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Der Trailer zum Action-Abenteuer «Bumblebee». (Video: Youtube/KinoCheck)

International

«Bumblebee»: Action-Überraschung zum Jahresfinale

Auch Kampfroboter haben Gefühle. Regisseur Travis Knight kündet in seinem ungewöhnlichen Action-Film «Bumblebee» von einer Begegnung der zärtlichen Art.

Die «Transformers», das sind ausserirdische Roboter, die sich zu jeder Zeit in Furcht erregende Kampfmaschinen verwandeln können. Ihre fünf bisherigen, allesamt von Michael Bay inszenierten, Actionspektakel waren nichts für empfindliche Augen und gar nichts für sensible Ohren. Dass es im nun startenden sechsten Ableger der Reihe ruhiger und gemässigter zugeht, ist wohl dem neuen Regisseur zuzuschreiben.

Erstmals sass Travis Knight auf dem Regiestuhl. Der Amerikaner konnte bisher etwa mit seiner Beteiligung an dem wunderbaren Stop-Motion-Abenteuer «Coraline» auf sich aufmerksam machen. «Bumblebee», Travis’ neuer Film, gilt als so genanntes Prequel – er nimmt uns mit in die Zeit vor dem ersten «Transformers»-Film. Der kam 2007 ins Kino. In «Bumblebee» zu sehen sind die Schauspieler Hailee Steinfeld, John Cena und Kalifornien im Jahr 1987.

Charmante 80er-Jahre-Reminszenzen

Charlie, gerade 18, kämpft an vielen Fronten mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Dass ein bisschen Abwechslung ausgerechnet in Form eines knallgelben, ausserirdischen Kampfroboters in ihr Leben tritt, kann sie nicht ahnen. Schnell aber freunden sich Charlie und Bumblebee an.

Getarnt als VW-Käfer hatte sich dieser auf einem Schrottplatz versteckt gehalten. Von seinem zerstörten Heimatplaneten Cybertron aus war der Transformer eigentlich mit der Mission auf die Erde geschickt worden, hier eine neue Basis für Kampfmaschinen zu etablieren. Bei seiner Landung aber geht einiges schief und Bumblebee verliert sein Gedächtnis. Rührend nimmt sich der desillusionierte Teenager des empfindsamen Metallhaufens an.

Mit viel Bedacht sind all die 80er-Jahre-Reminszenzen gewählt, die diesen Film mitprägen. Mehrmals spielt die TV-Serie «Alf» eine Rolle, einmal ist ein Foto Ronald Reagans zu sehen; vor allem über die Musik-Auswahl aber verneigt sich Regisseur Knight vor dem Jahrzehnt: Charlie ist grosser The-Smiths-Fan – zu hören aber sind auch Songs von A-ha, Tears for Fears, Rick Astley und anderen.

Mehr Romantik als Action

Hauptdarstellerin Hailee Steinfeld trägt mit ihrer zwischen Adoleszenz-Melancholie, Trauer und Aufbruchstimmung oszillierenden Darstellung zur Attraktivität des Films bei. Nebst der von ihr glaubhaft dargestellten Traurigkeit um ihren früh verstorbenen Dad, sind es die Momente, in denen sie und Bumblebee allein sind, die nachklingen. Und doch darf gelacht werden.

Immer wieder konzentriert sich der Film (Drehbuch: Christina Hodson) auf die Abnabelungsversuche Charlies. Dass ihr das schnuckelige und bescheidene Haus, das sie sich mit Bruder, Mutter und Ersatzvater teilt, nun, da sie 18 ist, endgültig zu eng geworden ist, ist spürbar. «Bumblebee» ist ein Coming-Of-Age-Drama im Gewand eines Action-Films.

Überraschung des Jahres

Der Streifen gehört zu den Überraschungen des sich dem Ende zuneigenden Filmjahrs. Er ist tiefsinniger, lustiger und emotionaler als man dies nach den bisherigen, vor allem auf Geschwindigkeit, Geräuschexzesse und Kampfszenen abonnierten «Transformers»-Filmen erwarten konnte. Er transportiert ein wunderbares kalifornisches Lebensgefühl – ein Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit. Mehrmals sieht man im Hintergrund von Charlies Haus die in sanftes Licht getauchte Golden Gate Bridge.

Auch die in so vielen Werken ähnlichen Zuschnitts unangenehme Überbetonung der Action-Sequenzen bleibt diesmal aus. Fast möchte man von einem Weihnachtsfilm sprechen. Um einen der romantischsten Action-Filme seit langer Zeit handelt es sich bei dem 113-Minüter in jedem Fall.

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