Guy Lachappelle soll zum Verwaltungsratspräsidenten der Raiffeisen gewählt werden. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Schweiz

Raiffeisen-Delegierte wählen neuen Präsidenten

Die Genossenschaftsbank Raiffeisen will aus dem Schatten von Pierin Vincenz treten und am Samstag einen neuen Präsidenten wählen.
Wichtigstes Traktandum am Samstag wird die Wahl von Guy Lachappelle zum neuen Verwaltungsratspräsidenten sein. Gleichzeitig ist auch der aktuelle CEO Patrik Gisel trotz seinem für Ende 2018 angekündigten Rücktritt ins Schussfeld geraten.

An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung in Brugg-Windisch, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein wird, rechnen die meisten Beobachter mit einer Wahl von Guy Lachappelle an die Spitze des Verwaltungsratspräsidiums. Dies obwohl auch seine Nomination zu einigen Kontroversen geführt hatte.

Dem früheren CEO der Basler Kantonalbank wird vor allem seine Rolle in der Affäre um die betrügerische Vermögensverwalterin ASE vorgehalten, bei der ASE-Kunden mit Konten bei der BKB Millionenverluste erlitten hatten. Allerdings hatte die Finanzmarktaufsicht Finma die Kandidatur Guy Lachappelles wie auch der weiteren VR-Kandidaten abgesegnet. Zum medialen Thema wurde auch die Höhe seiner künftigen Entschädigung.

CEO wieder unter Beschuss

Derweil wird in den Medien über einen vorzeitigen Rücktritt des derzeitigen Raiffeisen-CEO Patrik Gisel spekuliert, der sein Amt per Ende 2018 abgeben will. Der Grund für die neue Kontroverse um die Person Gisel soll laut Tagesanzeiger eine Beziehung zu einer inzwischen zurückgetretenen Raiffeisen-Verwaltungsrätin sein, von der die Bank erst vor kurzem erfahren habe. Bei Raiffeisen wollte eine Sprecherin zu den entsprechenden «Spekulationen» keinen Kommentar abgeben.

In jedem Fall wird die Ernennung eines neuen CEO oben auf der Liste des neuen Verwaltungsratspräsidenten stehen. Allerdings dürfte der Verwaltungsrat mit dem Suchprozess bereits begonnen haben, wie auch Vizepräsident Gantenbein im September bestätigt hatte.

In den Medien sind auch bereits diverse Namen als mögliche Nachfolger von Patrik Gisel genannt worden – dies reicht von Dagmar Kamber-Borens von der CS und Postfinance-Chef Hanspeter Köng bis zu diversen Kantonalbanken-Chefs.

Vergütungsmodell

Mit der Wahl der weiteren Verwaltungsratsmitglieder Karin Valenzano Rossi, Andrej Golob, Thomas Müller und Beat Schwab sollen die Delegierten ausserdem die Erneuerung des Verwaltungsrats abschliessen.

Die bisherigen Verwaltungsräte Philippe Moeschinger, Daniel Lüscher und Urs Schneider und damit die letzten Vertreter der «Vincenz-Ära» werden aus dem Gremium ausscheiden. In der Folge wird das Gremium neun Personen umfassen.

Bedeckt gibt sich Raiffeisen derweil zur Frage, ob es nun zur Abstimmung über die Décharge-Erteilung für die Raiffeisen-Führung kommt. Man könne «keine Auskunft zu den an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung traktandierten Geschäften», heisst es auf Anfrage. Die Abstimmung war im Juni an der DV in Lugano verschoben worden – sie könnte auch erst im kommenden Jahr angesetzt werden.

Bestätigt wird immerhin, dass den Delegierten ein neues Vergütungsmodell «zur Kenntnis gebracht» werde. Die Entschädigung des Verwaltungsrats liege in dessen eigener Kompetenz. Eine Lohnerhöhung für die Raiffeisen-Verwaltungsräte hatte an der Delegiertenversammlung in Lugano noch für viel Diskussionen gesorgt: Die Delegierten wollten künftig eine Entlöhnung in «vernünftigem Rahmen», hiess es.

Gehrig-Bericht

Ein Thema dürften auch die künftigen Strukturen der Raiffeisen-Bankengruppe bilden. So hatte die Finanzmarktaufsicht FINMA Raiffeisen auch verpflichtet, ihre Gesellschaftsform zu überprüfen und dabei auch die Umwandlung der Dachgesellschaft Raiffeisen Schweiz in eine AG zu prüfen, was bei vielen Raiffeisen-Genossenschaftern schlecht angekommen war.

Einen weiteren Zwischenbericht wird es aus der internen Untersuchung der Vincenz-Ära unter Leitung des Wirtschaftsprofessors Bruno Gehrig geben. Dieser werde den Delegierten «die wichtigsten Befunde präsentieren und anschliessend den Bericht bis Ende Jahr fertigstellen», heisst es bei Raiffeisen.

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