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Der Telebasel News-Beitrag vom 29. Juni 2018.

Basel

Islam-Debatte in der Basler SP

Punkto Religion scheiden sich in der SP die Geister. Nun fordert auch Nationalrätin Silvia Schenker eine Diskussion zu diesem Thema statt voreilige Beschlüsse.

Der Telebasel-Talk mit Stephanie Siegrist hat hohe Wellen geschlagen. Nun bekommt die Sprecherin der neuen parteiinternen Gruppe «Integra Universell» Zuspruch von prominenter Seite. So hat etwa die Basler SP-Nationalrätin Silvia Schenker lobende Worte für Siegrist. Sie stelle nämlich wichtige Fragen über das grundsätzliche Verhältnis zwischen Staat und Religion.

«Sie möchte innerhalb der SP eine offene Diskussion lancieren. Ich finde das sehr wichtig und darum unterstütze ich sie», sagt Silvia Schenker gegenüber Telebasel. Die Nationalrätin findet es bewundernswert, dass die Leute von «Integra Universell» bereit sind, ein heisses Eisen anzufassen und sich der Diskussion zu stellen.

«Gleichstellung ist nicht verhandelbar»

Eine solche Debatte sowie eine Urabstimmung zu diesem Thema sei vonnöten – das findet auch SP-Bürgergemeinderat Mahir Kabakci. Er wohnte der Islam-Tagung der SP Schweiz, die den Ausschlag für die parteiinterne Kritik gab, nämlich bei. «Ich habe mich aufgeregt, dass dort teilweise Vertreter von muslimischen Communitys vorne standen, die behaupteten, sie hätten Schwierigkeiten mit der Gleichstellung von Mann und Frau – das ist aber ein Punkt, der für mich nicht verhandelbar ist», sagt Kabakci.

«Der rechten Hetze etwas entgegensetzen»

Gerade wegen finden es nun manche SP-Mitglieder voreilig, wenn die Partei in einem Thesenpapier die öffentlich-rechtliche Anerkennung von muslimischen Organisationen fordert. Dies sei nicht die adäquate Antwort auf die antimuslimische Hetze von rechts. «Wir müssen den Rechten etwas anderes entgegensetzen und nicht einfach Verbände unterstützen, die eine sehr fundamentalistische Auslegung ihrer Religion haben», findet daher Monika Zech, Mitglied bei der Baselbieter SP.

Parteispitze erachtet Thema nicht als wichtig

Gerne hätte Telebasel Christian Levrat, Parteipräsident der SP Schweiz zu diesen Vorwürfen befragt. Das Generalsekretariat antwortete hingegen, dass dieser zurzeit keine Interviews dazu gebe – das Thema werde nicht mehr als wichtig erachtet.

Wohl aber nimmt SP-Nationalrat Beat Jans Stellung zum Islam-Thesenpapier. Er sieht die öffentlich-rechtliche Anerkennung durchaus als prüfenswerte Option. Allerdings betont er  dass eine solche Anerkennung an bestimmte Bedingungen geknüpft sein sollte. So müssten die Verbände etwa offen legen, wie sie sich finanzieren und sich an Regeln wie die Gleichstellung halten.

Keine bedingungslose Anerkennung

Tatsächlich klingt es auch im besagten Thesenpapier: Für diese müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, so etwa das «Bekenntnis zum säkularen, diskriminierungsfreien Rechtsstaat». Beat Jans findet, dass sich im Grunde genommen die Positionen im Thesenpapier und die diejenigen von «Integra Universell» gar nicht so stark unterscheiden. Trotzdem begrüsst er, dass nun eine Debatte zu diesem Thema stattfindet.

2 Kommentare

  1. Wir Gottergebene begrüssen eine offene und differenzierte Diskussion, die in diesen Belangen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene notwendig ist. Wir bemühen uns vor allem auf theologischer Ebene für eine geschlechtergerechte, inklusive Koranauslegung und gleichberechtigten, gleichgestellten Umgang in der Praxis; anders als die bekannten Verbände dies rein auf administrativer oder statuarischer Ebene primär für die Öffentlichkeit verkünden, in der gelebten Praxis aber tatsächliche Diskriminierungen dulden, wenn dies nicht gar von den Verbandsvertretern als «Tradition» und damit religiös entschuldigt wird. Deshalb Dankeschön an Stephanie Siegrist und an alle von integraUNIVERSELL für den Versuch, eine differenzierte Auseinandersetzung fortzuführen!

