht» gebräuchlich. Während das gemeine Volk die Tradition vor allem mit verkleiden und essen auslebte, veranstaltete der Adel auch Turniere auf dem Münsterplatz.

Die Veranstaltungen nahmen aber nicht immer ein gutes Ende und so endete im 14. Jahrhundert ein solches Turnier neben einem blutigen Aufruhr auch mit der Hinrichtung von 12 Bürgern. Dieser schwarze Vorfall ging als «Böse Fasnacht» in die Geschichte ein.

Die Fasnacht fand aber nicht überall ihre Anhänger. So waren es vor allem die Obrigkeit und der Klerus, denen diese Tradition nicht geheuer war. Unkontrollierte Kräfte lauerten in ihr, was sich dann auch irgendwann zeige.

In den Tagen vor Aschermittwoch im Jahr 1529 drangen bewaffnete Anhänger der Reformation in Kirchen ein und zerstörten Heiligendarstellungen. Das bedeutete Glaubenswechsel in Basel und das Verschwinden der Fastenzeit. Die Fasnacht dagegen liess sich nicht abschaffen.

Umzüge mit Trommeln und Pfeifen

Bereits im 15. Jahrhundert entstanden einige Bräuche, die auch heute noch während den «drey scheenschte Dääg» auf den Basler Strassen zu hören oder zu sehen sind. So wurden am Aschermittwoch Musterungen durchgeführt, die mit Zunftessen aber auch mit Umzügen inklusive Trommeln und Pfeifen verbunden wurden.

Doch Obrigkeit und Klerus waren immer noch nicht zufrieden und mit der Gründung der Helvetischen Republik wurde die Fasnacht Ende des 18. Jahrhunderts erneut verboten. Der Grund: Sie könnte Systemkritik fördern. Es blieb nicht beim einzigen Verbot.

Ein Ereignis besonderer Bedeutung

Um die 1830er Jahre begann sich die Presse, für die Fasnacht zu interessieren und somit wurde sie als Ereignis besonderer Bedeutung gewürdigt. Ebenfalls in diesem Jahrhundert etablierte sich der Morgestraich, damals noch ohne Laternen dafür mit Schiessen und anderem Lärm. Trommeln war zu dieser Zeit erst ab Tagesanbruch erlaubt.

(Video: Youtube/SRF Archiv)

Weitere Traditionen bildeten sich zu dieser Zeit. Es entstanden die Schnitzelbänke und ein Fackelverbot im Jahr 1845 sorgte für das Aufkommen der Fasnachtslaterne. Bald zeigten sich dann auch die ersten Cliquen.

1911 wurde schliesslich das Fasnachts-Comité gegründet und im selben Jahr auch die «Blaggedde» eingeführt. Während des ersten Weltkrieges schliesslich wurde dann die Strassenfasnacht verboten, das «Monstre» jedoch erlaubt. Dieses ging auf ein Trommelkonzert zurück und heisst heute «Drummeli». Nach dem Krieg fand 1920 wieder die erste Fasnacht statt.

Cliquen und Laternenkünstler

Die Fasnacht entwickelte sich immer weiter. Diverse Cliquen-Gründungen belebten die Szene und bekannte Künstler gaben der Laternenmalerei ein neues Gesicht. Ausserdem begannen, die Guggenmusiken sich auch zu vermehren. In den 1930er Jahren entstanden die ersten Kellerlokale.

Nach einer erneuten Pause aufgrund des Zweiten Weltkrieges etablierten sich schliesslich die Cliquenkeller. Die Fasnacht fand ihre geregelte Form.

Aber erst 1950 wurde die Basler Innenstadt durch ein spezielles Verkehrsregime für die Fasnacht verkehrsfrei. Nach einem Deal 1962 spielten die Guggenmusiken nicht mehr am Morgestraich, bekamen aber dafür den Dienstagabend für sich, an dem noch heute Guggenkonzerte stattfinden. Zu dieser Zeit entstanden auch Wagencliquen und die Fasnacht fand ihre heutige Form.

Ostern und Fasnacht

Der jährliche Termin für den Morgestraich errechnet sich wie folgt: Ausgehend vom Ostersamstag, dem letzten Fastentag, rechnet man vierzig Tage zurück und landet so beim Fasnachtsdienstag als erstem Fastentag. Somit beginnt die Basler Fasnacht am Montag. Der frühste Termin für den Morgestraich ist der 9. Februar, der spätmöglichste der 15. März.

In diesem Jahr beginnt die Fasnacht um Punkt 4 Uhr morgens am Montag, 11. März 2019, und endet 72 Stunden später am Donnerstagmorgen, 14. März, ebenfalls um 4 Uhr.

Themenwoche «Fasnachtsfieber»

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