Tina Turner bei einer Promotion zu ihrem Musical im Jahr 2017. (Archivbild: Keystone)
Schweiz

«Es ist möglich, aus Gift Medizin zu machen»

Seltenheit: Tina Turner gibt im Zusammenhang mit dem Musical «Simply The Best - Die Tina Turner Story» ein Interview.

Seit Jahren lebt Tina Turner zusammen mit ihrem Ehemann Erwin Bach zurückgezogen am Zürichsee und gibt nur selten Interviews. Im Zusammenhang mit dem Musical «Simply The Best – Die Tina Turner Story», das 2019 auf grosse Tour – im April auch durch die Schweiz – geht, macht sie eine Ausnahme.

Mit Songs wie «Private Dancer» und «Simply The Best» wurde Tina Turner ein Weltstar. Doch das Leben der US-amerikanischen Sängerin war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Ihren gewalttätigen Ehemann Ike Turner, mit dem sie in den 1960er Jahren Erfolge feierte, verliess sie später. Mit 45 Jahren gelang ihr 1984 ein grandioses Comeback. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählt die Sängerin, warum sie zunächst von der Idee eines Musicals über ihr Leben nicht begeistert war und wie sich ihre Einstellung änderte.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Idee eines Musicals über ihr Leben hörten?

Tina Turner: Als mein Ehemann Erwin ein Musical vorschlug, dachte ich zuerst: Das brauch› ich nicht! Nach 50 Jahren auf der Bühne bin ich froh, im Ruhestand zu sein. Ich brauche keine neue Show, ich brauche kein Musical. Aber ich bekomme immer noch so viele Karten und Briefe von meinen Fans, die mir sagen, ich habe ihnen Hoffnung gegeben – dieses Musical ist für sie, als Erinnerung an meine Arbeit.

Ist es nicht schwierig, ein ganzes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen in ein Musical zu packen?

Turner: Ja, das war es. Und es war sehr wichtig für mich und die Produzenten, dass wir die schwierigen Zeiten nicht auslassen und dass wir mein Leben ehrlich schildern, mit all seinen Höhen und Tiefen. Unser Ziel war es, dass die Zuschauer das Theater am Ende jeder Vorstellung begeistert und inspiriert verlassen, mit erhobenem Kopf, bereit, jede Herausforderung anzunehmen.

Was waren Ihre Eindrücke nach der Premiere in London?

Turner: Es war wirklich etwas Besonderes, mein Leben auf der Bühne zu sehen. Es macht mich glücklich, dass sie jeden aus meiner Vergangenheit so gut getroffen haben. Und ich war bewegt – sie fanden die Liebe, die das Herz meiner Geschichte ist.

Sie sind ein Symbol für Frauen-Power, Unabhängigkeit und Mut. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass das nicht immer so war. Wie haben Sie diese innere Stärke entwickelt?

Turner: Am Anfang war Ike Turner der Star. Und ich war Aschenputtel. Für Tina blieb nichts übrig. Und es gab viele Male, da hat es mich voll erwischt. Manchmal stand ich auf der Bühne und hatte unvorstellbare Schmerzen. Aber Du musst da durch. Du musst leiden, Du musst es durchstehen. Woher kommt diese Stärke? Die kommt vom Himmel.

Welchen Ratschlag würden Sie jungen Frauen auf den Weg geben, damit sie stark und unabhängig werden?

Turner: Es ist möglich, aus Gift Medizin zu machen.

Mit 180 Millionen verkauften Tonträgern gehört Tina Turner, die 1939 als Anna Mae Bullock in Nutbush (USA) geboren wurde, zu den weltweit erfolgreichsten Sängerinnen. Zunächst feierte sie zusammen mit ihrem späteren Ehemann Ike Turner Erfolge, bis sie ihn wegen seiner Drogenprobleme und Gewalttätigkeiten verliess. Im Alter von 45 Jahren feierte sie mit dem Album «Private Dancer» ein grandioses Comeback. Seit mehreren Jahren lebt Turner zusammen mit ihrem deutschen Ehemann Erwin Bach zurückgezogen in der Schweiz.

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