    Der Imam Mustafa Memeti, der im Video von Mahir Kabakci gemeint ist, meinte während der SP-Tagung, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern eine «sehr komplizierte» Angelegenheit darstelle und «die Zeit dafür noch nicht reif» sei. Dies betrifft jedoch genau nur ihre eigenen Gemeinschaften. Unserer Meinung nach ist die Frage nach der Gleichberechtigung eine sehr einfache, die koranisch motiviert beantwortet werden kann und muss. Die Gleichberechtigung kann nur durch eine bestimmte religiöse Einstellung bzw. eine eingeschränkte Lesart zu einer «sehr komplizierten» Angelegenheit erhoben werden. Diese Einstellung ist nicht unterstützenswert, da sie auch weitere, gröbere Probleme mit sich bringt. Genau hier sind wir aktiv, möchten aufklären und eine koranische Lesart etablieren, die befreit, spirituell ausgerichtet ist und die im Koran so oft betonte Vernunft wieder vermehrt in den Vordergrund rückt.

    Es braucht aber umso mehr die von Religionen unabhängige Diskussion. Gerade von aussen scheint der Wirrwarr der vielen unterschiedlich geprägten muslimischen Gemeinschaften nur sehr schwer überblickbar zu sein, wenn überhaupt möglich, und die von der Gruppe integraUNIVERSELL geforderte Diskussion setzt richtigerweise genau hier an. Man muss leider genau hinschauen, um friedliche Gläubige aller «islamischen Konfessionen» von denen zu unterscheiden, die verdeckt oder öffentlich gegen die Werte der schweizerischen Gesellschaft vorgehen. Die Einteilung in «liberale» und «konservative» Muslime mittels politischen Begriffen könnte man hierbei genauso hinterfragen, aber das ist ein anderes Gebiet.

    Ein weiterer Punkt, bei dem unbedingt differenziert werden muss: Beat Jans führt den Vergleich mit der Anerkennung der Aleviten an. Diese Aussage zeigt offenbar sein gut gemeintes Unwissen, vergleicht er doch Äpfel mit Birnen. Das Alevitentum wird von den meisten Aleviten als eine eigenständige Religion mit gewissen Bezügen zum Islām angesehen und können daher nicht mit den hiesigen Dachverbänden, die vor allem sunnitisch geprägt sind, verglichen werden. Eine einfache Recherche zeigte auch, dass beispielsweise die Aleviten im Haus der Religionen in Bern einen separaten Raum weit weg von der Moscheeräumlichkeit haben. Eine einfache Frage, die den Unterschied verdeutlicht: Wenn nun die Aleviten mit den Sunniten vergleichbar wären, wieso teilen sie sich diese Moschee dann nicht, wie z.B. die verschiedenen buddhistischen Traditionen dies im Haus der Religionen tun? Und wem dies noch nicht klar genug war, dem sei folgendes gesagt: Es gibt etliche Sunniten bspw. aus dem Diyanet-Umfeld, die mit der Teilnahme von Edibe Gölgeli in der SRF Sendung zum selbigen Thema nicht einverstanden waren, da sie ihrer Meinung nach als Mitglied eines alevitischen Vereins nicht berechtigt sei, in dieser Frage sinnvoll mitzureden. Aleviten haben es leider generell nicht einfach im sunnitisch-orthodoxen Umfeld.Report

  2. Die Debatte zur Anerkennung auch von muslimischen Religionsgemeinschaften ist wichtig, weil sie eine Gegenstimme bilden kann zur populistischen Polarisierung und Vorverurteilung von Andersgläubigen. Erst die öffentliche Diskussion über die Bedingungen einer solchen Anerkennung zeigt sowohl der muslimisch wie der christlich argumentierenden Seite, worum es eigentlich geht. Nur so ist eine Verständigung überhaupt möglich.Report

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