Um die Abstossung eines Spenderorgans zu verhindern, müssen Mediziner zurzeit noch das Immunsystem des Empfängers hemmen. (Symbolbild: Pixabay)

Basel

Uni Basel findet möglichen Ansatz gegen Spenderorgan-Abstossung

Forschende der Uni Basel haben womöglich einen Ansatz gefunden, die Spenderorgan-Abstossung zu unterdrücken. Das Immunsystem soll dabei noch aktiv bleiben.

Um die Abstossung eines Spenderorgans zu verhindern, müssen Mediziner das Immunsystem des Empfängers hemmen. Das lähmt jedoch auch die Abwehr gegen Krankheitserreger. Forschende um Jean Pieters von der Universität Basel berichten nun im Fachblatt «Immunity» von einem möglichen Ansatz, dieses Problem zu lösen. Das teilte die Hochschule am Dienstag mit.

Eine zentrale Rolle spielen dabei T-Zellen, die sowohl für die Abwehr von Erregern als auch für die Abstossung von Spenderorganen verantwortlich sind. In Studien mit Mäusen untersuchten die Wissenschaftler die Rolle eines Proteins namens Coronin 1, das als Regler eines Signalwegs in T-Zellen fungiert.

Ohne Coronin 1 keine Abstossung

Die Forschenden entfernten mithilfe genetischer Methoden Coronin 1 aus den T-Zellen und stellten fest, dass die Mäuse keine Immunreaktion gegenüber einem transplantierten Organ mehr zeigten. Und nicht nur das: Die T-Zellen schienen die Abstossungsreaktion sogar aktiv zu verhindern, wie Studienautor Rajesh Jayachandran gemäss der Mitteilung betonte. Dennoch konnten die manipulierten T-Zellen weiterhin Krankheitserreger bekämpfen.

Den Untersuchungen der Wissenschaftler zufolge führt das Entfernen von Coronin 1 aus den Zellen zu einem Anstieg des Botenstoffs cAMP. Das wiederum führt dazu, dass sich die T-Zellen verändern und das fremde Organ tolerieren.

Wenn jedoch Krankheitserreger auftauchen, werden bestimmte Moleküle produziert, die die Wirkung von cAMP wieder aufheben, wie die Uni Basel schrieb. Die T-Zellen können gegen die Erreger in den Kampf ziehen. Da sich diese Konfrontation mit Erregern sehr lokal im Körper abspiele, sei es unwahrscheinlich, dass dabei auch die Abstossung des Spenderorgans wieder anlaufe, sagte Pieters im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Genau wisse man dies aber noch nicht.

Ansatzpunkt für Therapien

Der von Coronin 1 geregelte Signalweg und die damit verbundene cAMP-Produktion könnten somit Ansatzpunkte bieten, um die Abstossungsreaktion nach Organtransplantationen selektiv zu unterdrücken. Coronin 1 werde hauptsächlich in den T-Zellen produziert, unerwünschte Nebenwirkungen einer Hemmung dieses Proteins seien daher unwahrscheinlich, so Pieters.

Bis zu einer klinischen Anwendung beim Menschen sei jedoch noch viel Forschungsarbeit zu leisten, betont der Forscher. Mit seinem Team will er nun in Folgestudien die genauen Mechanismen rund um Coronin 1 in den T-Zellen ergründen.

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