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Basel

Report: Das Schneider-Schneiter-Drama

Das Baselbiet bleibt ohne Bundesratssitz – auch nach über 120 Jahren des Wartens. Was bleibt, ist eine mutige Nationalrätin, die scheiterte, um zu gewinnen.

Etwas rot, etwas gelb und dazwischen viel Grünes. Es war ein Blumenstrauss, den man wohl nicht gerade als «Pracht» bezeichnen würde, in den Händen der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli. Immerhin: Als einzige Kantonalpräsidentin der vier Kandidaten hat sie eigens wegen der Nomination «ihrer» Nationalrätin den Weg nach Bern in Angriff genommen.

Dem etwas faden Strauss nach geurteilt, hat aber auch Müller-Kaderli nicht bedingungslos an eine Nomination von Elisabeth Schneider-Schneiter geglaubt, auch wenn sie das im Interview mit Telebasel natürlich andersrum beteuert. Dass sie den Strauss, so berichtet es ein Kollege aus den Lokalmedien, am Ende gar wieder selbst mit nach Hause nahm, steht beinahe stellvertretend für die etwas verunglückte Bundesratskampagne von Schneider-Schneiter.

Noch-Kantonalpräsidentin der CVP Baselland Brigitte Müller-Kaderli (r.) im Gespräch mit BZ-Redaktor Bojan Stula (l.) – samt Blumenstrauss. (Bild: Telebasel)

Lieber spät als gar nicht

Vor allen Dingen kam Schneider-Schneiters Kandidatur überraschend spät. Nur gerade einen Monat hatte die Baselbieterin Zeit, ihre Kollegen und Kolleginnen von der CVP-Fraktion zu überzeugen. Zu wenig, weiss mittlerweile auch Schneider-Schneiter selbst: «Im Nachhinein würde ich natürlich viel früher mit dem Wahlkampf beginnen. Ich dachte, man kennt mich in Bern sowieso schon. Dem war jedoch nicht so», analysierte sie bereits am Folgetag selbstkritisch. Es soll nicht ihr einziger Fehler bleiben.

Auch was die Hearings betrifft hat Schneider-Schneiter Mängel ausgemacht: «Wahrscheinlich habe ich mich zu sehr auf die Aussenpolitik konzentriert», sagt sie. «Aber ich bin halt eben in erster Linie Aussenpolitikerin. Da sind meine Stärken. Aber Aussenpolitik ist halt nicht so sexy wie Innenpolitik».

Elisabeth Schneider-Schneiter nur wenige Minuten vor der entscheidenden Nominations-Sitzung der CVP-Fraktion im Bundeshaus. (Bild: Telebasel)

Riesige Euphorie im Baselbiet

Am Ende gab es eine deutliche Niederlage. Der «Tages-Anzeiger» will gar wissen, dass es für Schneider-Schneiter bei der entscheidenden Abstimmung nur gerade sechs von möglichen 36 Stimmen gab. Und das, obwohl doch eigentlich alles so gut angefangen hatte. Schneider-Schneider wurde am Parteitag der CVP Baselland mit stehenden Ovationen und minutenlangem Klatschen für ihren Mut beglückwünscht. Die ganze Region sprach plötzlich über eine mögliche Bundesrätin aus den eigenen Reihen.

Erst dank Schneider-Schneiters Engagement wurde so manchem Basler und mancher Baselbieterin klar, dass unsere Region seit 45 Jahren nicht mehr in der Landesregierung vertreten war. Das Baselbiet wurde mit Otto Stich vor über 120 Jahren gar erst ein einziges Mal in den Bundesrat gewählt. Daraus wurde an manchem Stammtisch dann gar ein «Anrecht» auf einen Bundesratssitz gesponnen. Immerhin sprechen wir von der zweitstärksten Wirtschaftsregion der Schweiz. Wenn nicht die Region Basel, wer dann?

Blumen und stehende Ovationen für Elisabeth Schneider-Schneiter und ihre gerade bekannt gegebene Bundesratskandidatur. (Bild: Telebasel)

Bern, Hochburg der politischen Spielchen

Von den nationalen Medien wurde Schneider-Schneiter jedoch von Anfang an als Aussenseiterin ohne Chancen abgestempelt. Wohl erhielten die entsprechenden Bundeshauskorrespondenten entsprechende Signale auch aus der Berner CVP-Fraktion. Schneider-Schneiter sei «profillos» und «ohne Format», hiess es. Rein objektiv betrachtet ist das nicht ganz nachvollziehbar, zumal Schneider-Schneiter mit ihrem Amt als Präsidentin der Handelskammer beider Basel, als Präsidentin der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats (APK) und als Vorstandsmitglied des Wirtschaftverbands Economiesuisse sehr wohl ein deutliches Profil aufweist. Sie politisiert wirtschaftsfreundlich und weiss um die Wichtigkeit der aussenpolitischen Beziehungen zum Erhalt der innenpolitischen Freiheit.

Der Schluss liegt also nahe, dass es in Bern eben gar nicht einmal so sehr um Qualifikationen geht, sondern viel öfters als gedacht auch um Hinterzimmer-Deals, Seilschaften und Regionen-Politik. Ob eine Kandidatin für den Bundesrat aus einer Partei-Hochburg wie der Innerschweiz (Z‘Graggen) oder dem Wallis kommt (Amherd), oder eben aus einer eher reformierten, wert-progressiven Region wie Basel, scheint am Ende eben mindestens so viel Wert zu haben, wie die Qualifikationen der einzelnen Kandidaten und Kandidatinnen.

Eine nachdenkliche Elisabeth Schneider auf dem Nachhauseweg. (Bild: Telebasel)

Gescheitert, um zu gewinnen

Für Schneider-Schneiter und die ganze Region Basel ist die Deutlichkeit der Niederlage ernüchternd. Der Baselbieterin deshalb jedoch ein Versagen vorzuwerfen, ist unfair. Im Gegenteil: Mit Schneider-Schneiter hat seit langem wieder einmal eine regionale Politikerin echten Mut bewiesen. Ihre Kandidatur kann als Weckruf für die Region Basel gedeutet werden. «Wacht auf, steht ein für unsere Region», ruft Schneider-Schneiter ihren Kollegen und Kolleginnen aus der Politik mit ihrem beherzten Engagement  zu. Sollte die Region Basel in Bern jemals wieder ernsthaften Einfluss ausüben wollen, sollte sie gar ernsthafte Ambitionen auf einen Bundesratssitz haben, dann braucht es mehrere Schneider-Schneiters.

Der Report hat Elisabeth Schneider-Schneiter vor, während und nach der wegweisenden Nominations-Sitzung in Bern begleitet. Die Reportage sehen Sie im Report vom 21. November 2018, 19:40 Uhr und stündlich in der Wiederholung auf Telebasel sowie rund um die Uhr auf telebasel.ch

3 Kommentare

  1. Guter Beitrag. Aber was für peinliche Fehler haben sich da reingeschlichen. Johann Schneider Ammann tritt zurück (nicht Didier Burkhalter) und Peter Hegglin ist aus Zug (nicht Uri).Report

    1. Lieber Rüdi,
      Danke fürs Feedback. Du hast natürlich völlig Recht – wir sind gerade dran, die Fehler zu korrigieren. Danke für die Hinweise.Report

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