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Der Telebasel News Beitrag vom 23. Dezember 2018.

Basel

Christkind versus Weihnachtsmann

In Basel bringt eigentlich das Christkind die Bescherung. Seit längerer Zeit heizt ihm im öffentlichen Raum die Konkurrenz durch Santa Claus ein.

Bei den einen ist’s ein nicht genau fassbares geflügeltes Wesen mit goldenen Locken. Bei den anderen ein rundlicher bärtiger Mann, der sich durch den Kamin schmuggelt. Mit dem Überbringer der weihnachtlichen Bescherung ist es so eine Sache. So ist eigentlich in Basel das Christkind für die Geschenke verantwortlich. Hierzulande ist die Figur seltener auch als  «Wienachtskindli» bekannt. Das ist etwa in Rudolf Suters Baseldeutsch-Wörterbuch nachzulesen. Christkind, Weihnachtskind, Weihnachtsmann, Santa Claus, Santiglaus. Wer ist nun wer?

Das feenartige Christkind

Je nach Region im deutschsprachigen Raum liegt die Bescherung in unterschiedlichen Händen. Auch konfessionelle Grenzen trennen das Christkind nicht genau vom Weihnachtsmann. Die Sache ist einiges komplizierter und mittlerweile haben sich so manche Traditionen miteinander vermischt.

Während der Weihnachtsmann omnipräsent ist, ist das Aussehen des Christkindes nicht so genau definiert. «Eigentlich ist es der kleine Jesus», so Michael Bangert, Pfarrer bei der christkatholischen Predigerkirche. «Das Christkind wurde im Laufe der Zeit zu einer Symbolfigur, zu einer feenartigen Gestalt». Diese Entwicklung sei nicht abgeschlossen. «Heute wird es meist engelgleich und etwas abgehoben dargestellt», so Bangert.

Santa Claus ist nicht Santiglaus

Ob an Fenstern oder in Reklamen. Der Weihnachtsmann ist längst viel präsenter – selbst im «Christkind-Revier» wie Basel. Dabei hat der wohlgenährte Vollbartträger nicht mehr viel zu tun mit dem Heiligen Nikolaus von Myrna, der etwa auch im Santiglaus-Brauch vom 6. Dezember weiterlebt. Dabei begann die steile Karriere des Weihnachtsmanns im 19. Jahrhundert. «Er ist Symbolfigur des Schenkens, nicht mehr der Heilige».

Insbesondere sein amerikanischer Zuschnitt als Santa Claus wurde dann im Laufe des 20. Jahrhundert zum internationalen zum Überflieger. Dagegen regte sich auch schon Widerstand. So war etwa in Österreich ein Pro-Christkind-Verein mit Anti-Weihnachtsmann-Stickern aktiv. Michael Bangert kann die Kritik am Santa Claus durchaus nachvollziehen. Er sieht hier eine Tendenz zum totalen Weihnachtskitsch. «Das ist das Ende einer kulturellen Entwicklung, nachher gibt es nur noch einen Absturz».

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