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(Symbolbild: Key)
Baselland

Grüne wohnen in Einfamilienhäusern – und bekämpfen Zersiedelung

Die Grünen Region Gelterkinden kämpfen für die Zersiedelungsinitiative. Die Vorstandsmitglieder aber wohnen in Einfamilienhäusern.

Die Grünen der Region Gelterkinden machten vergangene Woche mit einer besonderen Aktion auf sich aufmerksam. Auf grüne Landwirtschaftsfläche stellten sie fingierte Bauplakate. Das Ganze verstehen sie als Scherz.

Bei Rothenfluh werde ein Investor für eine Froschschenkel-Zucht gesucht, besagte das grossflächige Plakat. Dazu sind die Baudimensionen mit Latten abgesteckt. In Böckten würden Investoren für 32 Luxuswohnungen gesucht.

Die Baugesuche sind frei erfunden. Mit der Aktion wollen die Grünen Region Gelterkinden aufzeigen, was passieren könnte, falls die Zersiedelungsinitiative in der Abstimmung vom 10. Februar 2019 abgelehnt würde.

Widersprüchliche Grüne?

Doch mit gutem Beispiel geht der Vorstand der Grünen Region Gelterkinden nicht voran: Alle fünf Mitglieder wohnen in freistehenden Einfamilienhäusern, respektive Doppel-Einfamilienhäusern, wie Recherchen von Telebasel ergaben. Diese Bauten verbrauchen mehr Siedlungsfläche als Wohnblöcke, respektive Mehrfamilienhäuser, vergleicht man es mit der Anzahl Bewohner, die auf einer Parzelle wohnen. Kurz: Mehrfamilienhäuser sind flächenschonender als Einfamilienhäuser.

Dass sich die Grünen für die Zersiedelungs-Initiative einsetzen – aber nicht in Mehrfamilienhäusern wohnen, das ist für Co-Präsident Hanspeter Seematter kein Widerspruch. Ziel der Initiative sei es, die aktuelle Situation nicht noch zu verschlimmern.

Co-Präsident Peter Erbacher ist derselben Meinung. Man müsse auch berechnen, wie viel Wohnfläche eine Person beanspruche. Er wohnt in einem Vierpersonen-Haushalt auf 128 Quadratmetern. Er selber wohnt dementsprechend auf einer Fläche von etwa 35 Quadratmetern. Hanspeter Seematter mit seiner Familie wohne auf einer Wohnfläche von 100 Quadratmetern. Das seien 25 Quadratmeter pro Person – laut dem Co-Präsidenten sei dies vorbildlich. Der Schweizer Durchschnitt liegT bei 46 Quadratmetern Wohnfläche pro Person.

Wie Flächengebrauch rechnen?

Es gibt aber auch noch einen anderen Ansatz. Die Rechnung sieht nämlich anders aus, wenn für den Landverbrauch die Grösse der Bauparzelle durch die Anzahl Bewohner berechnet wird.

Die Grüne Landrätin Florence Brenzikofer etwa wohnt mit ihrer fünfköpfigen Familie auf einer Parzelle von 412 Quadratmetern. Das sind über 80 Quadratmeter Bodengebrauch pro Person. Deutlich mehr, als ein Stadtbewohner in einem Mehrfamilienhaus an Boden beansprucht.

Laut Peter Erbacher dürfe man so nicht rechnen. Schliesslich dürfe man nicht die ganze Parzelle überbauen, sondern nur einen Teil. davon Die Gemeinden bestimmen, wie hoch und breit die Häuser gebaut werden dürfen. Und im Oberbaselbiet seien Einfamilienhäuser typisch.

Im Schweizer Vergleich bleibt der Partei-Vorstand noch im grünen Bereich. Sein Pro-Kopf-Verbrauch an der Parzellenfläche liegt deutlich unter dem Schweizer Durschnitt von 211 Quadratmetern. Das Bundesamt für Raumentwicklung ARE schreibt auf Anfrage von Telebasel: «Die Bauzonenfläche pro Einwohner in den Wohnzonen hat sich zwischen 2012 und 2017 von 227 auf 211 Quadratmeter pro Einwohner vermindert. Dies entspricht einem Rückgang von 7.0 Prozent.»

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