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Der Telebasel Talk vom 16. Januar 2019 mit Simon Stone.

Basel

Im Talk: Regie-Star Simon Stone

Die einen bejubeln ihn als Retter des Schauspieltheaters, andere schimpfen über seichte Unterhaltung.: Simon Stone kennt fast nur Fans und Feinde. Warum?

«Der Applaus in Basel war triumphal wie selten», jubelte die NZZ über Simon Stones Inszenierung von Henrik Ibsens Drama «John Gabriel Borkman» am Theater Basel. Andere meinten, sie gingen nicht ins Theater, um dort einer Sitcom mit seichten Dialogen zu folgen.

«Verfickte Scheisse» bei Ibsen

Denn Simon Stone nimmt sich das Recht heraus, die Theaterstücke von Weltautoren wie Henrik Ibsen oder Anton Tschechow komplett neu zu texten. «Überschreiben» nennt man das Verfahren heutzutage in Theaterkreisen. Damit nehme er diese Autoren aber ernst, meint der 34-jährige Shooting-Star. Denn auch diese hätten zu ihrer Zeit unbedingt aktuelles Theater mit aktueller Sprechweise realisieren wollen. Bei Stone kann es schon mal «Verfickte Scheisse» heissen. In einem Ibsen-Stück.

Bei fast jeder Produktion des gebürtigen Baslers ziehen die Ritter der Kritik mit ihren längsten Schwertern zu Felde. Sei es pro oder contra.  Nicht anders bei der Co-Produktion «Hotel Strindberg», die heute Abend erstmals in Basel gezeigt wird und vor einem Jahr am Wiener Burgtheater Weltpremiere feierte. Hier ein paar Kostproben (Zusammenstellung: Nachtkritik.de):

«Wo ist das Problem, wenn Theater mal unterhaltsam ist?»

Welt: «Ein Teil des Publikums wittert darin Hochverrat am Original, der andere freut sich über ein Theater im Geist der Zeit. Im Fall Strindbergs ist zu bedenken, dass auch dieser seinerzeit Alltagssprache auf die Bühne brachte. Und überhaupt, wo ist das Problem, wenn Theater mal unterhaltsam ist?».

Nachtkritik.de: «Riesiger Jubel am Ende, einerseits verdient, es ist eine grossartige Leistung von allen Beteiligten, andererseits wird – auch – dafür geklatscht, dass einem (fast) nichts nahegeht».

NZZ: «Es ist das Produkt eines unheimlichen Muts zur klaren Gesellschaftsdiagnose: Der Mann ist das arme Würstel, als das er sich heute und hier so gerne bejammern lässt.»

Zeit: «Sto­ne kann ei­nen be­tö­rend vi­ta­len Fi­gu­ren­be­trieb or­ga­ni­sie­ren, we­ni­ger gut be­herrscht er es, sei­nen Ge­stal­ten in ih­re Ab­grün­de zu fol­gen. So­dass die Län­ge der Auf­füh­rung die Wucht der Sa­che ein we­nig ver­dirbt».

Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Nie­mand wird hier zum Cha­rak­ter, mit nie­man­dem fühlt man auch nur an­satz­wei­se mit».

Simon Stones Inszenierungen «Engel in Amerika», «John Gabriel Borkman», «Drei Schwestern» in Basel gehörten zu den erfolgreichsten Produktionen am Theater Basel. Direktor Andreas Beck hatte sein Händchen für Jungtalente bewiesen, als er den australisch-schweizerischen Doppelbürger als Hausregisseur anstellte. In Basel wird es Simon Stone jedoch kaum über die Intendanz Beck hinaus halten.

Simon Stone spricht ab 18:40 Uhr im Talk vom 16. Januar 2018 über seinen Erfolg, die Kritik, seine Arbeit und seine weiteren Pläne.

Medientext des Theaters Basel zu «Hotel Strindberg»

Schauspiel von Simon Stone nach August Strindberg

Uraufführung/Auftragswerk

Aus dem Englischen von Martin Thomas Pesl. Altersempfehlung: Ab 14 Jahren

Ausgezeichnet mit dem Wiener Theaterpreis NESTROY 2018

  • Caroline Peters als «Beste Schauspielerin»
  • Alice Babidge für die «Beste Ausstattung»

Nach der Beschäftigung mit Ibsen und Tschechow wendet sich Simon Stone dem schwedischen Schriftsteller August Strindberg zu, der in seinem zwischen Naturalismus und Expressionismus oszillierendem Werk die Kämpfe mit sich selbst und der Welt verarbeitete. Oft war es der Krieg der Geschlechter, der ihn umtrieb. Stone entlehnt Figuren und Motive aus gleich mehreren, zum Teil selten gespielten Dramen Strindbergs wie «Gespenstersonate», «Der Pelikan» und «Nach Damaskus» sowie aus dessen autobiografischen Schriften. Sein Dreiakter ist ein Menschheitspanorama der Jetztzeit mit Unterhaltungsfaktor: Er entwirft hochaktuelle, hysteriegesteuerte Familien- und Paartragödien, entlockt aber gleichzeitig dem abgründigen Strindberg’schen Kosmos so viel Humor, dass man fast meinen könnte, Strindberg wäre ein brillanter Komödiendichter gewesen.

Nach seinen mit Einladungen zum Berliner Theatertreffen ausgezeichneten Schauspielinszenierungen «Engel in Amerika», «John Gabriel Borkman» und «Drei Schwestern» sowie seinem Operndebüt mit «Die tote Stadt» ist dies die fünfte Arbeit des australischen Regisseurs mit Basler Wurzeln für das Theater Basel.

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