SFV-Generalsekretär Alex Miescher zieht nach der Polemik um seine Person die Konsequenzen. (Bild: Keystone)

Schweiz

Nati-Generalsekretär Alex Miescher tritt zurück

Alex Miescher hatte nach der Doppelbürger-Affäre einen schweren Stand im Schweizer Nationalteam. Nun zog der 50-Jährige die Konsequenzen, und trat von seinem Po

Über neun Jahre stand Miescher als Generalsekretär im Dienst des Schweizerischen Fussballverbandes. Am Freitag endete die langjährige Zusammenarbeit im Rücktritt des Solothurner FDP-Lokalpolitikers. Innerhalb weniger Wochen hatte sich Miescher durch fragwürdige Aussagen und ungeschickte Kommunikation in eine Position manövriert, in der ihm letztlich nur noch der Rücktritt als Möglichkeit blieb.

Nach dem Ausscheiden des Schweizer Nationalteams im Achtelfinal der WM in Russland gegen Schweden stiess der ehemalige Spitzenschwimmer Miescher eine Debatte über Doppelbürger an. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» meinte Miescher, die Schweiz müsse sich fragen, ob sie Doppelbürger in der Nationalmannschaft verbieten wolle. Der Verband könne sagen, dass die Türen in die Förderprogramme nur jenen Nachwuchsspielern offen stünden, die auf eine Doppelstaatsbürgerschaft verzichteten, schlug Miescher vor.

Aussagen, die in der Öffentlichkeit kritisch beäugt wurden und im Umfeld der nationalen Auswahl für noch grössere atmosphärische Störungen sorgten, als die Affäre um den Doppeladler-Jubel wenige Tage davor. Bereits in Russland waren erste Risse im Gefüge der Nationalmannschaft erkennbar. So waren Miescher und der Anfang Woche zurückgetretene Valon Behrami bereits an der Weltmeisterschaft aneinander geraten.

Miescher gesteht Fehler ein

Wie tief der Graben zwischen dem Tessiner und dem Solothurner inzwischen ist, zeigte sich zuletzt bei Behramis Reaktion auf seine Nichtberücksichtigung für die nächsten Länderspiele. Der Mittelfeldspieler richtete in der Erklärung zu seinen Rückzug aus dem Nationalteam schwere Vorwürfe an die Adresse Mieschers – auch wenn er diesen nicht beim Namen nannte. Er sei Opfer eines politischen Entscheids geworden, hatte Behrami erklärt. Ein politischer Entscheid, «der von einer Person getroffen wurde, die nichts vom Fussball versteht», polterte der 33-Jährige.

Im Communiqué zu seinem Rückzug gab Miescher denn auch Fehler zu. In den letzten vier Wochen seiner langjährigen Tätigkeit habe es Missverständnisse und auch Kommunikationspannen gegeben. Dennoch gehe er «mit dem Gefühl der Dankbarkeit». Er habe neun Jahre das Privileg gehabt, alle faszinierenden Facetten des Fussballs zu erleben.

Unter anderem nahm die Schweiz unter Generalsekretär Miescher an drei Weltmeisterschaften sowie einer EM-Endrunde teil. SFV-Präsident Peter Gilliéron bedauert den Rücktritt seines Nachfolgers als Generalsekretär. Er könne ihn aber verstehen, liess sich Gilliéron im Communiqué des Verbandes zitieren. Auf Miescher folgt nun dessen Stellvertreter Robert Breiter.

Kittversuche des SFV fruchteten nicht

Die unbedachten Kommentare zu den Doppelbürgern isolierten Miescher letztlich, seine Akzeptanz im Team nahm zu stark ab. «Für mich und mit Sicherheit auch für betroffene Teamkollegen ist es befremdend, solche Kommentare von Alex Miescher zu hören», erklärte Mittelfeldstratege Granit Xhaka im Interview mit der Nachrichtenangetur Keystone-SDA. Der Generalsekretär habe mit dem unnötigen Vorstoss «viel Stirnrunzeln hervorgerufen, aber auch viele enttäuscht».

Der SFV versuchte zwar den angerichteten Schaden zu kitten. Präsident Gilliéron meinte: «Wir haben an allen Freude – unabhängig ihrer Nationalitäten!» Durch Mieschers Interview sei aber der falsche Eindruck entstanden, der Verband habe etwas gegen Fussballerinnen und Fussballer mit Mehrfachnationalitäten.

Der Versuch des SFV, den angerichteten Schaden zu kitten, schien bislang wenig erfolgreich. Der Abgang des Generalsekretärs könnte vielleicht einen Umschwung einleiten. Der SFV ist noch immer daran, die Geschehnisse der letzten Wochen aufzuarbeiten. Danach sollen Massnahmen definiert werden, um ähnliche Situationen künftig zu verhindern.

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