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Der Telebasel Report vom 24. Oktober 2018.

Basel

Teil 2 der grossen Ozeaniums-Reportage

Wir konfrontieren den Zoo Basel mit den wichtigsten Tierschutzfragen und zeigen, wie sich die Gegner für das Referendum formieren.

Der Porto Antico in Genua. Wer heute über den ehemaligen Industriehafen an der Küste Genuas schlendert, bekommt von der harzigen Vergangenheit nicht mehr viel mit. Wo vor nicht mal so langer Zeit noch rostige Frachter beladen wurden, reiht sich heute eine Luxus-Yacht an die andere. Meterhohe Palmen verbreiten Urlaubsstimmung, Bars und Restaurants laden zum Flanieren ein. Dem bereits stillgelegten und von der malerischen Altstadt abgetrennten Hafen wurde neues Leben eingehaucht – Kolumbus sei Dank.

Das Acquario di Genova im alten Hafengebiet Porto Antico. (Bild: Telebasel)

Von der Industrie zum Tourismus

1992 nämlich, 500 Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch den in Genua geborenen Christoph Kolumbus, fand in Genua zu dessen Ehren eine EXPO statt. Anlässlich dieser Ausstellung wurde das ganze Hafengebiet um den Porto Antico umgestaltet. Federführend war dabei der ebenfalls in Genua geborene Stararchitekt Renzo Piano (u.A. auch Architekt des Beyeler Museums).

Hauptattraktion des neuen Hafengebietes sollte eine Sensation werden: das erste und grösste Ozeanium Europas, das «Acquario di Genova». Der Porto Antico sollte dank dem Acquario die gesamte Ausrichtung der Stadt Genua verändern: von der einstigen Hafenstadt zum Touristenmagnet.

1,1 Millionen Menschen besuchen das Aquarium pro Jahr. (Bild: Telebasel)

Tourismus-Boom dank Aquarium

26 Jahre später sei dieses Ziel erreicht, sagt Giorgio Mosci, Präsident des Porto Antico in Genua: «Genua lebt heute vom Tourismus, das haben wir hauptsächlich dem Acquario zu verdanken». Er glaubt, dass die grosse Mehrheit der Touristen ausschliesslich wegen dem Aquarium nach Genua komme: «Natürlich mit angenehmen Nebeneffekten für die Restaurants, Bars und Hotels der Stadt», sagt Mosci.

Moscis Vermutungen sind gar dokumentiert: 2008 hat eine Studie des Cerist (Forschungszentrum für Tourismus-Innovation und Entwicklung) herausgefunden, dass die Stadt Genua durch Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Aquarium rund 141 Millionen Euro generiert. Touristen, die nach einem Besuch im Aquarium in Genua übernachten würden, gäben im Schnitt 279 Euro pro Tag aus. Immerhin sprechen wir von 1,1 Millionen Besuchern pro Jahr, die das Acquario di Genova besuchen.

Im Gegensatz zum Ozeanium Basel gibt es in Genua auch Delfine zu sehen. Zehn Tümmler verzaubern das Publikum. (Bild: Telebasel)

Vergleiche zu Basel spannend

Mit seinen durchschnittlich 1,1 Millionen Besuchern jährlich ist das Aquarium Genua einiges grösser als das Ozeanium Basel mit seinen geplanten 500‘000 Besucher. Auch die dank ständigem Ausbau mittlerweile auf 70 angewachsene Anzahl Becken übersteigt jene aus Basel mit 40 geplanten Becken deutlich. Gerade deshalb halten einige Politiker in Basel das Projekt für wirtschaftlich nicht nachhaltig genug. Nicola Costa, Geschäftsleitungsmitglied des Aquariums in Genua, sieht das jedoch anders: «Man darf nicht nur die Einwohner der Stadt selber anschauen, sie müssen eineinhalb bis zwei Autostunden drum herum dazurechnen», sagt er.

Einzugsgebiet von rund 20 Millionen Menschen

So gerechnet kommt man laut Roland Stark, Ex-Grossratspräsident und Mitglied des Patronatskomitees für das Ozeanium Basel, auf ein Einzugsgebiet von rund 20 Millionen Menschen. Erst recht ins Schwärmen kommt Nicola Costa als er hört, dass das Ozeanium ausschliesslich durch Spenden finanziert werden soll: «Das heisst keine Amortisationskosten?», fragt er beinahe ungläubig. «Ja dann», sagt er überzeugt, «dann sollten 400‘000 bis 500‘000 Besucher problemlos reichen, um Personal- und Energiekosten zu decken». Schliesslich seien die Amortisationskosten bei fast allen Aquarien der Welt der grösste Brocken.

Die Haltung von Haien, Delfinen und Walen in Aquarien wird von Tierschutzorganisationen immer wieder stark kritisiert. (Bild: Telebasel)

Kritik an Aquarien nicht neu

Dass Aquarien in der heutigen Zeit kritisch betrachtet würden, versteht Nicola Costa gut. Was den Tierschutz anbelange, gebe es immer wieder Opposition. Dies, obwohl man in Italien sehr strenge Tierschutzgesetze kenne: «Wir tun alles, wirklich alles, um sämtliche Richtlinien einzuhalten und den Tieren das bestmögliche Umfeld zu bieten.»

Zum Glück etwas weniger im Fokus stünden in Italien zugegebenermassen die Energiefragen. Wasserverbrauch, Stromverbrauch – da habe sich noch selten jemand beschwert. Und trotzdem: Costa kennt die Problematik der künstlichen Aufbereitung von Meerwasser, wie sie in Basel ebenfalls notwendig würde. «Das ist tatsächlich nicht einfach und relativ teuer. Deshalb haben wir vor wenigen Jahren eine Pipeline ins Meer gelegt, von wo aus wir sauberes Meerwasser direkt in die Tanks pumpen können».

«Meerwasser ist nicht unbedingt zwingend»

Das ständige Filtern, salzen und austauschen des Wassers entfalle so. Natürlich ist sowas in Basel nicht möglich, was dem Projekt ebenfalls schon Kritik eingebracht hat. Costa erinnert jedoch: «Meerwasser ist nicht unbedingt zwingend: Es gibt auch reine Süsswasser-Aquarien».

Auch in Sachen Energie sei man auf innovative Lösungen angewiesen. Erst kürzlich habe man Millionen in einen speziellen Generator investiert, mit welchem das Aquarium nun selber Strom produziert: «Wir rechnen damit, dass wir so jedes Jahr eine Million Euro an Elektrizitätskosten einsparen können».

Das Delfin-Becken aus dem Jahr 2013 ist beinahe 100 Meter breit. (Bild: Telebasel)

Basel keine Konkurrenz

Dass ein neues Ozeanium in Basel dem Aquarium in Genua Kunden abgraben könne, davon hat Nicola Costa keine Angst. «Wir sind 500 Kilometer entfernt, das ist nicht mehr unser Einzugsgebiet», lacht Costa. Weiter sei er sehr gespannt auf das Projekt und wünscht dem Ozeanium alles Gute.

Teil 1 der der grossen Ozeaniums-Reportage:

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