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Der Telebasel News-Beitrag vom 21. Januar 2019.

Basel

155 Euro bezahlt, aber den Sänger nicht gehört

Thomas Schneider-Marfels ist entsetzt über die Akustik in der Elbphilharmonie. Der Basler sass beim Eklat rund um das Basler Sinfonieorchester im Saal.

Die Erwartungen waren gross, als Thomas Schneider-Marfels am 12. Januar 2019 die Hamburger Elbphilharmonie betrat. 155 Euro gab er für die Konzertkarte aus, um den berühmten Sänger Jonas Kaufmann gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Basel zu hören.

Mit Superlativen wird der Bau der Basler Star-Architekten Herzog & de Meuron beschrieben. Der Bau an sich war es allerdings nicht, der den Elbphilharmonie-Gast enttäuschte.

Zuschauer verlassen die Plätze

Das Orchester versetzte ihn zunächst in Entzückung. Doch dann das: Als der Sänger zum «Lied der Erde» ansetzte, drang seine Stimme kaum bis zum Sitzplatz von Thomas Schneider-Marfels durch. Auch andere Zuschauer empörten sich, verliessen ihre Plätze und riefen dem Sänger zu, dass sie ihn nicht hörten. «Und dann war der für mich grösste Skandal, dass so ein weltberühmter Mann sich umdreht zu uns und schreit: ‹Beschweren Sie sich bei den Architekten›. Das war unfassbar!»

Die Architekten Herzog & de Meuron haben mit der Akustik allerdings nicht viel zu tun. Dafür zuständig ist eigentlich der Akustiker Yasuhisa Toyota. Thomas Schneider-Marfels war selbst einst Mitglied des Baslers Sinfonieorchesters und trat auf unzähligen Bühnen auf. Für ihn steht fest: «Dieser Saal ist vollkommen ungeeignet für solche Veranstaltungen. Man muss den Sänger akustisch verstärken».

Kein Verständnis für Kritik

Seit diesem Eklat wird die Saal-Akustik in den Deutschen Medien kontrovers diskutiert. Der ehemalige Intendant des Theaters Basel, Georges Delnon, leitet momentan die Staatsoper in Hamburg. Mit dem Philharmonisches Staatsorchester habe er im Saal der Elbphilharmonie nur gute Erfahrungen gemacht: «Akustik ist immer ein dynamischer Prozess. Von unserer Erfahrungen kann ich nur erzählen, dass man immer daran arbeitet. Man lernt einen Saal und ein Podium immer besser kennen. Man weiss immer besser, wo und wie man das Orchester und die Solisten aufstellen muss».

Der Akustiker Yasuhisa Toyota sei immer wieder im Saal und auch er arbeite immer weiter daran, führt Georges Delnon weiter aus. Besonders für die Zuschauer, die im Rücken des Sängers stehen, sei es problematisch, sagt er.

Auch der Generalintendant der  Elbphilharmonie in Hamburg, Christoph Lieben-Seutter, teilt mit: «Überall in der Elbphilharmonie hört man gut. Es liegt aber in der Natur von sogenannten Weinberg-Sälen, dass die Plätze direkt hinter dem Orchester bei Gesangsdarbietungen akustisch benachteiligt sind, da die menschliche Stimme einen sehr gerichteten Schall abgibt».

Die Elbphilharmonie könnte bald schon Änderungen einführen: «Wir sind bereits seit längerem mit einigen Veranstaltern im Gespräch darüber, bei Lieder- und Arienabenden einen alternativen Saalplan zu verwenden, da die Ticketpreise direkt hinter der Bühne verglichen mit ähnlichen Sälen relativ hoch sind».

2 Kommentare

  1. Hinter dem Orchester ist jeder Sänger schlecht zu hören. Immerhin singt er nach vorne und in seinem Rücken ist zwischen ihm und dem Zuhörer ein Orchester, das deutlich lauter als der Sänger sein kann.
    Man sollte bei Gesang keine Plätze im Rücken des Sängers anbieten – und auch keine Tickets von dort kaufen.Report

  2. Für die Enttäuschung kann ich nur wenig Verständnis aufbringen. Wer selber Musiker ist, sollte doch wissen, dass bei einem Saal dieser Art hinter dem Orchester ein Sänger schlecht bis gar nicht zu hören ist. Diesen dann per Akklamation zum lauter Singen aufzuforndern ist ein Affront und zeugt von schlechter Erziehung und mangelnder Kenntnis des Werkes. Mancher Sänger häte das Podium verlassen und das Konzert beendet. Barenboim hat erst neulich ein Publikum, das sich nicht zu benehmen wusste vom Podium aus zurechtgewiesen.
    Akustische Verstärkung ist keine Lösung. Der Saal muss, wie schon andere Säle, nachgearbeitet oder eben nur für “geeignete” Werke und Ensembles verwendet werden.
    Interessant ist, dass es nun zahlreiche Beschwerden über die unzulängliche Akustik bei Gesangsdarbietungen gibt, die bisher ignoriert wurden. Ein Trauerspiel !
    PS: Habe 2 Konzerte der Tournee live miterlebt; ganz wunderbar ud ohne Probleme.Report

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