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Der Telebasel News Beitrag vom 22. November 2018.

Basel

Ein Hoch auf das «Buschi» im Grossen Rat – eine Replik

Bitte locker bleiben, wenn's um Babys geht: Telebasel-Redaktor Michel Schultheiss widerspricht dem Kommentar von News-Redaktionsleiter Adrian Plachesi.

Ohrenbetäubendes Gekreische, krabbelnde Wonneproppen unter den Rednerpulten und ein strenger Duft nach gebrauchten Windeln. Ungefähr so prophezeit mein geschätzter Kollege Adrian Plachesi den Grossratsbetrieb ohne strikte Zugangsregeln herbei.

Geht’s nach diesen Unkenrufen, müssen die Grossräte bald nicht nur gegen Kindergeschrei, sondern auch gegen Hundegebell ankämpfen. Übrigens: Dieses Ausweichen auf Nebenschauplätze ist symptomatisch für die Diskussionen um die Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf oder politischen Ämtern. Wird das Thema angeschnitten, kommen sogleich der Schäferhund Goldhamster oder gar Goldfisch ins Spiel – ein tierischer Trick, um ein berechtigtes Anliegen ins Lächerliche zu ziehen.

Ich muss zugeben, dass ich als werdender Vater bei diesem Thema befangen bin. Trotzdem geht’s hier nüchtern betrachtet nicht um ein «Jekami» oder einen «Diskriminierungs-Hammer», sondern schlicht und einfach um Pflichten und Rechte. Diese haben die gewählten Grossrätinnnen wahrzunehmen. Während der Stillzeit von zuhause aus abzustimmen ist nun mal nicht möglich.

Alle wissen es besser als die Mütter selbst

Adrian Plachesi appelliert an die Eigenverantwortung und fragt sich, weshalb sich denn die Politikerinnen nicht einfach besser organisieren. Nun kennt wohl jedes Mami oder jeder Papi die Situation: die Grossmutter wurde gerade von der Grippewelle erwischt, der Babysitter ist kurzfristig abgesprungen. Organisatorische Pannen passieren allen Leuten, nicht nur den Mamis und Papis unter uns.

Der gewichtige Unterschied: ein Neugeborenes kann man nicht einfach irgendwo verstauen oder aus den Augen lassen. Wer nun im Zuge einer vagen Ferndiagnose behauptet, er hätte die Situation besser gemeistert als Lea Steinle oder gar über die junge Mutter herfallen muss, wie es momentan in den Kommentarspalten geschieht, lehnt sich daher ziemlich weit aus dem Fenster.

Grosser Rat wird nicht zur Krabbelgruppe

Wohlgemerkt lag Remo Gallacchi rein formell durchaus richtig. Im Reglement des Grossen Rates ist deutlich festgehalten, dass der eingeschränkte Zutritt bloss akkreditierten Journalisten sowie den Mitarbeitern des Parlamentsdienstes möglich ist. Die Vorstellung, für einen Säugling im Alter von zwei Monaten extra einen Badge zu beantragen, um nicht aus dem Saal zu fliegen, ist dann doch etwas abenteuerlich. Löblicherweise übte der Grossratspräsident Selbstkritik, als er einräumte, mit seiner rigiden Auslegung über das Ziel hinausgeschossen zu haben.

Braucht es also wirklich Regeln, um das vom Kollegen befürchtete Rambazamba im Saal zu verhindern? Nun, ich bin zuversichtlich, dass auch die Parlamentarier hier genug Augenmass zeigen. Ich befürchte daher nicht, dass der Grossratssaal zu einer Krabbelgruppe oder gar zu einer Hundepension verkommen wird.

Verkrampfte Debatte um ein Baby

Gleichzeitig wird es im Parlamentsbetrieb klar, dass wir uns im Jahr 2018 befinden. Die Zeiten der Politik als reine Männerangelegenheit sind längst vorbei und der Grosse Rat ist kein vom Rest der Gesellschaft abgekoppeltes Gebilde. Umso seltsamer mutet es an, dass tatsächlich noch so verkrampft darüber diskutiert wird, wenn unter bestimmten Umständen das eine oder andere Baby im Parlament anzutreffen ist.

Auch die besten Betreuungsangebote – sofern sie dann auch einmal gewährleistet sind – haben schliesslich das eine oder andere Leck. Im Bundeshaus ist es mit Irène Kälin und ihrem Säugling bereits Tatsache, im australischen Parlament stillt eine Abgeordnete ihren Sprössling.

Solange das alles den Ratsbetrieb nicht stört: So what? Vielleicht ist ein bisschen mehr Gelassenheit und weniger Kleinkariertheit gefordert. Das Baby von Lea Steinle hat diese Lockerheit schon mal vordemonstriert: Es schlummerte während der Debatte seelenruhig vor sich hin.

1 Kommentar

  1. Wir diskutieren sowieso über alles wieso nicht auch über stillende mütter ja in der heutigen zeit gibts viel zu bereten jemanden passt die nase nicht und so darf mann es nicht aussprechen sontst bring ich es in der zeitung und dann läuft alles wie von sebstReport

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