(Bild: Keystone)

International

Patty Schnyder zurück auf der grossen Bühne

Patty Schnyder sorgte mit der Qualifikation für das Haupttableau am US Open für die ersten Schlagzeilen in Flushing Meadows.

Besonders gefreut hat sich Patty Schnyder nicht, als bekannt wurde, dass sie in ihrer ersten Partie im Hauptfeld eines Major-Turniers seit dem French Open 2011 gleich gegen Maria Scharapowa, die ehemalige Nummer 1, antreten muss. «Es ist ein happiges Los», sagt Schnyder. Klar werde es ein tolles Erlebnis, weil eine Night-Session am US Open sehr speziell sei. «Aber wenn man gut drauf ist, denkt man, man könnte doch zuerst eine andere schlagen, ehe es dann zu einem solchen Match kommt.»

Der Ehrgeiz ist Schnyder auch mit bald 40 Jahren und nach zwei Jahrzehnten mit über 1000 Partien auf der Tour sowie mehr als 8,5 Millionen Dollar gewonnenem Preisgeld nicht abhanden gekommen. «Die Sportlerin und der Wettkampftyp sind noch immer in mir.» Sie versuche im Training an den Details zu feilen, um weitere Prozente rauszukitzeln; und noch immer werde sie gelegentlich in Spielen plötzlich nervös, «was eigentlich idiotisch ist». Das emotionalen Auf und Ab auf und neben dem Platz schätzt sie aber inzwischen. «Das ist cool und gehört zu meinem Leben.»

Älteste Qualifikantin im Hauptfeld

Mit ihrem Einzug in das Haupttableau schrieb Schnyder Geschichte, ist sie doch mit 39 Jahren und 8 Monaten die älteste Spielerin, die dies jemals an einem Grand-Slam-Turnier geschafft hat. «Statistiken und Rekorde sind nicht so meine Sache», sagt die Nummer 186 des WTA-Rankings mit einem Lachen. Aber sie sei schon stolz, die Qualifikation geschafft zu haben. «Ich weiss, wie schwer es ist, alles unter einen Hut zu bringen.»

Auch wenn Schnyder täglich bis zu dreieinhalb Stunden trainiert, ist das Tennis nicht mehr der Mittelpunkt ihres Lebens. Seit bald vier Jahren bestimmt Töchterchen Kim ihren Alltag, zusammen mit Lebenspartner Jan begleitet die Kleine ihre Mutter in deren zweiten Tennis-Karriere fast überall hin. Der Tagesablauf ist klar strukturiert, am Morgen trainiert Schnyder, am Nachmittag widmet sie ihre ganze Aufmerksamkeit der Tochter, die inzwischen auch die Leidenschaft der Mama entdeckt hat. «Seit einem Monat fragt sie öfters, ob sie mitspielen darf.»

Das Muttersein lenkt Schnyder ab vom Tennis, nicht immer ist sie über das restliche Geschehen auf der Tour im Bild. «Manchmal ist es mir fast peinlich, wenn ich meine Kolleginnen treffe und nicht weiss, wie sie gespielt haben.» Auch über Scharapowa, die US-Open-Siegerin von 2006, hat sie noch nicht allzu viele Informationen gesammelt, letztmals hatten die beiden vor zehn Jahren in Rom gegeneinander gespielt. «Mal schauen, wie gut sie drauf ist.» Schnyder weiss, dass, wenn es um den Ausgang der Partie geht, vieles vom Spiel der 31-jährigen Russin (WTA 22) abhängen wird.

Churro- und Burger-Geruch

Verstecken muss sich Schnyder aber nicht. Sie bewege sich gut, sei ausgeruht und sehr gut vorbereitet. Schon oft hat sie am US Open für positive Resultate gesorgt. 1998 schlug sie im Achtelfinal als Underdog Steffi Graf in zwei Sätzen, zehn Jahre später erreichte sie dank einem Sieg gegen Katarina Srebotnik noch einmal die Runde der letzten acht. «Eine meiner besten Partien überhaupt.» Im Gegensatz zu den anderen Grand-Slam-Turnieren scheiterte Schnyder in New York nie in der 1. Runde.

Während nicht alle mit den Gegebenheiten im Big Apple klar kommen, liegen ihr die Bedingungen. An die besonderen Umstände hat sie sich gewöhnt. Der viele Verkehr, die lange Anfahrt zur Anlage von Manhattan nach Queens, die Hektik, die Lautstärke. «Manchmal spielt irgendwo eine Band oder der Geruch von Zimt eines Churro-Standes oder derjenige eines Burger-Grills kommt um die Ecke», so Schnyder. «Das hat man sonst nirgends.» Am Dienstag wird sie noch einmal in diese Welt eintauchen, wenn sie als eine der ersten im 14’000 Zuschauern fassenden, renovierten Louis-Armstrong-Stadion zu einer Night-Session antreten darf. «Ich werde es geniessen.»

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