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Der Telebasel News-Beitrag vom 14. Januar 2019.

Basel

Neue Tramlinien nehmen Fahrt auf

Die Basler Regierung will die Innenstadt von Trams befreien. Dafür sollen neue Linien gebaut werden. Zum Beispiel durch den Clara- und den Petersgraben.

Da die Bevölkerung und die Zahl der Arbeitsplätze zulegen, will die baselstädtische Regierung das Tramnetz ausbauen, vervollständigen und so flexibler machen, wie Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels am Montag vor den Medien sagte. Neue Abschnitte hälfen, neue Wohn- und Arbeitsgebiete mit Stadtzentrum und Bahnhöfen zu verbinden.

Für die jüngste Tramnetzplanung mit Horizont 2040 sollen manche Linien neu gelegt werden. Der Trambetrieb solle «reibungslos und störungsresistent» werden, sagte Rainer Franzen vom baselstädtischen Amt für Mobilität.

Im Fokus ist die Entlastung der am Kapazitätslimit befahrenen Basler Innerstadt-Achse Barfüsserplatz-Marktplatz-Mittlere Brücke. Fussgänger stören sich an der «grüngelben Wand» in der Innerstadt, wie Erich Lagler sagte, der Direktor der Basler Verkehrs Betriebe (BVB). Die beiden neuen Abschnitte im Clara- und Petersgraben brächten wertvolle Ausweichrouten zum City-Nadelöhr.

Netzlücken schliessen

Die neuen Abschnitte Klybeck für die 14er-Linie, Claragraben für die 8er-Linie und Petersgraben für das 16er-Tram zur Entlastung des 30er-Busses sind laut dem nun vorgestellten zweiten Regierungsbericht zur Tramnetzentwicklung «vordringlich».

Erst sehr grob abschätzbar sind laut Franzen die Baukosten: je gut 20 Millionen für die beiden Graben-Abschnitte und gut 50 Millionen für jenen ins Klybeck. Die insgesamt etwa 100 Millionen liegen schon bereit – dank des Jas des Grossen Rates von 2012 zum 350-Millionen-Rahmenausgabenbeschluss für die Tramplanung.

Konkret führt der neue Abschnitt Klybeck via Riehenring und Wiesenkreisel über ein altes Werksbahntrassee zur Haltestelle Ciba bei der Kreuzung Mauer-/Klybeckstrasse. Bei letzterer ist bereits ein Halt des S-Bahn-Grossprojekts Herzstück angedacht.

Auf dem heutigen Industrieareal Klybeck sollen dereinst 10’000 Menschen wohnen und 5’000 arbeiten; das Erlenmatt-Quartier neben jenem Klybeck-Tramast ist schon weitgehend gebaut. Der 2014 an der Urne verworfene Erlenmatt-Tramast wäre stattdessen beim Badischen Bahnhof nordwärts abgezweigt.

Bus wird zum Tram

Durch den Claragraben sollen neue Gleise den Wettstein- und den Claraplatz verbinden. Just diesen Tramast hatte der Grosse Rat 1998 an die Regierung zurückgewiesen; indes sollen diesmal die Schienen in der Riehenstrasse zur Messe weiter genutzt werden. Laut Franzen hat der Bund versprochen, hier 40 Prozent der Kosten übernehmen.

Der neue Petersgraben-Tramast ist die erste Etappe der Umstellung der Buslinie 30 auf Trambetrieb. Heute platzt der 30er zwischen Bahnhof SBB und Uni sowie Spitälern aus allen Nähten. Der neue Ast mit Haltestellen bei Uni und Spitälern soll auch das stark im Ausbau befindliche Schällemätteli-Gebiet mit erschliessen.

Späterer zweiter Teil des 30er-Tram-Projektes ist ein Gleisabschnitt zwischen Totentanz und St. Johanns-Tor durch Spitalstrasse und St. Johanns-Ring, für den nun eine Vorstudie gemacht werden soll. Dieser soll dann als eingleisige Wendeschlaufe dienen. Doch der erste Teil im Petersgraben bringe schon allein einigen Nutzen, sagte Hans-Peter Wessels.

Diskussionen zum Bahnhofsplatz

Erst vage skizziert ist derweil die Verlängerung vom Petersgraben zur Austrasse. Wie heute den 30er-Bus auch das Tram über das Heuwaageviadukt zu führen, wäre den Planern zu teuer.

Für später gesetzt ist in den 30er-Plänen der Kleinbasler Abschnitt via Johanniterbrücke und Feldbergstrasse zum Riehenring. Bis zum Brückenneubau 1966 war dort das 2er-Tram gefahren.

Laut Rainer Franzen macht die Tramnetzplanung auch eine am letzten Mittwoch eingereichte breit abgestützte Motion für eine Tramentflechtung auf dem Centralbahnplatz obsolet. Auch die Regierung wolle dort dereinst keine Trams mehr kreuzen lassen; dazu werde der 8er via Wettstein und Clara geführt und der 1er via Wettstein nach Riehen. Die Motion postuliert bei der demnächst anstehenden Schienensanierung ein Zusatzgleis einzubauen.

Ferne Pläne

Der Netzausbau-Plan führt in der Zukunft noch weiter: Notiert sind Tramkorridore unter anderem von der «Ciba» dem Rhein entlang zum Hafen, dort über eine Trambrücke nach Frankreich, vom Bahnhof St. Johann zum Bachgraben, von Saint-Louis Grenze nach Hüningen (F) zur zur Dreiländerbrücke sowie durch das Dreispitzareal respektive von dort zum St. Jakob.

Die Regierungen beider Basel wollen auch Entwicklungsgebiete in der Agglomeration wie etwa Salina Raurica in Pratteln/Augst BL oder das Polyfeld in Muttenz dereinst per Tram erschliessen.

Optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis

Baselland Transport-Direktor und Landkantonsvertreter Andreas Büttiker wies auf die mit der aktuellen Tramnetzplanung aufgegleiste Verlängerung des 8ers via Letten nach Allschwil hin: Dieser Ast biete ein optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Weit oben auf Büttikers Wunschliste steht auch eine tangentiale Tramverbindung vom Bahnhof Dornach SO/Arlesheim BL über Reinach BL nach Therwil BL. Das werde nicht einfach, aber auf dieser Busachse habe es sehr viele Passagiere. Tramplanung sei immer anspruchsvoll und langfristig; man müsse aber jetzt Trassees sichern.

Die nun beantragten Planungen gehen zurück auf die gemeinsame Tramnetzplanung mit dem Baselbiet von 2012, nach welcher die Basler Regierung 2015 ihre Streckenentwicklung präsentiert hatte. Der Grosse Rat solle jetzt klären, «welche Strecken er wünscht», sagte Wessels am Montag weiter.

1 Kommentar

  1. Alle Linien fahren in das Ausland, entweder nach Frankreich oder nach Deutschland. Wie verträgt das sich mit den Mittelstandgeschäften? Einkaufen und Arzt/ZahnarztBesuch im Ausland weil billiger? Basel freundlich ist das sicher nicht. Was bezahlen wir zusätzlich ins Ausland zur Verwirklichung dieses unseligen Projektes?Report

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