Akanji ist der grosse Aufsteiger des letzten Jahres im Schweizer Fussball. (Bild: Keystone)

Schweiz

«Ich weiss, was ich kann»

Im Interview spricht Manuel Akanji über seinen Klub-Trainer Lucien Favre, seine Rolle im Verein und in der Nationalmannschaft und seinen Traum als Fussballer.

Akanji ist der grosse Aufsteiger des letzten Jahres im Schweizer Fussball. Der 23-Jährige Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers aus Winterthur erkämpfte sich sowohl bei Borussia Dortmund als auch in der Schweizer Nationalmannschaft einen Stammplatz.

Manuel Akanji, in der Champions League hat Borussia Dortmund beide Spiele gewonnen, in der Bundesliga liegt der BVB nach den spektakulären Siegen in Leverkusen und gegen Augsburg an der Tabellenspitze. Es scheint ziemlich was los zu sein in Dortmund.

Dass man viele Spiele hat, ist normal. Wie diese gelaufen sind, ist sicherlich nicht ganz normal. Es wäre gut, wenn wir die Spiele bereits etwas früher entscheiden könnten als zuletzt in der Bundesliga. Aber die Siege machen natürlich Freude.

Was ist der Anteil des Trainers am Erfolg?

Sein Anteil ist sehr gross. Wir haben uns in der Defensive und in der Offensive gegenüber der Rückrunde noch verbessert. Wir haben viele Spieler, jeder will zeigen, was er kann, auch diejenigen, die von der Bank kommen und vielleicht zuerst jeweils enttäuscht sind. Der Zusammenhalt ist sehr gut.

Wie würden Sie den Fussball unter Lucien Favre beschreiben?

Während es in der letzten Saison mehr über den Kampf ging, spielen wir nun wieder vermehrt gepflegten Fussball mit viel Ballbesitz. Wir versuchen das Spiel von hinten heraus aufzubauen und vorne immer den noch besser positionierten Mitspieler zu finden. Manchmal ein- bis zweimal zu oft vielleicht, weil wir die Vorgaben des Trainers möglichst gut umsetzen wollen. Aber das sind normale Prozesse.

Was hat sich für Sie als Innenverteidiger verändert?

Ich spüre, dass ich auch ein wichtiger Teil des Offensivspiels bin. Der Trainer schenkt mir das Vertrauen und gibt mir Freiheiten, das Spiel von hinten zu eröffnen. In der Defensive muss ich mehr Verantwortung übernehmen, weil ich im Gegensatz zur letzten Saison meistens der ältere der beiden Innenverteidiger bin. Das gefällt mir. Letztlich muss ich aber wie zuvor vor allem meine Leistung bringen.

Bei vielen Spielern gab es unter Favre ein Aha-Erlebnis. Gab es ein solches bei Ihnen auch?

Es sind mehr kleine Details. Am Anfang hat er mich nach dem Training manchmal auf die Seite genommen und mit mir Dropkick-Übungen gemacht oder jongliert. Es gibt ein paar einfache technische Dinge, auf die er sehr viel Wert legt und die man im Spiel oft braucht, die einem aber nicht so bewusst sind.

Vor gut einem Jahr gaben Sie das Debüt in der Nationalmannschaft, im Winter kam der Wechsel nach Dortmund, dann die WM, wo sie Stammspieler waren. Ihr Aufstieg verlief sehr schnell.

Das habe ich schon oft gehört – als ich zum FC Basel wechselte oder als ich mein Debüt in der Nationalmannschaft gab.

Überrascht über den rasanten Aufstieg sind Sie nicht?

Nein, denn ich weiss, was ich kann. Und ich setze jeden Tag alles daran, noch besser zu werden – im Klub und in der Nationalmannschaft. Ich traue mir zu, dass es in diesem Tempo weitergeht. Ich habe einen Traum, an dem will ich weiter arbeiten.

Wie sieht dieser Traum aus?

Ich will immer höher hinaus, soweit es eben geht. Aber die Zukunft zu planen ist schwierig. Man weiss nie, was passiert. Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben. Das kurzfristige Ziel im Verein heisst, in der Champions League zu überwintern und in der Meisterschaft weiterhin so gut zu spielen wie bisher und diese so gut wie möglich abzuschliessen.

Und langfristig?

Viele wissen, dass Manchester United seit der Kindheit mein Lieblingsverein ist. Es wäre sicherlich schön, einmal dort zu spielen. Aber das ist momentan kein Thema. Ich bin sehr zufrieden in Dortmund, will mit dem BVB Titel gewinnen und mit der Schweizer Nationalmannschaft noch viele weitere grosse Turniere bestreiten.

Sie werden derzeit von allen Seiten gelobt. Wie gehen Sie damit um?

Es wird auch wieder Rückschläge geben. Im Leben geht es nicht nur immer aufwärts, sondern zwischendurch auch abwärts, nicht bloss im Fussball. Ich versuche, auf und neben dem Platz ein guter Mensch zu sein.

Durch Ihre Eltern und Ihre Schwestern scheinen Sie die Sensibilität für gesellschaftliche Fragen früh mitbekommen zu haben. Beschäftigten Sie auch deswegen die Diskussionen im Nachgang zur WM mehr als andere?

Klar interessierten mich diese. Ich habe eine andere Hautfarbe als die meisten Menschen in der Schweiz, bin aber hier aufgewachsen. Ich hatte deswegen nie ein Problem und kam damit klar. Wenn andere Probleme damit haben, wenn jemand Doppelbürger ist, dann stört mich das, weil ich, meine Familie und viele andere davon betroffen sind.

Wurde dieses Thema in Ihrer Kindheit in der Familie oft diskutiert?

Natürlich wurden wir damit konfrontiert. Uns hat das aber nie gestört. Wir sind alle stolz, so zu sein, wie wir sind, und fragten uns nie, warum das so ist. Rassismus ist heute in der ganzen Welt noch immer ein Thema. Das verschwindet nicht einfach so.

Zurück zur Nationalmannschaft. Wie sehen Sie da Ihre Rolle?

Ich versuche, auf meine Spielminuten zu kommen, und, wie in Dortmund, Verantwortung zu übernehmen. Mit meinen bisherigen Länderspielen bin ich ziemlich zufrieden. Ich spüre das Vertrauen der Mitspieler und des Trainers und versuche dieses zurückzuzahlen.

Zuletzt hat die Schweiz gegen England mit einer Dreier- anstatt einer Viererkette gespielt. In welchem System fühlen Sie sich wohler?

Schwierig zu sagen. Ich bin mir beides gewohnt, da ich in Basel oft in einer Dreierkette gespielt habe. Es ändern sich für die Verteidiger ein paar taktische Sachen. In einer Dreierkette muss ich mehr rennen, spiele nicht mehr so zentral, habe aber mehr Einfluss auf den Spielaufbau, weil ich bei einem Vorstoss besser abgesichert werde.

Spüren Sie, dass derzeit ein Umbruch im Team stattfindet?

Es findet ein gewisser Umbruch statt, ja, aber das ist im Fussball oft so. Es ist ein fortlaufender Prozess. Wenn einer fehlt oder nicht mehr dabei ist, können andere Verantwortung übernehmen, sogar für einen Mehrwert sorgen. Das Ziel ist immer, dass jeder so arbeitet, dass die Mannschaft noch besser wird.

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