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Der Telebasel News Beitrag vom 9. Januar 2019.

Basel

Grosser Rat sagt Ja zum Museums-Neubau, aber…

Der Grosse Rat stimmt dem Neubau des Naturhistorischen Museums mit 79 zu 19 Ja-Stimmen zu. Er bewilligt den Kredit über 214 Millionen Franken.

Noch vor der Abstimmung kündigte die SVP das Referendum an. Nach der Annahme des Grossen Rates wird nun wohl das Basler Stimmvolk über den Neubau bestimmen.

Museumsrochade

Zu reden gaben aber primär die Kosten, der Neubaustandort und die mittelfristig geplante Museumsrochade – in den sanierten Berri-Bau soll dann das Antikenmuseum einziehen. Über die Nutzung dieses denkmalgeschützten ältesten Museumsgebäudes von Basel wird seit über einer Dekade diskutiert.

Laut Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann waren 20 Standorte abgeklärt worden; für den Neubau sei das St. Johann der beste. Das beliebte Naturhistorische Museum müsse umziehen, weil der Berri-Bau nach der Sanierung fast die Hälfte weniger Ausstellungsfläche biete. Auch seien die vier Aussenposten des Staatsarchivs bis 2023 randvoll.

Baudirektor Hans-Peter Wessels verwies auf die gute Erreichbarkeit per Bahn und Tram des Neubaus beim Bahnhof St. Johann. Wessels wie Ackermann betonten, die Regierung wolle gemäss ihrer stabilen Strategie bei den Museen nicht sparen, sondern die Verantwortung für das Erbe wahrnehmen und dazu die Infrastruktur zukunftsfähig halten.

Spardruck von FDP und SVP

Die FDP kritisierte aber just das Weiter-wie-bisher als strategielos. Das Parlament habe den Projektierungskredit 2013 mit dem expliziten Auftrag bewilligt, die Betriebskosten stabil zu halten, dennoch setze die Vorlage diese rund einen Viertel höher an, dies erst noch mit optimistisch erhöhten Eintritteinnahmen.

Die Regierung wolle dem Museum 30 Prozent mehr Ausstellungsfläche bauen, also wäre günstiger doch möglich. Die FDP beantragte daher die Rückweisung der Vorlage, damit die Regierung die Betriebskosten einebne. Dem schloss sich die GLP an. Die FDP forderte zudem eine Gesamtschau, da sich demnächst anstehende Museumsbauprojekte zu rund einer halben Milliarde Franken kumulierten.

Die SVP stiess ins selbe Horn, lehnte den Neubau als zu teuer ab und warb für ihren vagen Vorschlag eines «Hauses der Geschichte», zu dem Naturhistorisches, Historisches und Antikenmuseum fusioniert werden sollten. Man dürfe nicht den Status Quo für Jahrzehnte zementieren. Sie beantragte zudem, den Neubau zwingend an die Urne zu bringen.

Ein SVP-Grossrat lehnte auch den Standort ab, weil jene schmale Parzelle wegen der Störfallvorsorge neben der Bahnlinie und des Grundwassers zu teuer zu bebauen sei. So ergebe sich auch eine sehr fragwürdige Raumaufteilung.

Mehrkosten wert

Die anderen Fraktionen stellten derweil dringenden Handlungsbedarf in den Vordergrund und akzeptierten auch die höheren Betriebskosten im Neubau wegen des Mehrnutzens. Für die Grünen ist das Projekt alternativlos, für die SP gar zukunftsweisend, auch städtebaulich. Die SP pocht indes auf genug Geld auch für andere Kulturbereiche.

Die LDP verwies auf Einsparungen, wenn die externen Lagerstandorte des Staatsarchivs nicht mehr zu mieten sind. Ein Liberaler konterte die Kostenkritik damit, dass man die 214 Millionen neben den enormen, innert Jahrhunderten archivierten Werten der beiden Institutionen sehen müsse.

Die CVP stimmte wegen des Leidensdrucks zu, aber nur «mit deutlichem Zähneknirschen»: Das Vertrauen in die Regierung punkto Museen sei noch nicht wieder hergestellt. Am Ende wurde Rückweisung mit 67 gegen 27 Stimmen abgelehnt, das obligatorische Referendum noch klarer verworfen und der Neubau dann mit 71 gegen 19 Stimmen bei 6 Enthaltungen beschlossen. Auch Freisinnige drückten den grünen Knopf.

Zwei Drittel Museum

Der Neubau soll 172 Meter lang, 27 Meter breit und 18 Meter hoch werden; an der Nordseite ist ein 40-Meter-Turm geplant. Knapp zwei Drittel entfällt auf das Naturhistorische Museum, rund ein Drittel auf das Staatsarchiv, und einzelne Flächen werden gemeinsam genutzt.

Der vom Zürcher Architekturbüro EM2N entworfene Kombi-Neubau soll bis 2023 stehen. Parallel wird die Berri-Bau-Sanierung aufgegleist, mit Wettbewerb und Projektierung ab 2020. Das Parlament soll darüber 2023 entscheiden, damit 2025 die Arbeiten beginnen und ab 2027 der Berri-Bau wieder genutzt werden kann.

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