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Vor 38 Jahren erschien sein erster Roman. In seinem neusten Buch begibt Claude Cueni sich auf die Spur des «Tim & Struppi»-Erfinders Hergé (Bild: zVg/Mirko Ries).

Basel

Dürfen wir noch «Tim & Struppi» lesen, Claude Cueni?

In seinem neusten Roman «Warten auf Hergé» demontiert Claude Cueni den beliebten Tim & Struppi-Comic. Sehen Sie den Talk vom 13. November in Wiederholung.

Claude Cueni ist Vielarbeiter. Gnadenlos. Jahr für Jahr verlässt ein Roman von mehreren hundert Seiten seine Schreibwerkstatt. Mindestens. Auch wenn er jahrelang an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung litt.

Beharrlich ackert Claude Cueni sich durch historische Quellen. Für seinen soeben erschienenen Roman «Warten auf Hergé» will er alle Biografien des Zeichners, Interviews und verfügbaren Dokumente gelesen haben.

Literaturkritiker greifen bei ihren Besprechungen zu ihrer Feiertagssprache, attestieren dem Basler eine für Schweizer Autoren seltene Qualität: Dass er grossartig unterhält. Dass Claude Cueni schwere Inhalte in leichte Geschichten verpackt. Über den historischen Roman «Giganten» – eine erotische Dreiecksgeschichte um den Eiffelturm-Ingenieur Gustave Eiffel – schrieb die NZZ im Juli 2015: «Wie immer beim Basler Schriftsteller Claude Cueni ist der Plot vom Feinsten. (…) Ein Roman, der in verschiedenen Strängen die Megalomanie des 19. Jahrhunderts auf den Punkt bringt, ein Text, der in seinem Duktus die Atemlosigkeit, die enorme Beschleunigung dieser Zeit simuliert».

Kapitän Haddock ist impotent

Bei seinem jüngsten Buch «Warten auf Hergé» müssen «Tim & Struppi»-Fans stark sein. Die Helden werden alt, Tim säuft, Käpt’n Haddock – hunderttausend Höllenhunde! – leidet unter Impotenz. Eine so leichtfüssig wie frech verfasste Parodie.

Mit Hilfe von 150 Quellenverweisen enthüllt Cueni detailversessen und sprachmächtig den Verfasser und Zeichner Hergé als Egomanen, und schlimmer: als Faschisten und Antisemiten. Im Blick schrieb Claude Cueni: «1983 stirbt Hergé an Leukämie. In einem der letzten grossen Interviews vor seinem Tod sagt er: ‹Wenn ich eine Tochter hätte, würde ich ohne Zweifel zögern, ihre Heirat mit einem Ausländer gutzuheissen, und zwar, um ihr zukünftige Probleme zu ersparen. Wenn ich so darüber nachdenke: vielleicht bin ich immer noch ein Rassist›».

Medientext zu «Warten auf Hergé»: «Comic-Figuren altern nie. Doch eines Morgens stellen Tintin-Lutin und Kapitän Schellfisch erschreckt fest, dass sie älter werden. Sie machen sich auf die Suche nach ihrem Schöpfer und entdecken hinter dem Mythos Hergé einen Womanizer und Strassen-Rowdy, der Werbeplakate von Faschisten, illustrierte, antisemtische Cartoons für die Nazis zeichnete und nach dem Krieg wegen Kollaboration mit einem Berufsverbot und dem Verlust der Bürgerrechte belegt wurde».

Biographien, Psychothriller, Drehbücher

Medientext: «Claude Cueni, geb. 1956 in Basel, schrieb Romane, Psychothriller, Theaterstücke, Hörspiele und über 50 Drehbücher für Film und Fernsehen (Tatort, Eurocops etc.). Sein historischer Roman über den Papiergeld-Erfinder John Law (‹Das Grosse Spiel›) war auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Mit seinen Romanbiographien über Charles Henri Sanson (‹Der Henker von Paris›), Gustave Eiffel (‹Giganten›), die Entdeckung der Philippinen (‹Pacific Avenue›) und die Dramatisierung des Gallischen Krieges (‹Cäsars Druide›) hat er eine treue Leserschaft gefunden. Für seinen autobiographischen Bestseller ‹Script Avenue› wurde er 2014 von den Zuschauern des Schweizer Fernsehen mit dem Golden Glory für die emotionalste Geschichte des Jahres ausgezeichnet. 2016 sendete das Schweizer Fernsehens (SRF) eine Doku über den Autor: ‹Selbstmitleid ist Zeitverschwendung›. 2019 werden seine Romane ‹Das Grosse Spiel› und ‹Der Mann, der Glück brachte› verfilmt».

Sehen Sie den Talk mit Claude Cueni (Wiederholung vom 13. November) ab 18.40 Uhr.

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