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Der Report vom 5. Dezember 2018.

Basel

Report: Leutenegger-Oberholzer tritt ab

Insgesamt 23 Jahre vertrat Susanne Leutenegger-Oberholzer das Baselbiet im Nationalrat. Morgen ist Schluss.

Alleine der Name ist ein Zungenbrecher: Susanne Leutenegger-Oberholzer. Relativ schnell wurde klar: das muss kürzer gehen. Seither spricht man in den Medien und in Bern nur noch von SLO. Leutenegger selbst habe anscheinend gar ihre Aktenmappe mit den plakativen drei Buchstaben angeschrieben. Und so kommt es, dass am Donnerstag, 6. dezember 2018, eben nicht Susanne Leutenegger-Oberholzer zurücktritt, sondern SLO.

SLO an ihrem Arbeitsplatz in der Wandelhalle im Bundeshaus. Wenn sein muss, sitzt sie stundenlang an ihrem Platz und wälzt Akten. (Bild: Telebasel)

23 Jahre Nationalrat

Gestartet hat SLO ihre Polit-Karriere in Bern 1987, damals noch für die links-alternative POCH-Partei. Vier Jahre vertrat sie diese im Nationalrat, ehe sie 1999 ein zweites Mal gewählt wurde. Diesmal jedoch für die SP.

Seither habe sich viel verändert, sagt SLO: «Als ich begann, befanden wir uns im Kalten Krieg, das war ein völlig anderes politisches Umfeld». Bei den ganzen GSOA-Debatten, bei denen es um die Abschaffung der Schweizer Armee ging, seien so richtig die Fetzen geflogen, erinnert sich Susanne Leutenegger-Oberholzer. Da kam es dann schon mal vor, dass sie weinend den Nationalratssaal verliess. «Entgegen der landläufigen Meinung ist der Ton im Nationalrat also eher ruhiger geworden», findet SLO.

Susanne Leutenegger-Oberholzer an ihrem Platz im Nationalratssaal. Am Donnerstag wird sie hier zum letzten Mal sitzen. (Bild: Telebasel)

Hartnäckig, ruppig, fordernd

Keinen Deut ruhiger geworden jedoch ist SLO selbst. Im Gegenteil: Wer sich in Bern umhört, der bekommt es beinahe mit der Angst zu tun. Ruppig sei Leutenegger-Oberholzer, heisst es von den Nationalratskollegen und –kolleginnen. Wenn ihr etwas nicht passe, dann entlade sich schon mal der gesamte Zorn Gottes über einem.

Was sie anpackt, zieht sie durch, ohne Rücksicht auf Verluste. Echte Freundschaften gibt es deshalb auch nach 23 Jahren im Rat fast keine. «Das Parlament ist eben keine Wellness-Oase», sagt SLO darauf angesprochen. «Wer geliebt werden möchte, der hat als Politiker den falschen Job». Zudem gefalle es ihr eigentlich, dass sie als Frau nicht als «Schmusekatze» wahrgenommen werde.

Von wegen «verbissen»: SLO kann auch lustig! Im Sonntags-Talk bei Telebasel nannte sie die Heimatgemeinde von SVP-Glarner einmal Oberwil-Löli anstatt Lieli. (Bild: Telebasel)

Königin der Vorstösse

Ob Freund oder Feind, in einer Sache sind sich alle einig: Kaum eine andere Politikerin ist derart kompetent und dossiersicher wie SLO. Sie kenne jedes Detail einer Vorlage, hänge sich in Geschäfte rein, wie keine andere. Eine Auswertung von Smartvote hatte einst ergeben, dass keine Nationalrätin so viele Vorstösse einreiche wie Susanne Leutenegger-Oberholzer. Fast vier Mal so viele wie der Rats-Durchschnitt.

So konnte sich SLO in ihrer Zeit als Politikerin so manchen Erfolg auf die Fahne schreiben: Beispielsweise erkämpfte sie fast im Alleingang die – heute selbstverständliche – zweijährige Garantiefrist in Kaufverträgen. Auch an der Gründung der SWISS nach dem Swissair-Grounding hatte sie erheblichen Anteil. «Mir persönlich war auch der Erfolg in der Abzocker-Debatte wichtig», sagt sie rückblickend.

Morgen, Donnerstag, just am Niggi-Näggi-Tag, wird Susanne Leutenegger-Oberholzer im Rat offiziell verabschiedet. Der Report hat SLO in ihrer letzten Amtswoche in Bern begleitet und zeigt den Menschen hinter den drei Buchstaben.

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