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Der Telebasel News Beitrag vom 13. Januar 2019.

Basel

Darum hat der Landgasthof-Wirt genug

Der Wirt des Landgasthofs Riehen, Pierre Buess, erklärt die Gründe für seinen Rückzug. Der Gemeinde würde er raten, die Liegenschaft im Baurecht zu verkaufen.

Pierre Buess spricht von bis zu einem Viertel weniger Umsatz seit etwa Mitte 2016. Zwar seien die Stammgäste geblieben, an Kunden von auswärts mangle es aber. Nun wirft der bekannte Gastronom und ehemalige Stucki-Inhaber per Ende Juni 2019 das Handtuch. Zusammen mit seiner Partnerin Nora Dokhane übernahm er 2012 das Ruder im Landgasthof Riehen. Inzwischen habe die Traditionsbeiz mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen.

Verkehrssituation verunsichert Touristen

Gegenüber Telebasel nennt Pierre Buess gleich mehrere Gründe. Einer davon sei die Baustellensituation entlang der Aeusseren Baselstrasse. Vor allem für Auswärtige sei diese Situation kompliziert. «Wenn die Hotelgäste von Basel nach Riehen fahren, haben sie ein Problem, spätestens dann, wenn das GPS nicht die Information über die neuen Baustellen bekommt, drehen sie sich im Kreis», sagt Buess.

«Dann müssen wir sie holen – und wenn die Gäste endlich hier sind, haben sie ein Problem, einen Parkplatz zu finden».

Genug von der Gastronomie

Nicht nur die Verkehrs- und Baustellensituation sei in den letzten Jahren zu einer Belastung geworden. Auch Themen, über die in Basel viele Wirte klagen, waren entscheidend für den Entscheid. Der schwache Euro, das veränderte Konsumverhalten, also die immer beliebteren Streetfood-Angebote, und die Krise der Baselworld spüre man in Riehen ebenfalls.

Unter all diesen Umständen sei es schwierig geworden, die Mietzinsen zu stemmen. «Viele Vermieter, ob Gemeinden oder Private haben das Gefühl, wir könnten wie noch vor 15 Jahren bis 20 Prozent Nettogewinn machen – doch das ist schon lange nicht mehr der Fall», sagt Pierre Buess. Hinzu komme, dass er nach vielen Jahren in der Gastronomie einmal etwas anderes machen wolle. Er möchte sich um das familieneigene Immobilienunternehmen kümmern.

Gemeinde als Gastro-Player

Dabei sei auch die spezielle Situation des Landgasthofs zu beachten. Eigentümerin ist die Einwohnergemeinde Riehen. Nach Beschluss des Einwohnerrates wurde der Landgasthof 2011 für rund sechs Millionen saniert. Das Gemeindeparlament erachtete es als wichtig, dass das mit Steuergeldern renovierte Restaurant möglichst vielen Leuten zugute kommt.

Daher waren die Betreiber an mehrere Auflagen gebunden. Wie etwa der Bericht der Spezialkommission Landgasthof von 2010 festhält, sollte das Lokal die ganze Woche von morgens bis abends offen sein. Der Landgasthof Riehen Restaurant soll «für alle Schichten» sein, also sowohl mit gutbürgerlicher Gaststube mit Stammtisch, als auch auch mit gehobener Küche. Zudem soll es auch abends eine kleine Karte für jene geben, die spätabendlichen Hunger kriegen.

Zweifel am Konzept Gemeinde-Beiz

Pierre Buess zweifelt, ob das Konzept der gemeindeeigenen Gastrobetriebs unter all den genannten Veränderungen noch funktioniert. «Ich würden den Landgasthof  plus den angrenzenden Grossen Festsaal im Baurecht auf 100 Jahre an eine finanzstarke Hotel- oder Restaurantkette verkaufen», findet er. So könne Riehen Besitzerin der Parzelle bleiben, hätte aber keine Investitions- und Unterhaltskosten zu berappen. «Es ist meiner Meinung nach nicht die Aufgabe einer Gemeinde, Hotel- oder Restaurantbusiness zu betreiben», sagt Buess. Als potenzieller Käufer schlägt er etwa die Fondation Beyeler vor.

Auch Gemeinderat Daniel Albietz (CVP) äussert sich skeptisch zum bisherigen Landgasthof-Konzept. «Das ist schon eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit – darum ist zu diskutieren, ob diese Auflagen und Mietzinse angebracht sind und man das Konzept unter diesen Bedingungen weiterführen kann», so Albietz.

1 Kommentar

  1. Schade, aber nachvollziehbar. CHF 30’000.– Miete pro Monat und CHF 180’000.– Kaution cash ist ne Menge Holz. Ich würde als Gemeinde den Landgasthof ans Beyeler verkaufen und Wessels soll endlich mal aufhören mit diesen Baustellen!!! Wählt ihn bitte nicht mehr, dann hat er mehr Zeit für sein geliebtes Velo fahren….Mit dieser Politik macht er das Gewerbe kaputt und Arbeitsplätz gehen verloren. Inkompetenz pur!Report

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