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Der Telebasel News-Beitrag vom 23. Januar 2019.

Basel

«Eine Zukunft als Seelsorger sehe ich nicht»

Der Riehener Skandal um den vorbestraften Pfarrer erreicht den Bistumssitz in Solothurn. Bischof Felix Gmür stellt seine Ansichten zum Fall dar.
Das Interview mit Felix Gmür
(Video: Telebasel)

Mehr dazu in den Telebasel News vom 23. Januar um 18:30 Uhr und ab 19 Uhr stündlich.

Zusammenfassung
Die Medienkonferenz mit Felix Gmür zum Skandal-Pfarrer aus Riehen. (Video: Telebasel)

Der Basler Bischof Felix Gmür hatte vom umstrittenen, ehemaligen Pfarrer-Kandidaten in Riehen BS volle Transparenz in Sachen Strafbefehl verlangt. Der wegen sexuellen Handlungen mit Kindern Verurteilte sei dieser Aufforderung jedoch nicht nachgekommen.

Bei dieser Ausgangslage hätte der Bischof nach der für den 10. Februar vorgesehenen Wahl die Ernennung des Kandidaten zum Pfarrer verweigert, sagte Bischof Felix Gmür am Mittwoch vor den Medien in Solothurn. Er selber hatte seit einem Jahr Kenntnis vom Inhalt des Strafbefehls, wie aus einem Communiqué des Bistums hervorgeht.

Eingeschritten sei der Bischof nicht früher wegen des demokratischen Wahlverfahrens und wegen der Persönlichkeitsrechte des Kandidaten. Den Strafbefehl publik gemacht hatte erst am 13. Januar 2019 die Thurgauer Staatsanwaltschaft, als diese das Dokument gegenüber anfragenden Medien offen legte.

Kaum Rückfallgefahr

Gmür habe zuvor vom Pfarrer-Kandidaten aber gefordert, dass er den ganzen Inhalt des Strafbefehls vor der Wahl selber offenlege. Der Bischof habe ihm zudem im persönlichen Gespräch Ende Juli 2018 für den Fall der Wahl zum Pfarrer in Riehen Kinder- und Jugendseelsorge untersagt und eine Begleitung im Sinne einer Supervision angekündigt.

Nachdem die Zeitung «bz Basel» und andere Medien aus dem Strafbefehl zitierten, zog der Mann jedoch seine Kandidatur am 15. Januar zurück. Damit findet die Wahl am 10. Februar nicht statt.

Ein Gutachten, das der Bischof vor Jahresfrist in Kenntnis des Strafbefehls in Auftrag gegeben, hatte habe eine Rückfallgefahr als sehr gering eingestuft, hiess es weiter. Laut Communiqué war die Bewährungsfrist ohne Zwischenfälle abgelaufen und habe es auch keine rechtlichen Auflagen, kein Kontakt- oder Rayonverbot gegeben – weder vom Staat noch von Rom.

Unklar ist nun, wie es mit dem ehemaligen Pfarrer-Kandidaten im Bistum weitergeht. Derzeit sehe er für ihn keine Zukunft als Seelsorger im Bistum Basel, sagte Gmür. Genaueres wolle er bei einem Treffen besprechen. Gmür will zudem in den nächsten Wochen das Gespräch mit der katholischen Kirche St. Franziskus in Riehen suchen.

(sda)

11:21

Damit ist die Pressekonferenz beendet.

Das Wichtigste:

  • Küng hatte die Auflage, volle Transparenz zu schaffen. Dies tat er nicht.
  • Der Bischof sagt: Auch wenn Küng die Wahl gewonnen hätte, hätte der Bischof ihn nicht eingestellt, weil er gegen die Auflagen verstiess.
  • Die Zukunft Küngs im Bistum ist ungewiss. Gmür werde sich jetzt mit ihm treffen. Felix Gmür sieht derzeit keine Zukunft für Küng als Seelsorger in seinem Bistum.
11:14

Gmür treffe sich demnächst mit Küng um darüber zu reden wie es jetzt mit ihm weiter geht. Auch mit der Pfarrei Riehen werde der Kontakt gesucht.

11:12

Laut Gmür sei Küng während dieser Zeit nie mit Kindern und Jugendlichen alleine gewesen. Beschwerden seien keine an den Bischog gelangt.

11:10

Gmür: «Die Frage war: Gebe ich einem verurteilten Straftäter eine Chance auf Resozialisierung, oder nicht? Es ist nie ein Arbeitsverbot ausgesprochen worden. Wenn er sich an die drei Punkte hält, lasse ich ihn zur Wahl zu. Aber eine Garantie auf eine Wahl habe ich ihm nie gegeben.»

11:07

«Ich habe Stefan Küng 2012 gesagt: Wenn du nicht einverstanden bist mit dem Strafbefehl, musst du ihn anfechten», so Gmür.

Dies hat er nicht gemacht.

11:01

Wie beurteilen Sie die Rolle des Präsidenten der Pfarrwahl-Kommission, Stefan Suter?

 

«Es ist nicht an mir den Mann zu beurteilen. Er wurde gewählt. Ausser man sagt mir, ich solle mich in die demokratischen Prozess einmischen. Bis jetzt tue ich das nicht.»

