Regisseurin Bettina Obeli (mitte) mit den beiden Darstellerinnen Anastasia Shevtsova (links) und Mélanie Thierry (rechts) am Filmfestival in Locarno. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Schweiz

Bettina Oberli zurück am Filmfestival Locarno

Zwölf Jahre nach ihrem Grosserfolg mit «Die Herbstzeitlosen» ist Bettina Oberli mit «Le vent tourne» am Filmfestival in Locarno vertreten.

Im Liebesdrama «Le vent tourne» sorgt eine Windturbine im Jura für Beziehungsturbulenzen.

Auf einem abgelegenen Bauernhof im Jura scheinen Pauline (Mélanie Thierry) und Alex (Pierre Deladonchamps) ihr Glück gefunden zu haben: ein naturnahes Leben fern von den Zwängen industrialisierter Tierhaltung. Fehlt nur noch die Unabhängigkeit vom Atomstrom. Dafür soll der Bau einer Windturbine auf dem Hof sorgen.

Das Brummen des Sattelschleppers kündigt die Ankunft der tonnenschweren Fracht an. Mit dabei Ingenieur Samuel (Nuno Lopes), der die Montagearbeiten leiten wird und während der Bauzeit auf dem Hof einzieht. Pauline fühlt sich heftig angezogen vom weitgereisten Samuel.

Und da ist auch noch Golina (Anastasia Shevtsova). Das 16-jährige ukrainische Mädchen verbringt Ferien für Kinder aus Tschernobyl auf dem Hof. Der anfänglich verstockte Teenager, der das Internet und die Stadt vermisst, taut auf und gleicht die Spannungen im Dreieck der drei Erwachsenen anfänglich aus.

Der Wind dreht

Nach der Einweihung der Windturbine reist Samuel ab zur nächsten Baustelle. Doch nichts ist wie vorher. Das ständig zu hörende Wummern der Rotorblätter zehrt an den Nerven, und Pauline vermisst Samuel so schmerzlich, dass sie in einer schlaflosen Nacht zu einem Sabotageakt greift.

Auch im Stall steht nicht alles zum Besten. Die Kühe haben Fieber, und auch ein Kräutersud hilft nicht weiter. Während sich Pauline zunehmend fragt, ob «wir alles falsch machen», mauert sich Alex in seiner Sturheit ein und holt statt der Tierärztin einen Naturheiler (Pedro Lenz mit Rauschebart). Doch es bahnt sich ein Fiasko an.

Erster Film in Französisch

Regisseurin Bettina Oberli, die das Bauernmilieu aus eigener Anschauung und Erfahrung kennt, hat den Film bewusst im Jura angesiedelt, wie sie in Locarno vor den Medien sagte. Ihr gefalle diese Weite, die nur aus Gras, Tannen und Himmel bestehe – «fast eine Western-Atmosphäre».

Weil die Geschichte in den Franches-Montagnes spielt, sei logisch gewesen, den Film in Französisch zu drehen. Die Mehrsprachigkeit in der Schweiz sei auch ein Geschenk, und sie habe Lust gehabt, «ins kalte Wasser zu springen», sagte Bettina Oberli. Das Drehbuch schrieb sie zusammen mit dem Westschweizer Dramaturgen Antoine Jaccoud.

Pedro Lenz mit Akzent

Die Hauptrollen spielen Schauspieler aus Frankreich, Portugal und Russland. Mit seinem Kurzauftritt als Tierheiler ist Pedro Lenz der einzige Schweizer Darsteller. Es sei nicht einfach gewesen, Lenz für diese Rolle zu gewinnen, verriet Oberli in Locarno.

Denn der Berner Schriftsteller sei noch etwas «traumatisiert» gewesen von seinem Auftritt als französischsprachiger Drogendealer in der Verfilmung seines Buches «Dr Goalie bin ig». Dort wurde Lenz‘ Stimme nachträglich synchronisiert, weil sein Französisch zu holperig war.

Für «Le vent tourne» sei das nicht nötig gewesen, betonte Bettina Oberli. «Im Film ist seine Originalstimme zu hören.» Der die Herkunft verratende Akzent war vielmehr willkommen, ist doch der Heiler im Film einer von zahlreichen Deutschschweizern, die im Jura wohnen.

Der Film kommt am 20. Dezember 2018 in die Schweizer Kinos.

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