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Eine Tantra-Massage beinhaltet weit mehr als Behandlungen im Intimbereich. (Bild: Telebasel)

Basel

Tantra-Boom in Basel

Noch immer haben Tantra-Massagen ein Schmuddel-Image. Trotzdem herrscht ein Boom. Der Report erklärt wieso.

Tantra, diese fernöstliche Sexkunst. Schlüssel zu ekstatischen Ganzkörper-Orgasmen, Weg in die vollkommene Sexualität, Religion der übriggebliebenen Osho-Jünger. Noch immer löst der Begriff «Tantra» in den Köpfen der Gesellschaft solche oder ähnliche Assoziationen aus.

Nur die wenigsten wissen, dass es beim Tantra nicht zwingend und immer um Sexualität gehen muss. Gerade die Tantra-Massage kommt auch sehr gut ohne Orgasmen aus. Im Gegenteil: Immer öfter werden die tantrischen Ansätze gar mit anderen Disziplinen aus der Sexualtherapie und Körperarbeit kombiniert und helfen so, konkrete Problemstellungen wie Erektionsstörungen oder fehlende Lust zu therapieren.

Tantra-Massagen werden in der Regel nackt durchgeführt. Wer das nicht möchte, darf seine Kleider auch anbehalten. (Bild: Telebasel)

Rotlicht-Milieu als Bremsklotz

Dass Tantra-Massagen gesellschaftlich noch immer tabuisiert sind, liegt mitunter am Rotlicht-Milieu. Die gesteigerte Nachfrage nach den erotischen Massagen hat sich auch im Milieu herumgesprochen. Entsprechend viele Prostituierte werben mittlerweile auf einschlägigen Portalen im Internet mit Tantra-Massagen. «Die denken ‹Ok, das ist gerade IN, das möchte ich auch›. Am Ende sind das aber keine Tantra-Massagen, sondern reine sexuelle Dienstleistungen», sagt etwa Valeriu Rosca aus Basel. Er betreibt seit bald zehn Jahren sein eigenes Tantra-Massage-Studio in Basel.

Den Prostituierten fehle es beispielsweise an einer fundierten Ausbildung, sagt auch Marion Heine, ebenfalls mit eigenem Studio in Basel. Beispielsweise könnten während den Behandlungen immer mal wieder vergangene Traumata aufbrechen. Ausgebildete Sexological Bodyworker zum Beispiel seien auf solche Situationen vorbereitet. Prostituierte weniger. Trotzdem findet sie: «Tantra-Massagen haben auch im Milieu ihre Berechtigung. Man muss halt einfach wissen, was man will und was man bekommt».

Zu einer klassischen Tantra-Massage gehört auch eine Intim-Massage. Wer das nicht möchte, darf das aber jederzeit sagen. (Bild: Telebasel)

«Sinnliche Reise zu sich selbst»

Im Grunde genommen sei eine Tantra-Massage eine «sinnliche Reise zu sich selbst», sagt Marion Heine. Durch Berührungen, Streicheln, Massieren aber auch durch Düfte und Kerzen würden sämtliche Sinne angesprochen und der Körper als Ganzes wahrgenommen. Dafür würde, im Gegensatz zur klassischen Ganzkörpermassage, eben auch der Geschlechtsbereich miteinbezogen: «Penis und Vulva gehören zum Körper wie Ohrläppchen oder Zehen», sagt Heine. Es gäbe keinen Grund, diesen Bereich beim Erfahren des eigenen Körpers auszusparen.

Im Tantra spricht man dann von einer Lingam- (Penis) oder Yoni-(Vulva)Massage. Diese sei erstens freiwillig und müsse zweitens keineswegs zum Orgasmus führen: «Es gibt keinen Druck, irgendetwas leisten zu müssen. Man kann nur empfangen, sich gehen lassen, und wenns dann noch zum Orgasmus führt, schön, und sonst eben genauso schön», sagt Simone Haering, regelmässige Kundin aus Basel.

Halten und Umarmen: Viele Frauen schätzen diesen Teil der Massage besonders. (Bild: Telebasel)

Bemühung um Professionalisierung

Noch immer hätten jedoch viele Menschen das Gefühl, bei der Tantra-Massage käme es zu sexuellem Kontakt. Das stimme nicht, sagt Rosca: «Es gibt klare Grenzen. Kein Sex, kein Küssen – als Masseur bin ich einzig in einer gebenden Position». Es sei wichtig, dass Masseure und Masseurinnen dies respektieren, damit das Image der Tantra-Massage endlich frei von Schmuddel-Allüren werde.

Die Masseure und Masseurinnen selbst sind denn auch seit Jahren daran, aktiv an der Image-Verbesserung zu arbeiten. «Unser Ziel ist es, das Ansehen der Tantra-Massage in der Gesellschaft zu verbessern. Wir wollen einen ganz normalen Beruf ausüben – wie Bäcker oder Metzger auch», sagt Edith Hügin vom Förderverein Tantramassage Schweiz.

Ausbildungsprogramm für «Sexological Bodywork»

Beim sogenannten «Sexological Bodywork» würden tantrische Elemente gar mit anderen Techniken und Therapieformen aus der Körperarbeit kombiniert. «Sexological Bodywork wollen wir sogar als offiziellen Berufsstand etablieren», sagt Hügin. Dafür brauche es zunächst empirische Daten zur Wirkung der Therapieform. Danach müsse man ein einheitliches Ausbildungsprogramm zusammenstellen.

Ihre Vision sei es, dass Behandlungen mit Sexological Bodywork einst sogar von den Krankenkassen übernommen würden. Der Weg dahin sei jedoch noch weit, aber immerhin: «Vor acht Jahren hätten wir auch noch nicht geglaubt, dass sich 2018 eine Fernseh-Reportage dem Thema annimmt – die Chancen stehen also gut», sagt Hügin mit einem Lächeln.

1 Kommentar

  1. Für mich persönlich ist die Tantramassage ein wunderschöner Ausgleich zum Alltag. Stress kann abgebaut werden und die Reise zum inneren ICH, das wieder Fühlen, die Energien zum Fliessen bringen und diese dann auch noch Tage danach zu spüren ist für mich eine tolle Erfahrung. Valeriu macht seine Arbeit mit viel Passion; ich würde sagen, dass es seine Berufung ist.Report

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