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Schweiz

Ex-Banker stolpert über Pumuckl

Am Bundesstrafgericht beginnt am Montag der Prozess gegen einen früheren UBS-Angestellten. Er soll Kundendaten an Nordrhein-Westfalen verkauft haben.

Vermutlich im Sommer 2012 soll der Ex-Banker mindestens 233 Kundendaten an die deutschen Behörden ausgehändigt haben. Dies geht aus der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft (BA) hervor.

Sie beschuldigt den 45-Jährigen des qualifizierten wirtschaftlichen Nachrichtendienstes, der Verletzung des Geschäfts- und Bankgeheimnisses und der Geldwäscherei.

Weil bei einer Hausdurchsuchung ausserdem verbotene Munition im Nachttisch des Angeklagten gefunden wurde, wird ihm auch unerlaubter Munitionsbesitz zur Last gelegt.

Die an Deutschland gelieferten Daten hat der Mann gemäss BA in der Zeit vom Dezember 2005 bis Herbst 2012 an seinem Arbeitsplatz gesammelt. Im Computer-System und in physisch vorhandenen Unterlagen soll der Angeklagte gezielt nach den Berechtigten von Stiftungen recherchiert haben.

Aufgrund der erlangten Informationen führten die deutschen Behörden ab Mitte November 2012 bei mindestens 233 UBS-Kunden in Deutschland Hausdurchsuchungen oder Ermittlungen durch, schreibt die Bundesanwaltschaft in ihrer Anklage. Die Betroffenen meldeten sich bei ihrer Bank.

Rechtshilfe abgelehnt

Besonderheiten in den gelieferten Daten führten gemäss BA zum Angeklagten. Gewisse Informationen habe nur er gehabt. Bei der Lieferung des Berechtigten der Goldenen Pumuckl Stiftung habe der 45-Jährige ausserdem den Begünstigten der Pumuckl Stiftung angegeben. Und auf eben diesen Datensatz hatte nur er zugegriffen.

Als die Bundesanwaltschaft 2015 die deutschen Behörden rechtshilfeweise um Informationen zu einem Bankkonto des Angeklagten bei einer kleinen deutschen Bank bat, erhielt sie zunächst keine Antwort.

Nach mehrmaligem Nachhaken bekam die BA gemäss Anklage ein Schreiben aus Deutschland. Darin wurde die Rechtshilfe mit der Begründung abgelehnt, dass das Ersuchen wesentliche Interessen der Bundesrepublik Deutschland gefährden könnte.

Über das besagte Konto und ein weiteres soll das Entgelt für die Kundendaten gelaufen sein. Mit dem Geld soll der 45-Jährige ein Haus auf Mallorca gekauft und ein Jahr später wieder verkauft haben. Mit diesem Manöver sollte gemäss BA die Herkunft des Geldes verschleiert werden.

Notizen im Auto der Mutter

Beim Angeklagten fanden die Ermittlungsbehörden keine Unterlagen, die auf zwei bestehende Konten bei den deutschen Banken oder den Hauskauf in Mallorca hingedeutet hätten. Fündig wurden sie jedoch im Fahrzeug der Mutter des Angeklagten. Im Kofferraum lagen in eine Decke eingerollt Notizzettel mit Kontaktdaten zu den Belangen auf Mallorca.

Lediglich auf einer SIM-Karte, die der Beschuldigte bei der Hausdurchsuchung zu zerstören versuchte, waren Infos zur gekauften Immobilie und den Bank-Konten.

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