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Der Telebasel Report vom 15. August 2018.

Basel

Dem Hitzesommer auf der Spur

Überall Sensoren, Kameras und Kabel – das ist der Hölsteiner Hightech-Wald ‹Schoren›. Hier erforscht die Uni Basel die Folgen des Klimawandels für den Wald.

Ein grosses ‹Betreten verboten›-Schild hängt am Eingangstor mitten im Wald. Die Szenerie mit dem 1,6 Hektaren grossen, eingezäunten Forschungsgebiet vermittelt den Eindruck von Wichtigkeit. Das Gebiet könnte genauso gut ein geheimes militärisches Waffenlager aus einem Bond-Film sein. Der Name ‹Swiss Canopy Crane Project II› würde jedenfalls schon mal gut passen.  Nun, ist es natürlich nicht. Das mit der Wichtigkeit jedoch ist keinesfalls aus der Luft gegriffen.

«Betreten verboten»: Der Zaun ums Forschungsareal schützt natürlich nicht vor Action-Helden und Gangstern, sondern vor Wildtieren. (Bild: Telebasel)

Einzigartiges Forschungsprojekt

Was sich hinter dem Maschendrahtzaun verbirgt, könnte nämlich schon bald von internationalem Interesse sein. Schon jetzt haben Klimaforscher weltweit ein Auge auf das Projekt der Uni Basel geworfen. Mit dem Experiment ‹Swiss Canopy Crane Project II› möchten Forscher der Uni Basel rund um Professor Ansgar Kahmen herausfinden, wie sich der Klimawandel auf den europäischen Mischwald auswirkt.

Konkret gehen Klimaforscher davon aus, dass bis Ende des aktuellen Jahrhunderts zwischen 20 bis 30 Prozent weniger Niederschlag fallen wird. Zudem sollen die Temperaturen sowohl im Mittel wie auch in den Höchstwerten zwischen zwei und fünf Grad steigen – je nach Berechnungsmodell. «Dies hätte natürlich massive Auswirkungen auf unser Klima und konkret auch unsere Wälder», sagt Kahmen.

Rund 300 Sensoren ausgelegt

Um ein niederschlagsärmeres Klima künstlich zu erzeugen werden die Forscher Ende 2019 die Hälfte der Forschungsfläche überdachen. Das extra angefertigte Dach soll dann durch über 1’000 Motoren gesteuerte Lamellen den Niederschlag zwischen 20 und 80 Prozent abfangen können, je nachdem, was die Forscher wünschen. Die offene Hälfte dient als Vergleichsfläche.

Mit zahlreichen Sensoren und Messgeräten überwachen die Forscher dann minuziös, wie die verschiedenen Baumarten mit der Trockenheit umgehen. «Das wird beispielsweise für die Förster von Interesse sein. Denn Bäume, die wir heute Pflanzen, werden in ca. 120 Jahren erwachsen sein und müssen dann mit der Trockenheit umgehen können». So untersuchen die Forscher die Auswirkungen sowohl auf Ebene Baum, aber auch auf ebene Gesamtsystem Wald: «Wir fragen uns, ob der Wald auch bei Trockenheit immer noch gleich viel Co2 speichern kann wie heute. Falls nicht, könnte das Auswirkungen auf unser Klima haben».

Dank einem eigens angefertigten Spezial-Kran gelangen die Forscher per Gondel direkt in die Baumkronen. (Bild: Telebasel)

Erste Erkenntnisse bereits vorhanden

Obwohl das Projekt offiziell erst mit der Installation des Daches Ende 2019 startet, gibt es bereits jetzt erste Erkenntnisse. Die aktuelle Hitzeperiode hat den Forschern nämlich bereits vorweggenommen, was sie eigentlich künstlich zu generieren versuchen: «Die letzten Hitzemonate waren für uns sehr aufschlussreich», sagt Kahmen. So habe man anhand von Blattproben von bereits braungefärbten Bäumen herausfinden können, dass die Bäume ihre Nährstoffe meist rechtzeitig aus den Blättern abziehen konnten.

Demnach sei das Anfangs August etwas gar frühe Phänomen der Braunfärbung nichts anderes, als ein verfrühtes Herbststadium: «Solange die Nährstoffe in den Stamm eingelagert werden konnten, ist das Abwerfen der Blätter überhaupt kein Problem. Die Bäume überwintern halt etwas früher und treiben nächsten Frühling wieder aus.» Immer unter der Voraussetzung, dass die Knospen an den Ästen überleben. Dies könnte beispielsweise bei einer bis in den November hinein anhaltenden Hitzewelle der Fall sein. Davon geht Kahmen jedoch nicht aus.

Forschungsleiter Ansgar Kahmen im Wald von Hölstein. (Bild: Telebasel)

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