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Der Telebasel Talk vom 21. Januar 2019.

Basel

Im Talk: Noëmi Nadelmann und Michael von der Heide

Das Theater Basel bringt erstmals nach ihrer Uraufführung die Anti-Nazi-Revue «Spuk in der Villa Stern» von 1931 auf die Bühne. Eine Anspielung auf heute? Ja!

Wer unvorbereitet auf die Programmankündigung stösst, dem kann schon der Atem stocken: «An allem sind die Juden schuld», wird da ein Songtitel zitiert. Das Theater schreibt: «Friedrich Hollaender, einer der erfolgreichsten Kabarettisten und Komponisten der Weimarer Republik, schrieb seinen «Spuk in der Villa Stern» im Jahr 1931. Im Mittelpunkt: das Ehepaar Stern, das mit Spiessers verwandt und mit Neureichs verschwägert ist und kaum ahnt, wie sehr sich die Welt um sie herum im Umbruch befindet».

Revue gegen den aufkommenden Nationalsozialismus

Regisseur Christian Brey sagt dazu im Programmheft: «Bei aller Komik, mit der das gutgläubige Bürgertum in der Revue aufs Korn genommen wurde, ging es Hollaender in seinem «Spuk» wohl um etwas sehr Ernstes, nämlich um den aufkommenden Nationalsozialismus: Man hat die drohende Gefahr vor Augen, erkennt sie aber nicht – oder möchte sie nicht wahrhaben».

So klang der Song in der Originalfassung, interpretiert von der deutsch-jüdischen Kabarettistin Annemarie Hase, die 1931 in der Revue mitwirkte:

Friedrich Hollaenders Revue war seit ihrer Uraufführung nicht mehr auf der Bühne zu sehen und ist nur in Teilen überliefert. Am Theater Basel wird sie in einer neuen Textfassung aufgeführt – verfasst von David Gieselmann, der für seine kritischen Unterhaltungskomödien bekannt ist.

Das Theater verspricht eine eine «rasante Tour de Force, in Szene gesetzt von Regisseur Christian Brey, der das Stück auf seine kabarettistische Spitze treibt». In den Hauptrollen: Opernsängerin Noëmi Nadelmann, Chansonnier Michael von der Heide sowie Ensemblemitglied Karl-Heinz Brandt als Butler James.

Hilflosigkeit gegenüber rechtem Gedankengut

Das Stück hat David Gieselmann auf die heutigen politischen Vorgänge umgeschrieben. Regisseur Christian Brey: «Fast neunzig Jahre später geht es in unserer Aufführung ebenfalls darum, dass sich die Welt um uns herum zurzeit auf eine schwer greifbare Weise verändert. Vielerorts erleben wir heute (wieder) den Aufstieg von Populisten und Demagogen. Viele reden darüber, dass das Verbreiten von rechtem und rechtsradikalem Gedankengut das politische und gesellschaftliche Klima nachhaltig verändert, fühlen sich aber machtlos, weil sie nicht wissen, was sie dagegen tun können. Es reicht schliesslich nicht aus, auf sozialen Netzwerken zu bekunden, dass man gegen etwas ist. Es ist eine gewisse Hilflosigkeit im Spiel, die einem in den Nacken zu kriechen scheint… Und dieses Gefühl ist in meinen Augen in dem Stück der eigentliche Spuk»,

Opernsängerin Noëmi Nadelmann und Chansonnier Michael von der Heide sprechen ab 18:40 Uhr und stündlich ab 19 Uhr im Talk vom 21. Januar 2018 über die Revue «Spuk in der Villa Stern».

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