Basel

Steine werfen im rotblauen Glashaus

Der Weihnachtsbaum beim FCB brennt lichterloh. Angezündet haben ihn die Spieler – nicht die Club-Verantwortlichen.

Krise. Unruhe. Differenzen. Schlagwörter, die im Zusammenhang mit dem FCB in diesen Tagen herumposaunt werden. Es sind keine unberührten Worte. Nur ihre Intensität hat sich geändert.

Zerschnittene Tücher und heulende Spieler

Das Tuch zwischen Sportchef Marco Streller und Trainer Marcel Koller soll zerschnitten sein. Nach wenigen Monaten. Nach der Niederlage gegen YB sollen sich die Spieler bei Präsident Bernhard Burgener direkt über Koller beschwert haben. Eine Trennung vom FCB-Trainer stehe in Aussicht. Der Weihnachtsbaum brenne.

Ja, der FCB steckt in einer Krise. Natürlich sorgt das für Unruhe. Dementsprechend muss es Differenzen geben. Es wäre noch viel bedenklicher, wenn nicht. Trainer und Sportchef haben unterschiedliche Auffassungen. Das ist keine Offenbarung biblischen Ausmasses. Spieler, die ihren Emotionen und Meinungen direkt beim Präsidenten Luft verschaffen auch nicht.

Steine werfen im Glashaus

Was aber bedenklich ist: Es sind die Spieler, die die Leistung nicht bringen. Wie kleine Kinder aber rennen sie zum grossen Boss. Motzen über den bösen Trainer Marcel Koller. Vielleicht, weil er sie nicht aufstellt. Sie nicht dort spielen lässt, wo sie das gerne hätten. Oder weil er sie schlicht und einfach mehr fordert. Mehr als sein verheizter Vorgänger aus dem Wallis.

Anstatt sich selber in die Verantwortung zu nehmen. Sich jeden Tag zu fragen: Wie führe ich den FC Basel aus dieser Krise? Was muss ich selber besser machen? Bin ich bereit, alles für Rotblau zu geben? Bevor diese letzte Frage nicht mit Ja beantwortet ist, hat kein Spieler das Recht, bei FCB-Präsidenten Burgener heulend vorstellig zu werden. Wer selber im rotblauen Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen.

Von Spreu und Weizen

Dass der Druck beim FCB dazu gehört, steht in jedem Vertrag der zu Rotblau aufgesetzt wird. Beim Spieler. Beim Trainer. Beim Sportchef.  Wer diesem Druck nicht gewachsen ist, nicht damit umgehen kann – oder ihn falsch kanalisiert – kann dem FCB in der jetzigen Situation nicht helfen. Gut spielen, wenn alles von selber läuft, kann jeder. Zurückzukommen, wenn alles gegen einen läuft, dort trennt sich die Spreu vom Weizen.

Wieviel Spreu und Weizen gibt es bei Rotblau? Die Frage muss nicht heissen: Hat der FCB genügend gute Spieler? Sondern: hat der FC Basel die richtigen Spieler? Kein Strahlen mehr in der Champions League. Kein Scheinwerferlicht. Kein Applaus. Es geht um Charakter. Und darum, diesen endlich zu zeigen.

Das Nutzlose vom Verwertbaren trennen. Das ist nun die Aufgabe von Marcel Koller und Marco Streller. Wer von den beiden letztlich den Rotstift führt, ist Nebensache. Doch der Rotstift muss angesetzt werden. Ansonsten sollte jemand anderes gefunden werden, um ihn zu führen.

4 Kommentare

  1. Dem stimme ich zu. Die Fehler wurden in der Führung des Vereins, namentlich bei Hr. Burgener und Hr. Streller, gemacht. Wenn ein so grosser Umbruch in der Vereinsführung gemacht wird, dann tauscht man nicht gleichzeitig einen erfolgreichen Trainer und einige Spieler aus. Das konnte nicht gut gehen, das habe ich von Anfang an so gesehen.
    Der jetzige Trainer, Hr. Koller, ist ein ausgewiesener Fachmann. Seine Fähigkeiten reichen aus um den FC Basel wieder in die Erfolgsspur zu bringen, aber die Spieler haben nicht die Qualität, welche man braucht, um erfolgreichen Fussball zu spielen. Das ist der falschen Personal-/Transferpoloitik von Herrn Streller zuzuschreiben. Man kann sich nicht auf die Fahnen schreiben nur noch lokale Talente einzusetzen und gleichzeitig erfolgreichen Fussball spielen. Das hat vielleicht in den 80er und 90er für die Schweiz gereicht, aber heute gewinnt man so keine goldene Ananas.Report

  2. Der derzeitige FC Basel hat mit einem kontur- und wuchtlos, daher substanziell und kreativ desolat zusammengestellten Team oder (technisch ausgedrückt) Spielermaterial aufzulaufen. Da wird es für jeden Trainer schwierig, die Tabellenspitze anzugreifen geschweige denn: europäisch zu spielen. Der Scherbenhaufen ist nun da – er muss mit effektiveren Kräften aufgeräumt werden. Die Diskussion: Koller ja – oder nein, greift zu wenig tief. Professionellere Strukturen müssen her. Ein gewisser “Filz” ist abzutragen, etwas mehr Geld auszugeben. Sparpolitik und Konzept zu hinterfragen bzw. revidieren. Die Fans bleiben in schlechten Zeiten – doch bitte handelt endlich so, dass wieder etwas entstehen kann – eine wuchtige, willige Mannschaft – ein Trainer, der Freude hat – und Strukturen, die greifen.Report

  3. Als langjähriger Trainer bin ich nicht der gleichen Meinung: Es gibt Trainer, die können aus dem verfügbarem Spielermaterial ein Team mit Gewinnermentalität formen und Trainer, welche auf bestimmte (fügsame) Spieler angewiesen sind, welche genau in ein bestimmtes taktisches System passen. Wenn Spieler nicht passen, werden sie in diesem Falle hinzugekauft. Koller scheint klar ein Verfechter der zweiten Methode zu sein und das erscheint mir beim FCB genau der falsche Weg zu sein, da veraltet und somit in der Fussballwelt überholt. Es wird ein Trainer (v.a. mit Emotionen) benötigt, der aus bestehenden Spielern (inkl. FCB Jugend) das Maximum herausholt. Nicht die Spieler sind das Problem, sondern der Trainer resp. die Verpflichtung desselbigen mit den falschen Vorgaben der FCB Leitung!Report

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