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Der Telebasel Talk vom 16. August 2018 mit Ed Schumacher.

Basel

Ein Herz für «schwierige» Lehrlinge

Sie haben psychische Probleme, sprechen schlecht deutsch, waren in den Drogen - und kriegen bei Ed Schumacher die Chance für eine Lehre. Wieso tut er das?

Er ist ein seltenes Gegenbeispiel. Der Basler Malerunternehmer Ed Schumacher (50) holt nicht die schulisch erfolgreichsten Jugendlichen zu sich in die Lehre, sondern die «Schwierigen». Schwierig heisst, sie haben oder hatten psychische Probleme, reden schlecht deutsch (Migranten) oder machten an einer Drogensucht herum. Ihre Psychen sind gezeichnet von Ausbildungs- und Schulabbrüchen, 50 (oder mehr) Bewerbungsabsagen und problembehafteten Familienverhältnissen. Ed Schumachers Lehrpersonen und Praktikanten stehen mit ihren Profilen quer zu den Maximen unserer Wettbewerbs- und «Nur die Starken und Flexiblen überleben»-Arbeitswelt.

Schumachers Konzept: Verantwortung übergeben

Die Jugendlichen lässt sich Schumacher von der Basler Nonprofit-Organisation Overall vermitteln. Overall betreut die Jugendlichen schulisch und psychosozial, Schumacher sorgt für deren Berufsausbildung. Und damit auch für eine fordernde Alltagsstruktur. Schumachers Konzept klingt handfest: Verantwortung übergeben. Wenn die Jugendlichen sich mit einer Herausforderung auf sich allein gestellt sehen, schaffen sie Dinge, die sie sich vorher vielleicht selbst nicht zugetraut hätten. Erfolgserlebnisse strecken den Rücken. Korrekturen erhöhen die Fach-, trainieren die Selbstkompetenz.

Schumachers Betrieb: Kein Sozialbetrieb

Etwa 20 Jugendliche hat Schumacher nach eigener Schätzung durch die Lehre gebracht. Das geht nicht immer glatt. Manchmal geht es auch gar nicht. Als ihn einmal ein Jugendlicher bedrohte, stellte er ihn auf die Strasse. Dabei kann sich Schumacher in der Leistung für die Kundschaft keine Durchhänger leisten. Seine Traditionsfirma ist keine geschützte Werkstatt sondern ein Kleinstbetrieb (1 Angestellter, 2 Lehrpersonen, 1 – 2 Praktikanten), der im Markt bestehen muss.

«Ed schwatzt nicht, er macht», sagt Eva Lehner, CEO der Genossenschaft Overall, über Schumacher. Auf die Jugendlichen wirke er als «authentischer Typ». Im Juni 2018 erhielt er für sein Engagement den Basler Sozialpreis.

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