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Der Telebasel News-Beitrag vom 18. Dezember 2018.

Basel

Gericht spricht Rapper Ensy frei

Wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit wurde Ensy vor zwei Jahren verurteilt. Das Appellationsgericht revidierte nun das Urteil.

Das Dreiergericht sprach von einem Grenzfall. Wäre es zu einer Anzeige der namentlich angegriffenen gekommen, wäre Rapper Ensy wohl wegen Ehrverletzung verurteilt worden. Am Dienstag ging es aber darum, ob der Rapper mit seinem Song «Scheiss uf euch» zu Verbrechen und Gewalttaten aufgerufen hat.

Im Song-Text heisst es: «Fahr bewaffnet uff St. Galle und dr Reimann isch in Atemnot». An Lukas Reimann gerichtet: «Ich bi schadefroh, wenn dich öpper abeschloht». Roger Köppel wünscht er einen gebrochenen Knöchel und Christoph Mörgeli eine Vergiftung. Im Video drohte Ensy auch der Islamismus-Kritikerin Saïda Keller-Messahli.

Rap ist eine Kunstform

Das Gericht folgte den Ausführungen der Verteidigung und räumte ein, dass Rap eine Kunstform ist, in der bis zu einem gewissen Grad auch extremere Äusserungen Platz finden können. Gerade im Vergleich zu Aussagen, die im normalen Umgang gemacht werden.

Zudem habe Ensy vor Gericht darlegen können, dass sein Rap subjektiv gesehen in erster Linie als Kritik an Äusserungen der Protagonisten, wie SVP-Nationalrat Lukas Reimann und dessen Parteikollegen Roger Köppel und Christoph Mörgeli, gedacht war. Es sei nie seine Absicht gewesen, seine Fans zu einer realen Gewalttat zu motivieren.

In Zukunft auf solche Texte verzichten

Trotz des Freispruchs ermahnte Richterin Eva Christ den Musiker, dass es für den sozialen Frieden besser wäre, auf solche Songtexte zu verzichten. Daneben wurde noch ein zweiter Fall verhandelt. Es ging um die Frage, welche Schuld Ensy an einem Brand in seiner Wohnung im Jahr 2015 hatte. Offensichtlich geriet damals eine noch glühende Zigarette in den Abfallbehälter in der Küche, was einen Brand auslöste.

Das Gericht sprach ihn zwar erneut wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst schuldig. Es reduzierte aber den zu leistenden Schadenersatz. Die Geldstrafe wurde auf 30 Tagessätze zu 130 Franken mit bedingtem Strafvollzug unter Auferlegung einer Probezeit von zwei Jahren festgelegt.

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