Jedes Ehrenzeichen hat seine eigene Gasse im Kleinbasel. (Bild: Telebasel)

Basel

Die seltsamen Gässlein des Vogel Gryff

Die Kleinbasler Ehrenzeichen sind auch als Strassennamen verewigt. Die kleinen Gassen, die ihre Namen tragen, haben es aber in sich.

Für Vogel Gryff, Wild Maa und Leu steht der grosse Tag bevor. Zwar tanzen die drei Ehrenzeichen nur einmal im Jahr durch die Strassen. Im Kleinbasel sind sie aber auch sonst verewigt. Nicht nur die Fähren sind nach ihnen benannt. Jeder der drei sowie ihr Begleiter Ueli haben «eigene» Gässlein.

Beginnen wir mal mit dem Ehrenzeichen, das morgen den Vorsitz haben wird. Das Vogel Gryff-Gässli war schon lange im Volksmund als solches geläufig. Doch erst seit 1970 ist es offiziell nach dem stolzen Tier der Gesellschaft zum Greifen benannt. Gleich zwischen Rhein und Rotlichtviertel riecht es hier nach durchzechten Nächten etwas streng.

Wo sich Gryff den Kopf anschlagen würde

Das manchmal etwas schmuddelige Schleichweglein fällt aber nicht nur deswegen auf. Es ist wohl die einzige Gasse, die für Hünen nicht geeignet ist. Vor einem Querbalken auf Kopfhöhe müssen sich Grossgewachsene ducken. Selbst der Namensspender Vogel Gryff müsste hier wohl sein Adlerhaupt einziehen. Bilder aus dem Fotoarchiv Wolf von etwa 1925 und 1938 zeigen, dass es schon damals für grosse Leute nicht einfach war, hier durchzukommen.

Die versteckte und manchmal schmuddelige Gasse ist nach dem Ehrenzeichen benannt (Bild: telebasel)

Das Fabelwesen mit Adlerkopf und Löwenleib stand aber nicht nur bei diesem Gässlein Pate. Wie das Namenbuch Basel-Stadt belegt, benannte sich die Gesellschaft zum Greifen nach dem gleichnamigen Haus. Dieses befand sich an der Greifengasse 31. Der beliebte Hausname ging dann auf die Strasse zwischen Claraplatz und Mittlerer Brücke über. Erstmals wurde sie 1666 erwähnt, vorher war sie Burger- oder Krämergase bekannt.

Langfinger klauen Ueli

Nicht nur der Greif, sondern auch die fleissigen Spendensammler sind in einer speziellen Gasse verewigt. So kann Google Maps das Ueli-Gässli gar nicht erst finden. Der versteckte Durchgang von der Rheingasse zum Rheinbord ist dennoch vielen geläufig. Schliesslich ist dort Basels bekannteste Kioskfrau Trudi Hartmann anzutreffen.

Nach einem Strassenschild sucht man hier aber vergebens. Wie das Bau- und Verkehrsdepartements bestätigt, fiel die Beschilderung immer wieder Langfingern zum Opfer. Wie sich Trudi Hartmann erinnert, hängt dort seit etlichen Jahren keine Tafel mehr. «Das Schild hing ziemlich tief unten», erinnert sich die Kiosk-Frau.

War’s ein Geburtstags-Gag für einen Bekannten namens Ueli oder einfach eine Nachtbubenaktion? Die Motive der Ueli-Diebe bleiben im Dunkeln. Ein ähnliches Problem hatte bekanntlich auch die Tafel des Elftausendjungfern-Gässleins, die zum Schutz vor solchen Souvenirjägern nach oben wanderte.

Bei Trudi Hartmanns legendärem Kiosk führt das unbeschilderte Ueli-Gässli vorbei (Bild: telebasel)

Als das Ueli-Gässli geschlossen wurde

Ausgefallen ist der Durchgang auch aus anderen Gründen. Es ist eine der wenigen Gassen, die nachtsüber verriegelt werden können. Einzig das Johann Jakob Spreng-Gässlein bei der Johanniterbrücke und die Sarnerstrasse im Iselin-Quartier sind ebenfalls vergittert. Das Ueli-Gässli liegt nämlich nicht auf Allmend, sondern gehört zum Hotel Krafft. Auf dieser Privatparzelle besteht aber öffentliches Wegrecht. Da das Gässlein immer wieder als Pissoir herhalten musste, wurde es ab 2007 zu nächtlicher Stunde gesperrt.

Zu Zeiten der offenen Drogenszene an der Rheingasse war es zeitweise auch tagsüber nicht passierbar. «Im Jahr 1994 war es während sechs Wochen geschlossen», erinnert sich Trudi Hartmann. Stattdessen hätten Polizisten mit Hunden vor dem Ueli-Gässli gewacht. Längst ist die Drogenszene aus der Rheingasse verschwunden, doch das Ueli-Gässli bleibt noch immer ohne Strassenschild.

Wild Maa und Leu als beliebte Schildhalter

Wie sein direkter Nachbar wurde auch das Wild Ma-Gässli erst 1970 so benannt (auf dem Schild tatsächlich nur mit einem A geschrieben). Dieser Durchgang unter dem Hotel Merian spielt beim Vogel Gryff eine wichtige Rolle. Schliesslich müssen die Ehrengesellschaften hier vorbeikommen, um den Wild Maa nach seiner Talfahrt in Empfang zu nehmen. Die mythologische Gestalt des Wilden Mannes war in Basel generell ein beliebtes Hauszeichen und Schildhalter. Nicht nur im Kleinbasel, auch auf der anderen Seite des Rheins waren einst Häuser, Wirtschaften und Grundstücke nach dem urchigen Kerl benannt.

Ein noch beliebteres heraldisches Zeichen war schliesslich der Löwe. Das majestätische Tier verlieh etlichen Häusern des Mittelalters seinen Namen. Der Leu, das Ehrenzeichen der Gesellschaft zum Rebhaus, geht auf so ein Hauszeichen zurück. Natürlich ist auch er in einer Strasse verewigt. Allerdings kam ihm diese Ehre schon viel früher zu als seinen drei Kollegen. Schliesslich verbindet die Leuengasse schon seit 1878 den Unteren Rheinweg mit der Breisacherstrasse.

Alle Highlights vom Vogel Gryff 2019 bei Telebasel

Im Live-Ticker von Telebasel verpassen Sie ab 10:30 Uhr nichts. Zusätzlich können Sie die Tänze auf der Mittleren Brücke im Live-Stream mitverfolgen. Und am Abend sehen Sie in einer Spezialsendung den Höhepunkt ab 19:15 Uhr (und dann stündlich in der Wiederhohlung). Eine Woche später können Sie den ganzen Vogel Gryff 2019 in einer Spezial-Reportage erleben.

Übersicht:

  • Live-Ticker: Samstag, 26. Januar 2019, ab ca. 10:30 Uhr (telebasel.ch).
  • Live-Stream: Tanz auf der Mittleren Rheinbrücke: Samstag, 26. Januar 2019, um 12:00 Uhr (telebasel.ch).
  • Spezialsendung «Der Tanz auf der Mittleren Rheinbrücke», Samstag, 26. Januar 2019, um 19:15 Uhr und dann stündlich in der Wiederholung (TV).
  • Spezialsendung «Vogel Gryff 2019 – Reportage», Samstag, 2. Februar 2019, um 19:15 Uhr und dann stündlich in der Wiederholung (TV).

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