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Der Telebasel Report vom 7. November 2018.

Basel

Report: Motorsäge statt Coiffeur-Schere

Frauen, die Bäume fällen und Männer, die Blumen binden, das sieht man selten. Es gibt sie jedoch, die Exoten. Der Report hat drei von ihnen ausfindig gemacht.

Was soll das schon heissen, «Frauenjob»? Dürfen diese Berufe nur Frauen ausüben? Nein, solche Berufe gibt es wohl kaum mehr. Nur: Alleine weil in der Theorie sowohl Männer wie auch Frauen aus sämtlichen Berufen auswählen können, heisst das noch nicht, dass sie es tatsächlich auch tun. Die Statistik zeigt nämlich: In der Schweiz gibt es noch immer Berufe, die beinahe ausschliesslich von Männern oder Frauen gewählt werden.

«Frauenberufe»: Statistik aller 2017 bestehenden Lehrverträge mit EFZ. (Quelle: Bundesamt für Statistik)
«Männerberufe: Statistik aller 2017 bestehenden Lehrverträge mit EFZ. (Quelle: Bundesamt für StatistiK)

Kosmetiker? Fehlanzeige

Betrachtet man die im Jahr 2017 bestehenden Lehrverträge (Bundesamt für Statistik), so fällt auf, dass sich unter den insgesamt 310 Kosmetiker/innen-Lehrverträgen kein einziger Mann befindet. Ebenfalls beinahe komplett frauendominiert ist der Floristinnen-Beruf. Auf 679 weibliche Lehrtöchter kommen sieben männliche.

Auffallend hoch ist zudem der Frauenanteil bei den Praxisassistenz-Berufen. Sowohl bei den Dentalassistentinnen wie auch bei den medizinischen Praxisassistentinnen (MPA) liegt der Männeranteil bei gerade einmal 1,2 Prozent. In Tierpraxen liegt dieser Anteil zumindest bei 6 Prozent.

Florist Frank Wössner betreibt seit sechs Jahren die Luluderia am Wettsteinplatz. (Bild: Telebasel)

Maurerin? Fehlanzeige

Die Kosmetikerin unter den Männerberufen hingegen ist die Maurerin. Von den 2017 bestehenden 2’467 Maurer-Lehrverträgen, waren gerade mal 23 von Frauen unterzeichnet. Das entspricht 0,9 Prozent. Ebenfalls kaum von Frauen gewählt, werden die Berufe Dachdecker (1,3 Prozent), Sanitärinstallateur (1,8 Prozent) und Forstwart (2,1 Prozent).

Nationaler Zukunftstag will Gegensteuer geben

Die Problematik wurde auch von den Gleichstellungsbüros der Kantone erkannt. Der diesjährige nationale Zukunftstag für Schülerinnen und Schüler am 8. November 2018, legt deshalb den Fokus auf geschlechts-atypische Berufe. Schülerinnen und Schüler werden motiviert, doch auch einmal in einen für sie eher untypischen Beruf reinzuschnuppern: «Kinder sollen einen Beruf nach ihren Interessen und Fähigkeiten wählen, nicht nach ihrem Geschlecht», sagt etwa Leila Straumann, Leiterin der Abteilung Gleichstellung in Basel.

Noch immer hätten veraltete Rollenvorstellungen einen grossen Einfluss auf die Berufswelt: «Die Art, wie wir erfolgreiche Männer in der Werbung darstellen, wie sie in den Medien dargestellt werden, welche Bilder von den Eltern vermittelt werden – das hat alles Einfluss auf die Berufswahl», sagt Straumann.

Auch Frauen können sägen: Forstwartin Sharon zerlegt einen ganzen Baum. (Bild: Telebasel)

Verkehrte Welt im Report

Dass es durchaus auch umgekehrt geht, zeigt der aktuelle Report. Anstatt Frauen in Nagel-Studios oder Arzt-Praxen hat Telebasel Sharon aus Muttenz beim Holz hacken und Bäume fällen besucht. Als Forstwartin ist sie eine von nur drei Frauen unter den ca. 150 männlichen Kollegen in den beiden Basel. Oder Frank Wössner: Er betreibt seit sechs Jahren die Luluderia am Wettsteinplatz – eine Blumenbinderei. Als Florist ist er wie Sharon ein Exot in seiner Branche.

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