10:58

Aber Küng wurde den Riehener mit der Zustimmung des Bischofs vorgestellt. Sei die Wahl nicht eine «Farce» zu informieren, wenn der Bischof nicht wusste, ob Küng vollkommene Transparenz schaffte.

Man habe aus dem Fall gelernt, meint Küng. Gmür kündigt an, dass er im Sommer mit den Vertretern der Landeskirche ein Treffen veranstaltet. Er will künftig die Strafbefehle der Kandidaten sehen.

 

10:54

Weshalb war niemand vom Bistum bei der Infoveranstaltung in Riehen?

 

Gmür: «Ich wusste, dass Menschen dort sind die Transparenz fordern und ich wusste, dass die Medien dort sind.»

10:51

Drei Bedingungen stellte Gmür an Küng:

  • Vollkommene Transparenz
  • Öffentliche Wahl
  • Coaching und keine Arbeit mit Kinder und Jugendlichen

Diese Vereinbarungen seien nicht eingehalten worden. Deshalb wäre er auch bei einer Wahl nicht ernannt worden.

10:49

Auch nach der Wahl hätte Gmür Küng nicht als Pfarrer eingesetzt, wenn er nicht Transparenz geschaffen hätte.

10:47

«Hätten Sie nicht einschreiten können?» Gmür: Es gibt ein demokratisches Wahlverfahren. Das respektiere ich. Ich habe Küng gesagt er soll informieren. Es liegt an ihm dies zu tun. Nicht am Bischof.»

10:44

Auf die Frage, ob Küng als Seelsorger im Bistum Basel tätig sein könnte, sagt der Bischof, dass er das nicht sieht.

10:43

Die Fragreunde beginnt: “Wollte die Kirche etwas vertuschen» Gmür: «Alles, was ich wusste und sagen durfte, habe ich immer wieder gesagt.»

10:42

Bis zur Freigabe durch die Staatsanwaltschaft war Küng der einzige, der über den Inhalt des Strafbefehls Bescheid wusste. Küng habe es versäumt alle vollumfänglich zu informieren.

10:41

Gmür hätte Küng von Anfang an klar gemacht, seine Situation offen zu legen. Er untersagte dem Pfarrer auch die Kinder und Jugendarbeit.

10:40

Um sicher zu gehen lies Gmür ein forensisches und ein kirchenrechtliches Gutachten in Auftrag. Die Rückfallgefahr wurde auf einer Skala von 1 bis 9 mit 1 beurteilt.

10:39

Seit vielen Jahren überlegte Gmür, ob der verurteilte von Küng nochmals als Priester eingesetzt wird. Es gab keine Kontakt- oder Rayonverbote, weder vom Staat noch von der Glaubenskongregation.

10:37

Gmür hätte den Kandidaten einfach abweisen könne. Doch er wollte zuerst Abklärungen treffen, um die Sorgfaltspflicht zu gewähren.

«Wir wollen Klarheit schaffen»

Die Medienkonferenz hat begonnen. Mediensprecher Hansruedi Hueber sagt, das Ziel der heutigen Medienkonferenz sei es, Klarheit zu schaffen.

Kurz darauf beginnt Felix Gmür mit seinem Vortrag.

Ausgangslage

Der Riehener Priesterkandidat Stefan Küng ist vorbestraft, weil er einem Minderjährigen die Füsse massiert, seine Brust gestreichelt und seinen Nacken geküsst hat.

Von 1999 bis 2010 war es gemäss Thurgauer Staatsanwaltschaft zwischen dem Mann und mehreren Jugendlichen zu körperlichen Kontakten gekommen. In einem Fall hatten die Berührungen die Grenze zur Strafbarkeit überschritten. Bereits zu Beginn der damaligen Ermittlungen hatten die Behörden indes klar gestellt, dass es sich nicht um qualifizierten Missbrauch gehandelt habe.

Der Mann war 2012 für seine Verfehlungen mit 80 Tagessätzen zu 50 Franken bestraft worden. Vor einer Woche hatte die Zeitung «bz Basel» nun Details aus dem damaligen Strafbefehl der Thurgauer Staatsanwaltschaft ans Licht gebracht.

Wenige Tage später zog Pfarrer Küng seine Kandidatur für das Riehener Pfarramt zurück. Die psychische Belastung habe ein Ausmass angenommen, das «ohne Inkaufnahme einer gesundheitlichen Schädigung nicht mehr verkraftbar» sei.

1 Kommentar

  1. Einer der jungen Männern Geld bezahlt um ihre Füsse zu massieren u. Brustwarzen von Männern küsst, als Seelsorger einsetzen u. noch von Sorgfaltspflicht sprechen? Wo leben sie Herr Bischof u. Berz-Personalverantwortlicher. Oder sind sie Herr Berz zu sehr mit Nepotismus beschäftigt-siehe ihre Frau bekommt noch kurz vor ihrer Pensionierung eine tolle Stelle im Berner Oberland als Pfarreileiterin! Ihr Eheleben muss harmonisch sein, wo ihr doch in Horw zu Hause seid?!Report

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