Dem FCB-Fan konnte nicht nachgewiesen werden, einen Fackelzünder absichtlich geschützt zu haben. (Symbolbild: Keystone)

Schweiz

Stadionverbot gegen FCB-Fan aufgehoben

Das Berner Verwaltungsgericht hat das Rayonverbot gegen einen FCB-Fan aufgehoben. Es könne nicht bewiesen werden, dass er einen Fackelzünder schützen wollte.

Der FC-Basel-Fan war am 11. Februar 2017 zu Gast in der Thuner Stockhorn Arena. Nach dem Führungstreffer des FCB zündete ein Unbekannter eine Handlichtfackel. Die Polizei konnte ihn nicht fassen – dafür aber den Mann, der neben ihm stand und eine Doppelhalterfahne in die Höhe hielt.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe die Fahne so eingesetzt, dass der Fackelzünder nicht identifiziert werden konnte. Sie sprach ihn schuldig wegen Gehilfenschaft zur Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz. Dieses Verfahren ist aufgrund der Einsprache noch hängig.

Schon zuvor hatte die Polizei ein einjähriges Rayonverbot bis Oktober 2018 verhängt. Damit wurde dem Mann untersagt, sich vier Stunden vor bis vier Stunden nach dem Spiel in der Umgebung des jeweiligen Spielorts aufzuhalten.

Fahne schwenken sei normales Verhalten

Die kantonale Polizei- und Militärdirektion stützte den Entscheid, der Fan wandte sich ans Verwaltungsgericht – und bekam Recht: Die Vorinstanz habe sich nur auf Standbilder und den Polizeirapport gestützt. Videoaufnahmen habe man nicht verwertet.

Das Gericht sah sich das Stadionvideo an – und kam zum Schluss, dass kein hinreichender Verdacht auf gewalttätiges Verhalten im Sinn des Hooligan-Konkordats bestehe. Nach einem Tor der eigenen Mannschaft die Fahne zu schwenken, sei ein normales Verhalten für einen Fussballfan.

Fackelzünder zufällig verdeckt?

Das Verdecken des Fackelzünders sei wohl nicht beabsichtigt gewesen. Auf dem Video sei jedenfalls nicht zu erkennen, dass er besondere Bemühungen unternommen hätte, um den anderen Fan zu verdecken.

Wahrscheinlich habe er den Fackelzünder einfach zufällig verdeckt – und das auch nur teilweise. «Wäre die Kamera anders positioniert gewesen, hätte er überhaupt keinen Sichtschutz bieten können.» Das bernische Verwaltungsgericht hob das Rayonverbot auf.

1 Kommentar

  1. Das ist jetzt also die Umsetzung des revidierten Konkordats mit «Augenmass», wie es Hans Jürg Käser im Februar 2014 versprochen hatte. Am 5. Februar 2018 hatte genau dieser Hans Jürg Käser das Rayonverbot noch höchstpersönlich bestätigt, mit einer Begründung, welche unterste Schublade ist und zum «Spartarif» von nur 1400 Franken. Das Verwaltungsgericht hat zuerst einen Kostenvorschuss von 3000 Franken eingefordert, bevor es das schweizweite Rayonverbot nach 10 von 12 Monaten aufhob, selbstverständlich ohne jegliche Entschädigung zuzusprechen. Die betroffene Person dürfte wohl ihre Meinung über den Staat fürs ganze Leben gebildet haben. Und ja, Rayonverbote werden in der ganzen Schweiz gleich fragwürdig verfügt.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel

Auch interessant