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Der Telebasel News Beitrag vom 21. November 2018.

Basel

Schlafendes Kind im Tragi: Grossrätin fliegt aus Grossratssaal

Grossrätin Lea Steinle wurde in der heutigen Sitzung von Ratspräsident Remo Gallacchi aus dem Saal verwiesen, weil sie ihr schlafendes Kind bei sich trug.

Ratspräsident Remo Gallacchi (CVP) liess die Grünen-Grossrätin Lea Steinle nach einer kurzen emotionalen Debatte aber wieder in den Grossratssaal hinein.

Die 31-jährige Steinle hatte ihren Nachwuchs im Tragtuch vor der Brust bei sich, als sie vom Vorzimmer in den Grossratssaal trat, um an einer Abstimmung teilzunehmen. Der Grossratspräsident erspähte das stille Duo und liess die Mutter mitsamt dem minderjährigen nicht gewählten Eindringling aus dem Saal weisen.

Teils Heiterkeit, teils Empörung

Eine SP-Grossrätin empörte sich und trat mit einem Ordnungsantrag ans Mikrophon, die gewählte Ratskollegin wieder in den Saal zu lassen. Überrascht von der Empörung rechtfertigte sich der höchste Basler, er habe so entschieden, weil das Parlament ja im Saal unter sich sei. Dies löste teils Heiterkeit, teils noch mehr Empörung aus. Die Debatten werden live im Internet mit Bewegtbild übertragen.

In der Folge entflammte eine Kontroverse. Die LDP wollte zur Sachfrage zurückkehren und fragte, ob die Mutter nicht draussen stillen könnte. Die SVP stellte einen Ordnungsantrag auf Sitzungsunterbruch, um die Rechtslage zu klären – die Partei wolle die Kollegin ja nicht vom Abstimmen abhalten.

Grossrätin Lea Steinle über die ungewohnte Szene im Grossen Rat. (Video: Telebasel)

Es kam zur Rudelbildung

Mit dem Versuch, über den zweiten Ordnungsantrag abstimmen zu lassen – nicht den ersten – trug der Ratspräsident nicht zur Beruhigung bei. Die folgenden Diskussionen mit Rudelbildung beim Präsidiumspodest führten indes zum faktischen Vollzug des zweiten Antrags.

Da die Bemühungen, in der Geschäftsordnung einschlägige Regelungen über als Volksvertreterinnen gewählte Mütter mit Säuglingen zutage zu fördern, nicht so rasch erfolgreich waren, gab der Ratspräsident schliesslich nach. Die Grüne durfte wieder in den Saal und mit abstimmen. Ihr zweieinhalb Monate alter Sohn schlief da immer noch.

Ratspräsident Remo Gallacchi erklärt seinen anfänglichen Entscheid. (Video: Telebasel)

Drei Stunden später war die Aufregung verraucht, und der Ratspräsident streute via Twitter Asche über sein Haupt: «Der Entscheid war ungeschickt. Bis zur nächsten Grossratssitzung wird das Ratsbüro eine pragmatische Lösung erarbeiten.»

4 Kommentare

  1. Kaum zu glauben eine liebevolle Mami so zu behandlen unterste Schublade ein schlaffendes Kind noch dazu bin sprachlos als Alleinerziehende Mami von 3 Kids weis ich genau wie weh so was tut. Bete zu Gott das diese liebevolle Mami eine Öffensichtliche Entschuldigung bekommt und das in der schönen respektvollen Schweiz eine Schande. Möge Gott mit ihnen sein.A.Z.Report

  2. Ich nehme jetzt auch mein schlafendes Kind mit auf die Arbeit ( Migros an der Kasse ).
    Habe auch noch einen Hund und 2 Katzen ohne Hüttehilfe, die kommen auch mit. Freue mich wenn ich überall im Berufsleben auf Mütter mit ihren Goffen stosse ,die keine Prioritäten setzen können und den Batzen mit dem Weggli wollen.Report

  3. Es gibt eine Geschäftsodrnung im Grossen Rat. Der Präsident hat diese einzuhalten, onst öffnet er der Willkür Tür und Tor. In dieser Geschäftsordnung steht, dass an Sitzungstagen die Mitglieder des Grossen Rates, die Regierungsräte, der Mitarbeiter des Parlamentsdienstes und die akkreditierten Medien Zutritt zum Saal haben. Von einem Kleinkind steht nichts. Darum hat Remo Gallacchi richtig entschieden!Report

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