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Der Telebasel Talk vom 10. Oktober 2018. (Video: Telebasel)

Basel

Basler Aidsbuch: -minu outet sich als HIV-positiv

«Ich war ein Riesenarsch», schreibt -minu im Buch «Aids in Basel». Aber auch ohne den Promi-Primeur: Das Buch ist das «must have» zur Basler Aids-Geschichte.

Auf gut 300 Seiten erzählen die Autoren Ulrich Goetz, Martin Hicklin und Manuel Battegay,

  • wie das Virus in den achtziger Jahren in Basel einschlug,

  • welches soziale und medizinische Elend es hervorrief,

  • welche drogenpolitischen Kämpfe es etwa um das Fixerstübli auslöste,

  • wie engagiert sich Aktivist*innen aus schwulen oder kirchlichen Netzwerken, in medizinischen Institutionen für Hilfestellungen einsetzten und Betroffene betreuten.

  • Die Autoren erinnern daran, dass eine HIV-Infektion nach wie vor eine schwere Belastung darstellt. «Eine komplette Heilung ist fern», lautet eine der Kapitelüberschrften.

Das Virus trifft auch Prominente: André Ratti, -minu

Zu einem nationalen Schock wurde das Outing des beliebten Basler Fernsehmoderatoren und Journalisten André Ratti, der das Publikum am 2. Juli 1985 vor laufender Kamera über seine Erkrankung informierte:

In diesen Jahren kam die Diagnose noch einem Todesurteil gleich. André Ratti starb schon vier Monate nach dem TV-Outing, am 25. Oktober 1985. Das Buch berichtet nicht nur vom öffentlichen Outing, sondern wie Ratti sich unter anderem als erster Präsident der Aids-Hilfe für Betroffene engagierte.

(Bild: Nico Schmied)

Im Buch outet sich auch der bekannte Basler Journalist -minu als HIV-Betroffener. Vor zwei Jahren wurde er positiv getestet. Mit dem Gummi sei er einfach nicht klar gekommen. Fatal sei seine Einstellung gewesen, in seinem Alter (1947*) könne ihm nichts mehr passieren. -minu schildert den Moment als er von der Diagnose erfuhr: «Der erste Moment war Scham. Einfach nur Scham. Wie konnte ich so hirnverbrannt dumm sein!» Er, der Safe Sex propagierte, «jahrelang» in Schwulenlokalen Kondome verteilt hatte, der erlebt hatte, wie Freunde im «Lighthouse» starben, hatte sich selber zu wenig geschützt.

Anfangs musste er zwei Pillen pro Tag nehmen. Vier Monate nach der Diagnose sei das Virus nicht mehr im Blut nachweisbar gewesen.

Aids-Gala mit Liz Taylor in Basel

Beeindruckend ist der detailliert ausgestaltete, thematische Rundblick, den die Autoren mit Fokus auf Basel vor dem Publikum ausbreiten. Zu Wort kommen hiesige HIV-Betroffene, Fachleute aus der Medizin, Politik, Schwulenszene, den Medien, Kirchen, Hilfsorganisationen aber auch der Werbung. Wer erinnert sich zum Beispiel daran, dass die ersten nationalen und auch stilbildenden «Stop Aids»-Kampagnen von der Basler Agentur cR entwickelt und realisiert wurden?

Oder dass in Basel 1991 unter dem Titel «Art against Aids» eine Gala mit Liz Taylor und Audrey Hepburn über die Bühne ging? Zehntausende von Franken kamen bei dieser und ähnlich prominent besetzten Veranstaltungen in Basel für Hilfsorganisationen zusammen.

Die Anzahl der Neuinfektionen nimmt nicht ab

Eindrücklich sind etwa die Schilderungen über das Leben und Sterben im Basler Sterbehospiz «Lighthouse». Beunruhigend wirken die Aussagen von Daniel Stolz, der als Präsident der Aidshilfe beider Basel darauf hinweist, dass die Anzahl der Neuansteckungen nicht abnimmt (Basel-Stadt steht diesbezüglich schweizweit auf dem dritten Rang). Oder dass er eine Welle von sogenannten «Chemsex-Parties» auch in der Schweiz befürchtet, die derzeit in Metropolen Furore machen: Parties, bei denen sich die Gäste mit Drogencocktails laden, um sich dann sexuell auszutoben. Da sei der Gedanke ans Kondom «ganz weit weg».

Panik damals, Bedenkenlosigkeit heute

Die Berichte machen die Aids-Panik nachvollziehbar, als die ersten Fälle – in Basel später als in anderen Landesteilen – auftraten, und thematisieren die neue Bedenkenlosigkeit, die wegen guter Behandlungsmöglichkeiten in breiten Bevölkerungskreisen um sich gegriffen hat. Gleich mehrfach wird darauf hingewiesen, dass die Infektion mit dem HI-Virus eine schwere Belastung für den Organismus darstelle, dass nach wie vor Menschen an deren Folgen sterben. Und dass trotz Medienberichten, die Forschungserfolge in Aussicht stellen, absehbar nicht mit einer «Lösung» gerechnet werden könne, die das Virus von der Erdoberfläche wegräume.

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